Lübeck: Domtürme werden für 23 Millionen Euro saniert

Lange hatte die Dom-Kirchengemeinde gewartet – jetzt wurde der Voruntersuchungsbericht zur Sanierung der Domtürme vorgestellt.

Dom-Sanierung startet in 2022

Lange hatte die Dom-Kirchengemeinde auf dieses Papier gewartet – jetzt wurde der Voruntersuchungsbericht zur Sanierung der Domtürme vorgestellt. Wichtigster Inhalt: Die Arbeiten werden mindesten acht Jahre dauern und rund 23 Millionen Euro kosten. Damit ist diese Sanierung die teuerste seit dem Beginn des Projekts „Sieben Türme will ich sehen“ im Jahr 2011. Der Turm von St. Petri kostete 2,5 Millionen Euro, die Sanierung der St. Marien-Türme 1,5 Millionen Euro. Der Domtürme-Sanierung sehen die Beteiligten mit Mut und Geduld entgegen – denn nicht zu sanieren ist keine Option.  Pröpstin Petra: „Eine große Aufgabe liegt vor uns, aber ich bin hoffnungsfroh, dass es gelingen wird, wenn viele Menschen uns dabei unterstützen.“

Bevor eine Sanierung beginnen kann, bedarf es gründlicher Voruntersuchungen: Von 2017 bis 2020 wurden die Dom-Türme inklusive Mauerwerk in der Bauphase 0 auf Herz und Nieren geprüft. Zum Einsatz kamen die Fotogrammetrie und eine Drohne, die Ergebnisse wurden am Computer ausgewertet. Auch ein Laserscanner, Tachymeter, ein 3D-Drucker für die Verformungsanalyse, Kernbohrungen und eine rastermikroskopische Analyse lieferten wichtige Daten.

Die Erkenntnisse

„Durch die weitreichenden Schäden in allen Mauerwerksbereichen reichen nicht nur punktuelle Eingriffe aus, es müssen fast alle Außenflächen und zum Teil auch Innenflächen saniert werden“, resümiert Carlos Blohm, Bauausschuss-Vorsitzender der Dom-Gemeinde. Dafür müssten für einzelne Bereiche differenzierte Sanierungsbausteine entwickelt werden. „Eine Sanierungsmethode für alle Maßnahmen wäre nicht zielführend – dies erzielte bei früheren Sanierungen nicht die gewünschten Ergebnisse“. Die Abtragung von Gesteinsteilen begann bereits nach dem Bau des Doms (1173 bis 1247), die verwendeten Ziegel hielten der Witterung nicht stand. Danach ersetzte man die defekte Schale, ohne diese richtig mit dem Kernmauerwerk zu verankern. „So steht die Fassade noch heute wie eine bunte „Tapete“ vor den beiden Schäften und haftet durch Reibung an der Hintermauerung. Daher rühren die großen Risse“, führt Blohm weiter aus.

Die Sanierungsmaßnahmen

Derzeit bereiten sich die Fachleute mit folgenden Fragen auf die Sanierung vor: Wie können die Schalenmauerwerke an das Kernmauerwerk dauerhaft angeschlossen werden? Wie geht man mit temperaturbedingten Längenänderungen des Mauerwerks um? Welche Bereiche sind komplett abgängig aufgrund des vorgefundenen Materials? Welche Bereiche können erhalten werden? Welche Fugen- und Mauermörtel werden verwendet? Die Antworten sollen innerhalb des Probebauabschnittes, für den 474.000 Euro einkalkuliert sind, zur Festlegung der einzelnen Sanierungsmethoden gefunden und fließen in das Sanierungskonzept ein.

Die Dom-Türme werden zudem während und nach der Sanierung auf ihre Neigung mit einem Festpunktmonitoring untersucht, um Erkenntnisse zur Dynamik der Türme und der Nachhaltigkeit der Gründung des Doms zu erhalten. Denn dieser steht auf einem wackligen Fundament, wie die Experten feststellten. Die Sanierung der Türme kann davon unabhängig durchgeführt werden. Eine Sanierung des Fundaments folgt eventuell zu einem späteren Zeitpunkt.

Erster Bauabschnitt 2022

Der erste Bauabschnitt ist für 2022 geplant, Voraussetzung ist eine gesicherte Finanzierung – die Kosten werden mit 2.928.000 Euro beziffert. Es folgen sechs weitere Bauabschnitte, die zwischen 2.745.000 und 3.907.000 Euro kosten – bis zur voraussichtlichen Fertigstellung des Gesamtprojektes im Jahr 2028. Um dies finanzieren zu können, werden kirchliche Eigenmittel, öffentliche Zuschüsse, Fördermittel von Stiftungen sowie Spenden von Privatpersonen und Unternehmen erforderlich sein.

„Die Gesamtsumme ist im ersten Moment natürlich unvorstellbar groß. Dennoch glaube ich mit ganz viel Zuversicht, dass wir diese Aufgabe packen werden. Wir stehen nicht alleine da, das ist das große Glück. Es gibt so viele Menschen, die uns immer wieder zeigen, wie sehr ihnen der Dom am Herzen liegt. Manchmal sind es nur vermeintlich kleine Spenden, die sie uns zukommen lassen. Aber wir wissen, wieviel Herzblut und Liebe dahinterstehen. Das rührt uns sehr. Und jede kleine Geste und Gabe hilft zum großen Ganzen“, sagt Dom-Pastorin Margrit Wegner.

Auch Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau macht Mut: „Die Finanzierung der Sanierung der Dom-Türme ist eine große Herausforderung. Wir Lübecker sind dafür bekannt, Herausforderungen mutig anzugehen..“

Mehr unter www.sieben-tuerme-luebeck.de.

Pressemitteilung Kirchengemeindeverband Innenstadt Lübeck 

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