Eutiner Festspiele bereiten weltberühmte Puccini-Oper „La Bohème“ vor

Die Grundbühne ist aufgebaut, der Orchestergraben für die Musiker hergerichtet. Aber nicht nur auf der Freilichtbühne im Schlossgarten tut sich etwas, auch hinter den Kulissen schreiten die Vorbereitungen für die 70. Saison der Eutiner Festspiele voran. Wie sich die Macher die Inszenierung der Oper „La Bohème“ vorstellen, erläuterten sie am Dienstag vor der Presse.

Auch in schmaler Fassung ist die Oper originalgetreu umsetzbar

„Wir werden immer wieder gefragt, ob die Spielzeit angesichts der Corona-Krise denn überhaupt stattfindet. Wir beantworten das Stand heute mit einem Ja – und beobachten die Situation mit Augenmaß und Vorsicht“, machte Pressesprecherin Ulrike Horstmann von Beginn an deutlich. Schon mit der Auswahl der Stücke, die mit kleineren Besetzungen auskommen, haben die Festspiele Problemen vorgebeugt. „Puccinis ,La Bohème‘ ist flexibel handhabbar. Diese Oper kann man in unterschiedlichsten Varianten spielen. Sie ist auch in schmaler Fassung originalgetreu umsetzbar“, betont Geschäftsführer Falk Herzog.

600 Zuschauer pro Aufführung wären kostendeckend

Trotzdem gebe es noch viele Unwägbarkeiten. So habe die Landesregierung noch keine Richtlinien für Open-Air-Veranstaltungen vorgelegt. „Intern gehen wir deshalb zunächst vom Worst Case aus und planen mit maximal 600 Zuschauern – einem Drittel unserer Tribünenkapazität. Damit würden wir kostendeckend durch die Saison kommen.“

Das ganze Ensemble wird engmaschig getestet

In Sachen Corona sieht Herzog die Probezeit, die am 10. Mai startet, und nicht den eigentlichen Spielbetrieb als Knackpunkt. „Nur dann gibt es den engen Kontakt im Gebäude. Durch eine engmaschige Testung wollen wir Risiken minimieren. Wir bauen eine neue Lüftungsanlage auf der Probebühne ein und denken auch über Proben draußen nach.“ Die Festspiele schaffen sich sogar ein eigenes PCR-Gerät an, um sichere Corona-Tests fürs gesamte Ensemble zu gewährleisten. An einem Spielabend müssen rund 250 Menschen (vom Musiker bis zum Platzanweiser) getestet werden. Nicht möglich sei es dagegen, auch jeden Gast zu testen.

Hilary Griffiths: „Puccini ist ein Meister der Sentimentalität!“

Zurück zu „La Bohème“: Der Welterfolg von Giacomo Puccini gilt als perfekte Oper. „Puccini ist ein Meister der Sentimentalität. Bei diesem Stück wird jedes Herz weich und jedes Auge feucht“, sagt Hilary Griffiths, musikalischer Leiter der Festspiele. „Die Oper dreht sich um vier freischaffende Künstler in harter Zeit – aktueller könnte das Thema nicht sein!“ Entgegen kommt den Theatermachern, dass kein großer Chor erforderlich ist und die Inszenierung flexibel an etwaige Einschränkungen angepasst werden kann. Für alle Fälle hat Griffiths eine Partitur für ein kleines Orchester mit höchstens 26 Musikern vorbereitet. Auf der Bühne stehen sieben Sänger. Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben, aber das Publikum darf sich auf erfahrene internationale Künstler, die musikalisch höchstes Niveau bieten, freuen.

Ein Erzähler führt durch das Stück

Regisseur und Eutin-Newcomer Igor Folwill plant ein Kammerspiel, das zur Mitte hin regelrecht explodiert und schließlich doch karg und tragisch endet. Die Geschichte von gelebten und dann doch zerplatzten Träumen wird in italienischer Sprache aufgeführt. Die Rahmenhandlung, durch die ein Erzähler führt, ist auf Deutsch. Der Entwurf von Bühnenbildner Jörg Brombacher nimmt die Thematik auf: Die Kulissen werden weiter nach vorne geholt, ja ein Stück weit über den Orchestergraben gebaut und damit nahe ans Publikum gerückt. Die schwarz-weiße Bühnenwelt der brotlosen Künstler verwandelt sich im Laufe des Stücks in eine Art bunte Manege, in der der Zirkus des Lebens tobt … In der Historie der Eutiner Festspiele wurde die Puccini-Oper bisher nur einmal auf dem grünen Hügel aufgeführt – vor genau 50 Jahren.

Weitere Veranstaltungen sind in Planung

Premiere ist am 30. Juli. Von „La Bohème“ und dem zweiten Hauptstück – dem Musical „Cabaret“ – stehen insgesamt 25 Vorstellungen auf dem Programm. „Dazu gesellen sich ein paar weitere schöne Sachen“, kündigt Produktionsleiterin und neue Co-Geschäftsführerin Anna-Luise Hoffmann an. Denn mit dem zukünftigen Neubau soll die Freilichtbühne auch breiter genutzt werden. Und man will schon jetzt kreativ testen, was dort möglich ist. Der Kartenvorverkauf soll am 3. Mai beginnen. Aktuelle Infos gibt es online auf www.eutiner-festspiele.de.

Volker Graap

Die Geschäftsführer Falk Herzog und Anna-Luise Hoffmann stellten jetzt mit ihrem Team die konkreten Planungen für Puccinis berühmte Oper „La Bohème“ vor.
Am Dienstag präsentierte auch Bühnenbildner Jörg Brombacher zusammen mit dem musikalischen Leiter Hilary Griffiths und Regisseur Igor Folwill (von links) den Entwurf der Opern-Kulissen. (Fotos: Graap)

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