Buch über Eutiner Öfen: Von Tischbein, Goethe, Lady Hamilton und der Antike

Der frühere Vorsitzende des Freundeskreises Schloss Eutin, Dr. Wolfdieter Schiecke, hat sich auf Spurensuche begeben und ein bisher unterbelichtetes Kleinod der deutschen Kunstgeschichte erhellt: Er hat die Historie der „Eutiner Öfen“ – auch „Tischbein-Öfen“ genannt – erforscht und in einem über 70-seitigen Buch dokumentiert.

Der Goethe-Maler liebte die griechische Mythologie

Kulturfreunde kennen Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829). Er ist der Maler des weltberühmten Gemäldes „Goethe in der Campagna“. Unter südlicher Sonne entwickelte er eine besondere Leidenschaft: „Bei seinen Italienaufenthalten hat er die Liebe zur Antike entdeckt. Er hat detailreiche Zeichnung von altertümlichen Vasen und Skulpturen gefertigt“, berichtet Schiecke. In Italien schloss er nicht nur Freundschaft zum deutschen Dichterfürsten, sondern auch zum englischen Botschafter in Neapel und dessen Frau, der berühmt-berüchtigten Lady Hamilton. Von ihrer makellosen Schönheit war er fasziniert. Viele Gestalten der griechischen Mythologie – wie etwa die schönen Helena – hat er nach diesem weiblichen Ideal gezeichnet. Man erkennt in seinen Bildern häufig die Gesichtszüge von Lady Hamilton.

Diese Öfen finden sich noch in einigen Gebäuden in Norddeutschland

Dass Tischbein regelrecht für die Antike gebrannt hat, spiegelt sich in den Eutiner Öfen wider. Als der Künstler 1808 als Hofmaler nach Eutin kam, hat sich das auch befruchtend auf das örtliche Kunsthandwerk ausgewirkt. Für die Öfen der Eutiner Töpferei Niemann – sie stand einst dort, wo sich heute der Kreishaus-Neubau befindet – hat Tischbein nach Bildern aus der klassischen Antike Ofenkacheln entworfen. Von den 43 klassizistischen Öfen im Schloss ist gut die Hälfte mit den markanten Motiven geschmückt. „In der breiten Öffentlichkeit sind diese Öfen, von denen des in Häusern und Museen in Norddeutschland sicher noch rund 100 Exemplare gibt, fast gänzlich unbekannt. Es gibt so gut wie keine Literatur darüber, und auch Tischbein hat in seinen Briefen und Erinnerungen keinen Hinweis hinterlassen“, so Schiecke.

Eutiner Ofenbautradition lebte in Dänemark weiter

Gefragt waren die Öfen ohnehin nur im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Danach verschwand die Mode – und Ofenmanufaktur um Ofenmanufaktur. „Die Eutiner Ofenbautradition hat sich dennoch weiterentwickelt. Ein Niemann-Lehrling, Herman Joachim Kähler, ging mit dem Wissen auf Wanderschaft und fand über Neustadt seinen Weg nach Dänemark, wo er eine eigene Töpferei gründete und Kachelöfen herstellte“, hat Ofen-Detektiv Schiecke herausgefunden. „Kähler Design“ ist heute eine bekannte Keramikmarke und gehört seit 2018 zur Rosendahl-Gruppe.

Die druckfrische Dokumentation ist ab sofort erhältlich

Das reich bebilderte Buch „Wilhelm Tischbein und die Eutiner Öfen“, in dem Wolfdieter Schiecke an ausgewählten Exponaten auch die Arbeitsweise Tischbeins schildert, kostet 22 Euro. Es ist unter anderem im Buchhandel, im Schloss-Shop, im Eutiner Ostholstein-Museum und bei der Druckerei Bogs erhältlich.   Volker Graap

 

Dr. Wolfdieter Schiecke stellt sein Buch über die Eutiner Tischbein-Öfen vor, von denen es im Schloss Eutin noch etwa 20 gibt. (Foto: Graap)

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