Umbenennung beantragt: Quo vadis, Malenter Hindenburgallee?

Ist das noch gut oder kann das weg? Nicht nur für Lebensmittel gibt es ein Verfallsdatum. Manchmal halten auch kommunalpolitische Entscheidungen neuen Erkenntnissen oder Einsichten nicht mehr stand. Kann der ehemalige Reichspräsident Paul von Hindenburg noch Pate für Straßennamen stehen? Das ist eine Frage, die immer mehr Städte und Gemeinden mit einem Nein beantworten. Die Malenter Gemeindevertretung berät am Donnerstag, 25. März, nun einen Antrag der Fraktion SPD/Grüne auf Umbenennung der Hindenburgallee.

„Aus heutiger Sicht keine Person, die noch länger geehrt werden darf“

Die Stadtvertreter Carmen Weber und Andreas Endler führen in ihrem Antrag dazu aus, dass Hindenburg „aus heutiger historischer Sicht keine Person ist, die durch Namensgebung für eine Straße noch länger geehrt werden darf“. Insbesondere sei der ehemalige Reichspräsident für das sogenannte Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 mitverantwortlich, welches die Schreckensherrschaft von Adolf Hitler ermöglicht habe.

Kommunen wie Kiel und Lübeck haben bereits gehandelt

Überhaupt ist die Rolle Hindenburgs in der Weimarer Republik sehr umstritten, denn er nutzte als Reichspräsident die großen Machtmittel seines Amtes, um mithilfe seines Notverordnungsrechtes die Gesetzgebungsrechte des Reichstags auszuhebeln. Städte wie Kiel oder Lübeck haben aus diesen Gründen bereits gehandelt und Straßen und Plätze umbenannt. Zur Findung eines neuen Namens soll die Öffentlichkeit um Vorschläge gebeten werden, so die Fraktion SPD/Grüne.

Bürger sollen bei Namensfindung einbezogen werden

Die Verwaltung empfiehlt folgenden weiteren Beschlussvorschlag: Der Antrag wir zur Beratung an den Planungsausschuss zur Vorberatung verwiesen. Die Verwaltung macht einen Verfahrensvorschlag, wie unter Einbeziehung der relevanten Gremien der Selbstverwaltung und unter Beteiligung aller Bürger eine Umbenennung der Hindenburgallee erfolgen kann.

Gemeindevertretung berät das Thema am 25. März

Die Hindenburgallee zwischen Bahnhof und Gremsmühle ist nur wenige Hundert Meter lang und hat eine überschaubare Zahl von Anliegern. Die Sitzung der Gemeindevertretung findet am Donnerstag, 25. März, um 18 Uhr in der Sporthalle der Schule an den Auewiesen, Neversfelder Straße 11, statt.

Volker Graap

(Foto: Graap)

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Eine Antwort auf „Umbenennung beantragt: Quo vadis, Malenter Hindenburgallee?“

  1. Hans Hinrich Hatje sagt:

    „Schleichende Geschichtslosigkeit“
    Ich befürchte, dass sich durch Umbenennung von Straßen und Plätzen eine schleichende Ideologisierung durchsetzt. Diese Entwicklung hat zum Ziel, die Menschen von ihren Bindungen zur Vergangenheit abzutrennen und Ihnen quasi auf diese Weise die Grundlage zu nehmen, auf derer sie die Gegenwart beurteilen können. Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Gegenwart nicht begreifen und die Zukunft nicht bewältigen können. Noch im April 1932 wurde Hindenburg von allen demokratischen Parteien bei der Wahl zum Reichspräsidenten unterstützt. Besonders die SPD hat aktiv für ihn geworben. Mit 53 % der Stimmen gewann Hindenburg dann die Wahl gegen Hitler und Thälmann von den Kommunisten. Ein erklärendes Zusatzschild zur Person Hindenburg wäre meines Erachtens ausreichend, um unvoreingenommen historische Zusammenhänge im Blick zu behalten.

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