Die Idee vom Kunstwerkhof: Eutiner Taschenmacher will „Coworking Space“ schaffen

Hannes Gebien ist sicher nicht der einzige Kunsthandwerker, dem die Corona-Krise das Geschäftsmodell zerstört hat. „Die Pandemie ist wie eine Backpfeife“, sagt der gebürtige Eutiner, der nach vielen erfolgreichen Jahren als Taschenmacher in Berlin wieder zurück in der Heimat ist. Aber wenn sich Zukunftspläne in Luft auflösen, müssen neue Ideen her. Und deshalb hat Gebien jetzt das Crowdfunding für ein besonderes Projekt gestartet: In einem alten Stallgebäude will der 42-Jährige einen Kunstwerkhof als sogenannten „Coworking Space“ für Kunsthandwerker und Kreative aufbauen.

Aus dem Hobby ist ein Beruf geworden

Hannes Gebien ist gelernter Segelmacher, die Ausbildung hat er in Heiligenhafen absolviert. „Am Ende des Tages haben immer die Lehrlinge die Werkstatt gefegt. Die vielen Segeltuch-Reste fand ich zu schade für die Mülltonne – und für den Chef waren sie uninteressant“, erzählt Gebien. Und so hat er begonnen, mit den Stoffen herumzubasteln und schließlich Taschen zu produzieren und auf Märkten zu verkaufen. Aus dem Hobby ist ein Beruf geworden – sein Label heißt „packattack“. „2008 habe ich in Berlin-Friedrichshain einen Laden eröffnet. Inzwischen ist der Kiez zum Szeneviertel geworden und wir sind mitgewachsen“, berichtet Gebien. Den Stall in Eutin hat er dann erworben, um eine Werkstatt für das Berliner Geschäft und die Kunsthandwerkermärkte aufzuziehen.

Corona hat alle Pläne über den Haufen geworfen

Doch dann kam Corona und hat alle Pläne über den Haufen geworfen. Er ist mit seiner jungen Familie ins von den Großeltern geerbte Haus nach Fissau gezogen, hat im Keller eine provisorische Werkstatt eingerichtet und einen Halbtagsjob als Fachanleiter in einer Plöner Kreativwerkstatt angenommen. „Diese Stelle werde ich auch zukünftig nicht aufgeben, sondern vielmehr zweigleisig fahren“, sagt Gebien. Das im Stall gebundene Kapital soll nicht sinnlos investiert sein. Deswegen will er sich und anderen mit dem Projekt „Kunstwerkhof“ einen Weg aus der Corona-bedingten Existenzkrise ebnen.

Ein Ort für Kunsthandwerker und Kreative

„Wir wollen in Eutin einen Ort schaffen, an dem Kunsthandwerker und Kreative, aber auch normale Handwerker und andere Berufe zusammenarbeiten können“, erläutert der Initiator. Sie können an einem Werkstattplatz arbeiten und die Infrastruktur gemeinsam nutzen. „Das wird kein Neben-, sondern ein Miteinander. Wir wollen in dieser Zeit der Vereinzelung ein bewusstes Zeichen setzen, dass man als Gemeinschaft sehr viel mehr erreichen kann“, so Gebien.

Crowdfunding, denn ohne Gemeinsinn geht es nicht

Baumaterial ist schon vorhanden, was vor allem noch fehlt, ist die Baugenehmigung. Deshalb würde sich Gebien auch über die Unterstützung eines Architekten freuen. Auf Bankkredite will er verzichten. „Bisher haben sich meine Unternehmungen aus sich selbst heraus finanziert, das soll auch so bleiben“, betont Gebien. Aber zumindest ohne Gemeinsinn geht es nicht: Der Aufruf zum Crowdfunding ist auf der bekannten Online-Plattform www.gofundme.com zu finden. Damit sollen die Grundlagen bestritten werden.

Auf Pro 7 läuft eine Doku unter anderem über Hannes Gebien

Erste Mitstreiter gibt’s bereits. Weiteren Interessierten steht Hannes Gebien jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung. Kontakt gibt es unter Telefon 01577 3860971 oder über die Website www.kunstwerkhof-eutin.de. Der Online-Shop der Taschen-Manufaktur ist auf www.packattack.de zu finden. Und wer Näheres über Hannes Gebiens Situation während der Corona-Pandimie erfahren möchte, kann bei Pro 7 vorbeischauen: Die Sendung „taff“ hat mehrere Menschen in der Krise begleitet und eine Doku produziert.
Volker Graap

 

Von der Umhängetasche bis zum Rucksack: Hannes Gebien hat seine Taschen-Manufaktur „packattack“ vor fast 20 Jahren gegründet. Zurzeit ist sie provisorisch im Keller seines Hauses untergebracht. (Foto: Graap)

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