Addi Kahl im Offenen Kanal Lübeck: Impf-Erlebnis op Platt

Der Liedermacher, Dichter, Alleinunterhalter und Plattsnacker Addi Kahl aus Eutin hat am Freitag, 19. März, wieder einen Auftritt im Radio – beim Offenen Kanal Lübeck. Um 17 Uhr läuft dort die Sendung „Platt ut de Hansestadt“, und Addi Kahl berichtet bekannt humorvoll von seiner Corona-Schutzimpfung.

Von Kontaktschwierigkeiten bis zum finalen Piks

Die Radiohörer dürfen sich wieder auf eine Stunde mit bunten Beiträgen in niederdeutscher Sprache freuen. Knapp neun Minuten lang ist die Lesung von Addi Kahl. Der 84-jährige Kreative erzählt vom Impftermin, den er und seine Frau kürzlich in Eutin hatten – angefangen von den Schwierigkeiten, mit den zuständigen Behörden in Kontakt zu kommen, über die Furcht vor der vermeintlich langen Spritzennadel bis hin zum finalen Piks, der gar nicht wehtat.

Addi Kahl schildert seine Erlebnisse mit Humor

„Viele Menschen fragen sich, wie läuft das ab und was empfinden die Leute beim Impftermin“, meint Addi Kahl. Er hat seine Erlebnisse einfach mal in einen Text gepackt und sie für die Freunde des Plattdeutschen im Tonstudio eingesprochen. Hier findet man den Livestream zur Sendung.
Volker Graap


So kennen ihn seine Fans: Der Eutiner Plattsnacker Addi Kahl hat bereits ein Buch mit norddeutschen Gedichten und eine CD mit maritimen Liedern veröffentlicht. (Foto: hfr)

 

Für alle, die nicht auf die Sendung warten möchten: Hier ist Addi Kahls Geschichte „DE CORONA-SPRÜTTEN“. — Na dat veele „Düt un Dat“ un dat ewige „Hen un Her“ üm de vermaledeiten Termine, üm sik mit över tachentig Levensjohr de Sprütt gegen denn Corona-Virus aftohalen un dat schull nu miteens op ’n Stutz losgahn. Mien Finger weern middewiel binah all glöhnig wurrn vun de endlosen Kontaktversöök mit uns tostännige Impfzentrum. – Ok bi de Noot-Hölp-Nr. 116117 / weer gor keen Dörchkamen, bloots jümmers de mitleedlose Stimm na lange Stunnen, un ümsünst op de „Wahlwiederholung“ to tippen un jeedeenmal as Anter in Ohr to kriegen:……. „Bitte, versuchen Sie es nochmaal zu einem späteren Termin!“ Nu brööch de Postbüddel een Info-Schrieven un dor stünn swatt op witt uns Termin mit Dag un Stunn / woanns wi in ’t Impfzentrum vörstellig warrn schulln. – Mieke, mien Fru, harr liedens groten Bammel för de vermeentlich langen un bannig dicken Nadeln vun Sprütten, de man jümmers in Nahopnahmen in Glotzkisten bi all de Corona-Senn to sehn kreeg. – Ok dat gresige mit lange „Wattesticken-in-de- Nesen-rümstocheree“, binah bit baven hen in denn-Gripskassen?! Düsse Biller löten uns Harten in Abwehr-Reaktschoon, samt Gooshuut, bannig pukern: „Dat laat ik bi mi op gor keeneen Fall maken“, meen Mieke un ik nickköpp heftig dorto…….. So stünnen wi denn to rechte Tiet mit ’n ungode Geföhl vör de Butendöör vun ’t Impfzentrum, dat maal vör Johren een grote Koophus weer un all längere Tiet wegen, wohrschienlich, de veelen Internet-Köpers för jümmers slaten harr. – Een egenordige Geföhl wo wi lange Johren uns Broot, Knackwuß, Melk un Gemüüs inkööft harrn. Wi würrn vun bannig fründliche Bundeswehrsuldaten na uns Dukumente befraagt, de wi Tohuus all vör Wuchen utfüllt harrn un uns toeerst so ’ne Oort vun Pistool vör de Köpp hööl. (Een Thermometer in Noors weer dor woll ok nich schicklich) de uns glieks na ’n neegsten Sani hen schick. de uns, achtern dicke Glasschiev sittend vergnöögt ansmuuster: „Na, denn wollen wir mal, meine Herrschaften!“… Mieke plier mi an un ik sööh de blasse Snuut, as wenn ’t nu glieks na ’t Schafott güng! Dat mark woll ok de fründliche Suldat un strahl uns mit sien waterblaue Ogen an: „Sie beide gehen jetzt bitte nach der Kontrolle weiter durch in den Warteraum Nr. 1. Da stehen mit Abstand Stühle für Sie paraat und dort kümmert sich Jemand um Sie, bis Sie namentlich aufgerufen werden!“ – Mit sneidige Gröten an sien Suldaten-Käppi weern wi entlaten. An de langs de Wännen opstellten Ruumdeelers in uns ehemaalige Koophus stünn Stohlreeg an Stohlreeg mit denn vörschreven Afstand un mit öllere Lüüd besett, dörch de Bank woll över tachentig Johr oolt. – Man kunn se, achter Snutendöker versteken, kuum identifizeern un tomeerst, so as mien Mieke, musenstill un Gott-ergeven op de androhte Anti-Corona-Sprütt to töven. – ……. Binah as Deliquenten luurn de Minschen mit unsekere Blicke na de Döör hen, wo se in de neegsten Minuten de nödige Sprütt gegen de Pandemie bekommen schulln. Na ’t utfüllen vun nödige Daten un op Anwies weern Mieke un ik endlich an de Reeg un vun een bannig fründliche Süster afhaalt un vör de Sprüttenruum-Döör führt. „Fallen Sie bitte nicht“, sääh se to Mieke, de sik an mienen Arm fast hööl, un mi mit Ogen anplier, as wenn dat nu ehr luurletzte Dag weer! – Ok de snieke Dokter, de uns begrött, kreeg dat woll mit un meen: „Gleich ist die Tortur vorbei, meine Dame. – Sie werden von dem Pieks der Nadel kaum etwas spüren! – Setzen Sie sich nachher bitte noch für15 Minuten in den dafür vorgesehenen Wartebereich, was bei uns nur eine Vorsichtsmaßnahme sein soll!“ De nette Süster mahn indessen to Iel, denn buten stünnen noch ’n Barg Lüüd över tachentig vör de Ingangsdöör. – „Lassen Sie man Ihre persönlichen Sachen hier auf den Stühlen liegen. Ich passe solange auf, dass nichts wegkommt!“ – Un so rööp man mien Mieke un mi, middewiel halvnackig utpellt, in denn Ruum wo uns de Pieksdokter vun de Bundeswehr forsch, avers jichtenseen ok beruhigend ansnacken dö: „Setzen Sie Beide bitte da vorne vor den Schreibtisch?“ Un he vertell dorbi noch’n beten wat, wat ik gor nich mehr in düsse Situatschoon so recht mitkreeg, ok nich denn Pieks in denn Arm, wo sik Mieke jümmers över dicke Nadeln utlaten harr……… „So, ich bin fertig“, meen de Dokter, „und alles Gute weiterhin und schön gesund bleiben! – / Na, war doch gar nicht so schlimm?“- Un, pladautz, kunnen wi gahn un tappern in Richtung Töövruum, beten geneerlich allerdings, wieldat dat „Sik-betenhübsch- maken-ahn-Spegels“ in denn Trubel gor nich güng, denn mien Mieke harr mit ehr Hoorfrisuur na ’n binah halve Johr lang dat ungepleegte Geföhl vun so ’n utfranste Reiserbessen op’n Kopp, wieldat keen Babeer nich to griepen weer. In de letzten 15 Minuten kunn wi beiden noch Studien bedrieven, woanns anner Lüüd över tachentig sik in düsse markwürdigen Pandemie-Tieden torecht fünnen.- Nich jümmers werrn dat bloots vergnöögliche Biller!?……. Denn rööp uns de junge Suldat vun de letzte Kontroll opletzt to. dat wi nu gahn kunnen. In ’t Vörbigahn fröög ik em mit ’n Grienscher in’t Oog: „Seggen Se maal, woanns könnt wie uns denn hier hüüt villicht noch Rabattmarken afhalen?“ Ik weer överhaupt nich seker, op düsse Scherz in all de bösen Corona-Tieden överhaupt verstahn wurrn is. ( Ahn beten gesunnen Humor geiht dat bi mi ni nich ) Buten op’n Marktplatz, de Sünn kööm nagraad achtern düster Wulken to’n Vörschien, stünn eene lange Slang öllerige Lüüd. – Een Opa, he harr ’n schööne grööne Buurnmütz op’n Kopp, fröög mien Mieke: „Na, junge Fru, Se seht erlichtert ut? Harrn Se ok so’n Schiß vör de Nadel vun de Sprütt ? – Hett doch woll nich weh don?“…… „Ne ne“, meen Mieke tapper, „denn Pieks heff ik gor nich mitkregen. Avers nu wülln wi een schöön Tass Koffe drinken!“ – Ik anter: „Wo denn, – hett doch to Tiet gor keen Cafe apen. Un ut dösige Pappbekers to drinken un vör slaten Dören stahn, nee, ni nich! – Nee, wi föhrt nu schöön na Huus! In veer Wuchen gifft dat denn neegsten Pieks. Villicht hett dor ja all ’n Cafe apen!“
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