Windpark bei Obernwohlde – Schlampige Planungsunterlagen kritisiert

Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Stellungnahme der Gemeinde zum ersten Abschnitt der 380-kV-Ostküstenleitung aus dem Segeberger Raum.

Gemeindevertreter beschlossen Stellungnahme zum ersten Abschnitt der Ostküstenleitung

Die Sondersitzung der Gemeindevertreter am Montag hatte zwar nur eine kurze Tagesordnung, aber sie hatte es in sich. Zunächst konnte die Videokonferenz nicht pünktlich beginnen sondern mit fast einer halbstündigen Verspätung. Grund waren technische Probleme, weil eine andere Plattform genutzt werden sollte.
Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Stellungnahme der Gemeinde zum ersten Abschnitt der 380-kV-Ostküstenleitung aus dem Segeberger Raum Richtung Lübeck. Raimund Weidlich vom Lübecker Planungsbüro Prokom hatte die Stellungnahme ausgearbeitet. Er kritisierte die sehr umfangreichen Unterlagen und den dafür sehr kurzen Zeitraum, in dem die Stellungnahme abzugeben war. Das der Stellungnahme angefügte Artenschutzgutachten erstellte Diplom Biologe Stefan Greuner-Pönicke aus Kiel.

In der von Weidlich verfassten Stellungnahme führte er vorwiegend methodische Anmerkungen an. So seien beispielsweise bei den Vorbelastungen die bestehenden Windkraftanlagen überhaupt nicht berücksichtigt worden. „Die Planungsunterlagen weisen eine diffuse Methodik und nicht nachvollziehbare Bewertungen auf“, so Weidlich bei der Vorstellung. Diese Kritik nahm Helmut Neu (UWG) auf und warf den Planern vor „schlampige Unterlagen“ eingereicht zu haben. „Müssen wir das so hinnehmen oder gibt es da rechtliche Möglichkeiten?“, fragte er.

Urspünglich wurde um Fristverlängerung gebeten

Auch die Sprecher von Grünen, CDU und SPD ärgerten sich über die Vorgehensweise der Tennet, die von der Bundesnetzagentur mit den Planungen beauftragt worden war. Bürgermeisterin Julia Samtleben erklärte, dass aufgrund der Coronalage um Fristverlängerung gebeten worden war. „Ich habe das Gefühl, dass das durchgedrückt werden soll“, so ihre Einschätzung. Bauamtsleiter Dieter Rodewald bestätigte, dass die Fristverlängerung abgelehnt wurde und kritisierte, dass die verschiedenen Ämter andere Planungen wie Windkrafteignungsgebiete und Landesentwicklungsplan ignoriert würden.

Artenschutz soll beachtet werden

Auch Biologe Greuner-Pönicke kam zu Wort und führte für den Artenschutz das Kollisionsrisiko an. Dabei träten Synergieeffekte zwischen Windkraftanlagen und 380-kV-Leitung auf. Zudem seien in den Planungen veraltete Daten von 2015 und 2016 zugrunde gelegt. „Das Verfallsdatum für Bestandsaufnahmen liegt bei fünf Jahren“, so der Diplom Biologe.

Die Grünenvertreterin Sabine Gall-Gratze erklärte, dass in den letzten zehn Jahren der Bestand an Großvögeln wie Rotmilan oder Weißstorch stark zugenommen hätte. „Das sollte unbedingt berücksichtigt werden“, mahnte sie an. Beschlossen wurde, dass dieser Sachverhalt im Anschreiben der Bürgermeisterin ergänzt werden sollte. Die Stellungnahme wurde anschließen einstimmig beschlossen

Anja Hötzsch

Der Windpark bei Obernwohlde und die Windkraftanlage auf dem Krumbecker Hof fanden bei den Planungen zur Ostküstenleitung keine Berücksichtigung. Foto: Anja Hötzsch

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