Jobcenter Ostholstein: Trotz Pandemie weniger Leistungsbezieher

Trotz der Corona-Pandemie kann das Jobcenter Ostholstein für 2020 eine positive Bilanz ziehen. Während 2019 noch 10 500 Frauen und Männer in 5800 Haushalten Leistungen vom hiesigen Jobcenter erhielten, waren es im Jahr darauf 9800 Personen in 5500 Haushalten. Die Rückgänge lagen bei 6,7 Prozent und 4,9 Prozent – „so stark wie in keinem anderen Kreis und keiner kreisfreien Stadt in Schleswig-Holstein“, betont Geschäftsführer Karsten Marzian.

Kosten haben sich um 1,2 Millionen Euro verringert

Dank dieser Entwicklung haben sich auch die Ausgaben des Jobcenters Ostholstein für das Arbeitslosengeld II sowie die Kosten der Unterkunft und Heizung um 1,2 Millionen Euro verringert. Insgesamt hat die Einrichtung in den vergangenen zwölf Monaten 77,8 Millionen Euro ausgegeben, 2019 waren es 78 Millionen Euro. 27,4 Millionen Euro entfielen 2020 auf das Arbeitslosengeld II, 25,6 Millionen Euro auf die Kosten der Unterkunft und Heizung, 300 000 Euro auf einmalige Beihilfen, z. B. für die Erstausstattung einer Wohnung oder bei der Geburt eines Kindes, 900 000 Euro auf die Angebote aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Schülerinnen und Schüler, 9,9 Millionen Euro auf die aktive Arbeitsmarktpolitik und 13,7 Millionen Euro auf die Personal- und Sachkosten des Jobcenters. Die vom Bund für die Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung gestellten Finanzmittel hat das Jobcenter 2020 zu 100 Prozent genutzt.

Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosengeld II war 2020 höher

„Positiv ist auch, dass 2020 gut 100 Frauen und Männer weniger als 2019 Leistungen vom Jobcenter beziehen mussten, obwohl sie in Beschäftigung waren. 2019 waren es noch 2400 Personen. Allerdings ist der Anteil der erwerbstätigen Leistungsbezieher an den erwerbsfähigen Leistungsbeziehern im Kreis Ostholstein mit aktuell 28,9 Prozent landesweit am höchsten“, so Marzian. Grund ist, dass Ostholstein beim Bruttoarbeitsentgelt der Vollzeitbeschäftigten unter allen westdeutschen Kreisen und kreisfreien Städten den vorletzten Platz belegt. Bedingt durch die Corona-Pandemie lag die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosengeld II 2020 um rund 400 höher als 2019, insgesamt waren es knapp 2000 Neuanträge.

Jobcenter Ostholstein hatte die höchste Integrationsquote im Land

Neben Altersabgängen ist der deutliche Rückgang der Leistungsbezieher auf die Aktivitäten des Jobcenters zurückzuführen. Dabei spielt die Integration in Berufsausbildung und Beschäftigung eine zentrale Rolle. 2020 wurden mithilfe des Jobcenters 2050 Frauen und Männer in Ausbildung und Arbeit integriert. Das waren wegen der Corona-Pandemie zwar zehn Prozent weniger als 2019, im Landesschnitt fiel der Rückgang allerdings doppelt so stark aus. Gemessen an den erwerbsfähigen Leistungsbeziehern hatte das Jobcenter Ostholstein mit 26,9 Prozent die höchste Integrationsquote im Land. Besondere Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik waren und sind weiterhin die Mobilitätshilfen wie Führerschein- und Fahrzeugförderungen, individuelle Coachings der Kunden und die Förderung der Teilhabe am Arbeitsmarkt.

Förderung der Teilhabe am Arbeitsmarkt ist ein Erfolg

„Allein mithilfe der Teilhabe am Arbeitsmarkt waren 2020 durchgehend gut 200 Frauen und Männer in Sozialkaufhäusern, bei den Tafeln, im Bereich Umwelt, Natur und Museen, bei kommunalen Arbeitgebern und in Unternehmen beschäftigt. Fast alle erhielten durch die Förderung ein so hohes Arbeitseinkommen, dass sie keine Geldleistungen mehr vom Jobcenter beziehen mussten. Dieses arbeitsmarktpolitische Instrument hat sich gerade in der Corona-Pandemie sehr gut bewährt“, unterstreicht Steve Peters, Bereichsleiter „Markt und Integration“ im Jobcenter Ostholstein.

Geschäftsführer Marzian sieht gute Perspektiven für Ostholstein

Wenngleich die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie auch in Ostholstein zahlreiche Unternehmen und Arbeitnehmer hart treffen und die Zahl der Beschäftigten zurzeit auf hohem Niveau stagniert, bleiben die Perspektiven gut. Warum das so ist, fasst Marzian wie folgt zusammen: „Fast jeder vierte Beschäftigte in Ostholstein ist im lebenswichtigen Bereich Gesundheit und Pflege tätig. Hinzu kommen die Zulieferer, Dienstleister und Handwerksbetriebe, die mit diesen Branchen eng zusammenarbeiten. Ferner gibt es allein in Ostholstein über 1000 Arbeitsplätze in der Medizintechnik mit weiteren Personalbedarfen.“

„Unser Arbeitsmarkt bietet auch in Zukunft sehr gute Chancen“

Marzian weiter: „Trotz der Pandemie ist und bleibt Ostholstein ein interessantes Reiseziel für Urlauber mit einer entsprechenden Personalnachfrage im Tourismussektor. Das hat 2020 gezeigt. Daneben wird der Bau der festen Fehmarnbeltquerung und des Sundtunnels in den kommenden Jahren zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Nicht zuletzt trifft die demographische Entwicklung den ostholsteinischen Arbeitsmarkt mit rund 6000 Beschäftigten, die in den nächsten fünf Jahren in Rente gehen. Die meisten dieser Arbeitsplätze müssen nachbesetzt werden. Unser Arbeitsmarkt bietet also auch in Zukunft sehr gute Chancen. Hinzu kommen die Personalbedarfe zum Beispiel in Lübeck und Kiel, von denen auch Pendler aus Ostholstein profitieren.“

 

Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein, freut sich über die gute Bilanz in schwierigen Zeiten. (Foto: LN-Archiv)

 

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