Nachgefragt: Was macht eigentlich ein Klinikclown im Lockdown?

Was machen Klinikclowns eigentlich unter Corona-Bedingungen? Arbeiten wie gewohnt können sie zurzeit jedenfalls nicht. Auftritte und Besuche in den Kinderkliniken sind nicht erlaubt, denn die Gefahr einer Verbreitung des Virus‘ ist zu hoch. Die sechs am Universitätsklinikum Lübeck tätigen Clowns versuchen, diese Auszeit bestmöglich zu nutzen. Sie erstellen online auf www.klinik-clowns-luebeck.de Videogrüße an die Fans, verschönern ihr Kostüm und erstellen gemeinsam ein Ausmal-Bastel-Rätsel-Zauberbüchlein für die Kinder auf den Stationen. Klinikclown Maximum alias Gunther Veh aus Eutin hat dem Wochenspiegel einen genaueren Einblick in seinen neuen Arbeitsalltag gewährt.

Seit Mitte März geht vor Ort nichts mehr

Klinikclown – das ist für den 55-Jährigen kein Hobby, sondern Beruf, den er jedoch mit viel Herzblut ausfüllt. Kranken Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und dadurch beim Heilungsprozess zu helfen – für Veh gibt es fast nichts Schöneres. Durch seine regelmäßigen Auftritte am UKSH Lübeck und an der Sana Klinik Eutin wurde der Job für Veh zum festen Standbein. Das andere bilden Engagements als Zauberer und Kleinkünstler bei Stadtfesten, Kindergeburtstagen und anderen Events. Aber seit Mitte März geht praktisch nichts mehr. In den Kliniken gilt ein Besuchsverbot, andere Veranstaltungen wurden abgesagt. „Für 2021 habe ich noch keine Anfragen von Veranstaltern“, schildert Veh die Lage. „Über 35 Jahre haben ich davon gut leben können. Doch in Pandemie-Zeiten ist es als selbstständiger Künstler nicht einfach“, erzählt er.

Aktionen fürs Internet entwickelt

Immerhin gibt es Lichtblicke: Im Sommer konnte er als Klinikclown Hoftheater-Visiten organisieren, die die jungen Patienten dann von ihren Fenstern aus verfolgten. Außerdem hat Veh eine vierteilige Online-Schule zur Clown-Weiterbildung via Zoom entwickelt und bereits erfolgreich durchgeführt. Und für den norddeutschen Verein „action family“ hat er eine Online-Zauberschule für Kindergeburtstage kreiert und sich so kleine Gagen verdient.

Gunther Veh schreibt an einem Fantasyroman

Die berufliche Flaute gibt Gunther Veh aber auch die Chance, seine Hobbys auf eine neue Ebene zu heben. „Seit rund fünf Jahren bin ich in meiner Freizeit schriftstellerisch tätig. Nach lyrischen Texten arbeite ich jetzt an einem großen Roman, einem Fantasy-Epos“, berichtet Veh. Das spirituell-unterhaltsame Buch dreht sich um einen tausend Jahre alten Baum, der über die Jahrhunderte Besuch von einem Menschen bekommt, der wiedergeboren immer wieder zu ihm findet. Mal als Mann, mal als Frau, als Bettler oder reicher Geschäftsmann.

Ein Mensch, der Lyrik und Bäume liebt

„Wenn der Baum spricht, dann tut er das in Reimform. Auf diese Weise kann ich zwei meiner Lieben miteinander verbinden: die zu Bäumen und die zur Lyrik“, erklärt der Autor und betont: „Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch. Am Fuße eines mächtigen, alten Baumes bin ich ausgesprochen inspiriert.“ Veh hat mehrere Fotoreisen quer durch Deutschland zu den uralten Naturdenkmälern gemacht und daraus einen lyrischen Bildband gestaltet, für den er noch einen Verlag sucht. „Ich bin guter Dinge“, meint Gunther Veh. Wer, wenn nicht Klinikclowns, verstehen es, auch in schweren Zeiten positiv zu bleiben. Nähere Infos über Gunther Veh gibt‘s online auf www.trickart.de.

Klinikclown-Arbeit wird weitgehend durch Spenden finanziert

Die Kliniken in Eutin (in Zusammenarbeit mit dem KinderLicht e.V.) und Lübeck freuen sich stets über Zuwendungen für die überwiegend spendenfinanzierte Klinikclown-Arbeit. Auf www.klinik-clowns-luebeck.de läuft zurzeit zum Beispiel eine Kunstauktion des Lübecker Fördervereins für den guten Zweck.   vg

Klinikclown Maximum heißt im wahren Leben Gunther Veh. Zauberkunst und Clownerie sind sein Metier, Schriftstellerei und die Liebe zu Bäumen seine Hobbys. (Foto: Graap)

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