Stimmung bei Eutiner Einzelhändlern kippt – Dialog per Videokonferenz

Die Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) lädt in Zusammenarbeit mit der IHK zu Lübeck alle Mitglieder, Unternehmer sowie Interessierte zu einer Videokonferenz per Zoom ein. Am Dienstag, 16. Februar, soll von 17 bis 18.30 Uhr über die Corona-Krise gesprochen werden, die viele Branchen vor große Probleme stellt. „Viele Unternehmen geraten unverschuldet in eine existenzbedrohende Situation. Auf Initiative der Wirtschaftsvereinigung möchte die IHK mit den Betroffenen den Dialog aufnehmen, um von ihnen zu erfahren, welche Unterstützung sie bis zur Öffnung und darüber hinaus benötigen“, erläutert WVE-Chef Hans-Wilhelm Hagen. „Der Dialog gibt eine gute Gelegenheit über die aktuellen Stufenpläne zu diskutieren. Es stellen sich viele Fragen: Ist klar, dass bei einer 35er-Inzidenz der Einzelhandel ohne weitere Bedingungen öffnen darf?“, so Hagen. Anmeldungen erfolgen bis zum 14. Februar über das Online-Formular auf www.ihk-schleswig-holstein.de. Den Link zum Zoom-Meeting erhalten die Teilnehmer rechtzeitig vor Veranstaltungsbeginn.

Klage über erhebliche Ungerechtigkeiten

Die Videokonferenz soll für die Unternehmer ein Sprachrohr sein – auch Politiker haben ihre Teilnahme angekündigt. Einen Eindruck von der Gemütslage einiger Eutiner Geschäftsleute vermittelte ein kurzfristig anberaumtes Pressegespräch am Freitag in der Königstraße. „Seit Monaten ist ,Click & Collect‘ für viele Einzelhändler die einzige Möglichkeit, etwas zu verkaufen“, klagt der WVE-Vorsitzende. Man sei sich einig, dass dies gerade gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel eine große Ungerechtigkeit sei. Er erinnerte daran, dass auch der Mittelstand viele Menschen beschäftige und junge Leute ausbilde.

Großer Ärger über Non-Food-Verkauf im Supermarkt

Sylke Becker, die erst kürzlich ihre Boutique „Hygge 14“ in Eutin eröffnet hat, zeigt sich desillusioniert von den Bund-Länder-Beschlüssen. Zunächst habe sie die Herausforderungen noch positiv angepackt. „Aber seit Mittwoch ist die Stimmung gekippt. Es wäre ja schon hilfreich, wenn wir zumindest einen Kunden zur Zeit bedienen dürften. Das Bedürfnis, etwas zu kaufen und uns zu unterstützen, ist bei der Kundschaft vorhanden“, meint Becker. Bitter stößt ihr auf, dass Supermärkte und Warenhäuser ihre Bevorteilung ausnutzen und die Non-Food-Bereiche zu Lasten der Fachhändler ausbauen würden. Weinhändler Stefan Knorr hält wie zum Beweis einen Discounter-Prospekt in die Höhe: Ganzseitig bewirbt der Discounter Blumensträuße zum Valentinstag.

Die versprochenen Hilfsgelder fließen einfach nicht

Auch Tim Dreyer vom Modegeschäft „Piconaja men“ ist sauer: „Uns fehlt die Perspektive – es ist kein konkretes Öffnungsdatum in Sicht. Besonders schlimm: Ich kenne keinen Kollegen, der schon eine Abschlagszahlung oder Überbrückungshilfen bekommen hätte. Dass kein Hilfsgeld fließt, ist eine Unverschämtheit! Wir müssen ja auch irgendwo von leben.“ Dies bereite ihm schlaflose Nächte. Außerdem koste auch die Umstellung als stationärer Einzelhändler auf Online-Verkauf Geld – „wer soll das in diesen Zeiten bezahlen?“, fragt Dreyer. Für WVE-Chef Hagen zeigt dieses Stimmungsbild in aller Deutlichkeit vor allem eines: „Die Lage ist ernst!“

Wirtschaftsvereinigung Eutin wirbt für „Click & Collect“

Die Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) empfiehlt ihren Mitgliedern im Lockdown und auch danach auf „Click & Collect“ und Onlineshops zu setzen. So könne der stationäre Einzelhandel auch während der Corona-bedingten Ladenschließungen noch Umsatz generieren, Lagerbestände reduzieren, dem Internethandel Paroli bieten und den Kontakt zur Kundschaft halten. Onlineshops und das Prinzip „Click & Collect“, bei dem bestellte Ware im Geschäft abgeholt werden kann, seien nach dem Lockdown Zusatzverkäufe, so die Wirtschaftsvereinigung.

Auch nach der Krise ein wichtiges Verkaufswerkzeug

„Jeder Euro zählt, wenn es darum geht, sich von dieser schweren Zeit zu erholen. Deshalb empfehlen wir, ,Click & Collect’ nicht halbherzig, sondern mit vollem Einsatz anzubieten“, betont die Kaufmannschaft. Dafür sollten alle digitalen Kanäle – wie Onlineshop, Homepage, Newsletter, soziale Netzwerke oder Messenger Storys – als Verkaufswerkzeuge genutzt werden. Auf www.eutinhilft.de wurde zusammen mit der Tourist-Info Eutin bereits ein virtueller Marktplatz erstellt, auf dem sich Kaufleute, Handwerker und Dienstleister vorstellen. Aber auch die WVE-Homepage soll dafür Platz bieten. Ein Eintrag ist über ein Anmeldeformular möglich, das auf www.wv-eutin.de/click-collect zu finden ist.

 

Der WVE-Chef Hans-Wilhelm Hagen freut sich über eine Spende der Eutiner Festspiele, die den Gewerbetreibenden 10 000 Papiertüten mit dem Schriftzug „Ich bin ein Eutiner“ kostenlos zur Verfügung stellt. So können Kunden ihre Verbundenheit mit den lokalen Fachgeschäften zur Schau stellen. (Foto: Graap)

 

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