Eutin: Nähen für den Traum von der Selbstständigkeit

In Eutin im interkulturellen Frauentreff bügeln syrische Frauen Wäsche, nähen Vorhänge, ändern Bekleidung: alles für die Selbstständigkeit.

Nähen für den guten Zweck

Die Nähmaschine rattert. Konzentrierte Stille beim Abstecken eines Saumes. Das Bügeleisen dampft im Dauerbetrieb. In den Räumen des Forums Eutin in der Bismarckstraße setzen hoch motivierte syrische Frauen alles daran, ihrem Traum von der Selbstständigkeit Schritt für Schritt näherzukommen. Im interkulturellen Frauentreff bügeln sie Wäsche, nähen Vorhänge, ändern Bekleidung. Das alles ganz uneigennützig gegen Spenden. Diese kommen notleidenden Familien in Syrien zugute.

Es begann mit Maskennähen

„Angefangen hatte alles mit dem Nähen von Mund-Nasen-Masken im vergangenen Jahr“, berichtet Marie-Theres Bernegger vom Verein Forum Eutin e.V., der den fleißigen Frauen einen Raum zur Verfügung stellt. Bei interkulturellen Abenden entstand die Idee, Näh- und Bügelarbeiten anzubieten. „Es geht dabei auch um das Probieren einer Geschäftsidee. Die Frauen möchten sich gerne selbstständig machen und in einem kleinen Laden ein Geschäft eröffnen“, sagt die Initiatorin. So weit hergeholt ist das für Soher Shegre nicht. Gelernt hat sie in Syrien eigentlich IT-Fachfrau. Shegre stammt aus der Stadt Tartus am Mittelmeer und ist vor drei Jahren aus Syrien geflohen. Die dreifache Mutter ist die treibende Kraft in der Nähstube. Diese Arbeit ist ihr nicht fremd. Ihre Familie besitzt in Syrien eine Kleiderfabrik. Geschickt setzt sie neue Reißverschlüsse ein, kürzt eine Hose oder weitet einen zu engen Rock.

Übergabe per „Click and Collect“

Ihre Mitstreiterinnen in Eutin sind auch Könnerinnen im Bügeln. Hemden, Blusen, Tischwäsche, Bettwäsche, Vorhänge – alles kommt akkurat glatt gebügelt wieder zurück. Zurzeit gehen die Kontaktaufnahme und der Austausch der Waren – immer donnerstags von 14 bis 16 Uhr – durchs weit geöffnete Fenster. Die Frauen arbeiten in Zweierschichten, um Kontakte so gering wie möglich zu halten. Es wird wie beim „Click and Collect“- System um vorherige Anmeldung gebeten unter Telefon 04521/ 701418 oder direkt übers Handy von Soher Shegre unter 0173/ 9030072. „Nennen Sie uns Ihre Wünsche, bringen Sie uns Ihre Wäsche. Wir können die Kleidung auch abholen und wieder zurück bringen.“ Und vielleicht erfüllt sich ja noch ein Wunsch der emsigen Frauen: Es wird eine hochwertige Nähmaschine benötigt, damit auch neue Kleidung auf Wunsch angefertigt werden kann.

Für ihre Arbeiten nehmen die Frauen gern eine kleine Spende an. Davon wird benötigtes Material wie Garnrollen beschafft. Der größte Teil geht an notleidende Familien in Syrien. Verteilt wird dort das erwirtschaftete Geld vom „Molham-Team“. Die Non-Profit-Organisation wurde von syrischen Studenten gegründet. Sie unterstützt in ihrem Heimatland und in Flüchtlingscamps Menschen in Not.

In Corona-Zeiten funktioniert der Wäschetausch durchs Fenster. Marie-Theres Bernegger (li.) vom Verein Forum Eutin gehört zu den Initiatorinnen der Frauenwerkstatt. Soher Shegre übernimmt mit ihren Freundinnen Näh- und Bügelarbeiten. Foto: Manuela Boller

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Eine Antwort auf „Eutin: Nähen für den Traum von der Selbstständigkeit“

  1. Anton Schneider sagt:

    Eine Bekannte von mir hat sich mit dem Nähen auch selbstständig gemacht. Nun kann man bei ihr hochwertige Vorhänge kaufen. Interessant, was so alles möglich ist.

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