Eutin-Kalender 2022: „Histörchen“ rund um Gäste und Gastgeber

Eine 40 Jahre währende Tradition stand auf der Kippe: Nachdem sich die Bürgergemeinschaft Eutin im Herbst gegen eine Herausgabe des Eutin-Kalenders 2022 entschieden hatte, haben die langjährigen Autoren die Publizierung nun in Eigenregie übernommen. Regine und Karlheinz Jepp vom „Büro für Eutiner Stadtgeschichte“ führen die beliebte Reihe „Eutin in alten Ansichten“ weiter.

Kleine lokale Geschichten und Anekdoten aus alter Zeit

Es ist die mittlerweile 27. Ausgabe, für die das Ehepaar verantwortlich zeichnet. Redaktionell unterstützt von Aloysius Kroll und Elke Koch, hat das Autorenteam nicht nur wieder 13 historische Fotografien der Eutiner Altstadt aus den Archiven herausgesucht, auf der Rückseite der Monatsblätter finden sich auch lokale Geschichten und Anekdoten aus alter Zeit. Als Quellenmaterial für diese exakt recherchierten „Histörchen“ dienten Briefe, Zeitungsausschnitte, Schulakten und Erinnerungsalben. „In diesem Jahr beleuchten wir das Thema ,Gäste und Gastgeber’ auf vielfältige Art und Weise“, erläutert Regine Jepp.

Die Immenhof-Filmcrew kehrte in der Milchstube ein

Hilfreich bei den Recherchen waren da natürlich auch einige, teils sehr persönliche Gästebücher. „Die herausragenden Gästebücher des Voß-Hauses, der Eutiner Milchstube und der Geigenlehrerin Lila Kröning-Devantier bieten eine Fülle von hoch interessanten Zusammentreffen, die eine Auswahl schwer machten“, sagt Jepp. Als eines der bedeutendsten Gastgeber-Paare Eutins bezeichnen die Autoren die Milchbar-Gründer Herrmann und Eva Pause. Beide übernahmen die „Milchstube“ am Rosengarten 18 im Jahr 1952. Das Milchgeschäft mit angeschlossener Gaststube, Gästehaus und Gartenterrasse war auch bei Prominenten sehr beliebt – von Ministerpräsident Kai-Uwe von Hassel bis Schauspieler O.E. Hasse. Die Wirtsleute legten interessanten Gästen ein Buch vor, in das Besonderheiten eingetragen wurden. 1955 hat sich darin die Immenhof-Filmcrew mit samt einer Zeichnung verewigt – in Drehpausen schauten unter anderem Heidi Brühl und Matthias Fuchs bei den Pauses vorbei.

Bürgermeister Albert Mahlstedt servierte gerne Ananasbowle

Auch Albert Mahlstedt, von 1891 bis 1928 Eutiner Bürgermeister, war ein Mann, der gerne Gäste um sich hatte. Er scheint ein ausgesprochener Lebemann gewesen zu sein, der viel feierte. So waren seine Gästeabende mit Ananasbowle legendär. Der junge Oldenburger Jurist Gustav Tenge, der einige Zeit nach Eutin abgeordnet war, plaudert aus dem Nähkästchen und berichtet in Briefen an seine Mutter über eine große Gesellschaft im Hause Mahlstedt, bei der es selbst geschossenen Hasen und andere Leckerbissen gab.

Ein Rekordschwimmer und Seelöwen-Bändiger in Eutin

Auf seinen Promotion-Touren weilte auch der Rekordschwimmer Otto Kemmerich öfter in Eutin. Mehrfach gastierte er mit seinen dressierten Seelöwen bei Holzbach am Ukleisee. Tausende pilgerten zu seinem Showprogramm. Die Zeitungsredaktion des „Anzeigers für das Fürstentum Lübeck“ reagierte allerdings etwas irritiert, als Kemmerich sie mit einer ausgewachsenen Löwin besuchte …

Jazztage mit Stars wie Ella Fitzgerald und anderen Weltstars

Aber auch die Stadt Eutin selbst war Gastgeberin – für die Internationalen Eutiner Jazztage, die von 1979 bis 1981 alles, was in dieser Szene Rang und Namen hatte, in die Rosenstadt gelockt haben. Es ist eines der jüngeren Kapitel der Stadtgeschichte, aber nicht weniger interessant. „Viele werden sich noch daran erinnern – manche trauern ihnen hinterher“, meint Regine Jepp. Bei der Premiere traten Lionel Hampton, Chris Barber und Ray Charles auf. Es folgten Stars wie B.B. King, Fats Domino, Oscar Petersen, Ella Fitzgerald und Chuck Berry. Organisatorische Mängel – wie drangvolle Enge – führen letztendlich dazu, dass keine weiteren Jazztage in diesem großen Veranstaltungsformat mehr durchgeführt wurden.

Erhältlich ist das Druckwerk in der Buchhandlung Hoffmann

Diese und viele weitere Geschichten können im Eutin-Kalender 2022, der zum Preis von zwölf Euro in der Buchhandlung Hoffmann erhältlich ist, nachgelesen werden. Ein Abnehmer steht schon fest: Bürgervorsteher Dieter Holst ist seit Jahren ein Fan des Kalenders. „Ich freue mich, dass es auch in diesem, besonders herausfordernden Jahr gelungen ist, den Kalender herauszugeben. Ich werde ihn gern bei offiziellen Anlässen und Jubiläen als Geschenk der Stadt übergeben.“ Und auch Kreispräsident Harald Werner ist begeistert: „Für viele ist der Kalender zum Sammlerstück und Nachschlagewerk geworden!“   vg

 

Regine und Karlheinz Jepp haben zum 27. Mal für den Kalender „Eutin in alten Ansichten“ recherchiert. (Foto: Graap)

Neben den Geschichten sind die historischen Fotos – vom Marktplatz oder vom Schloss – das Herzstück des Eutin-Kalenders. (Fotos: hfr)

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