Impfungen: Frust über Terminvergabe – Gesundheitsministerium reagiert

Impftermine Impfhotline Schleswig-Holstein

„Ruhe und Geduld“ hat Ostholsteins Landrat Reinhard Sager zum Start des Impfzentrums Eutin von allen Bürgern eingefordert. Denn von Anfang an stand fest, dass (noch) nicht genügend Impfstoff für alle Menschen da ist. Doch in der Praxis macht sich zunehmend Frust und sogar Verzweiflung unter den Betroffenen, die oft über 80 Jahre alt sind, breit: Über die Telefonhotlines oder die Internetseite www.impfen-sh.de an einen der knappen Termine für eine Impfung zu kommen, war am Dienstag erneut für viele unmöglich. Die landesweit 15500 buchbaren Termine waren innerhalb von zwölf Minuten weg.

Bürger in Schleswig-Holstein ärgern sich über „Windhundrennen“

Über ihre fruchtlosen Versuche, via Telefon durchzukommen, und ihren Unmut über die Vergabepraxis haben viele Wochenspiegel-Leser auf unserer Homepage berichtet. Die Kommentare sind verheerend: „Langsam bekommen wir den Eindruck, unser Staat ist unfähig dieses Problem zu lösen“, „Wir haben uns Punkt 8 Uhr eingeloggt und trotzdem keinen Termin bekommen. Schade für meine über 80-jährigen Eltern“, „Die Plattform ist mangelhaft. Das Impfkonzept ist nicht richtig durchdacht. Die Krankenkasse sollte den Mitgliedern eine Einladung schicken. Ich gebe auf und werden mich nach mehreren Versuchen nicht mehr um einen Impftermin bemühen“, „Dieses Windhundrennen ist eine Schande gegenüber den alten Bürgern. Die Verantwortlichen sollten sich schämen“, „Es ist eine große Zumutung für ältere Leute. Ich hoffe auf eine baldige Änderung“ oder „Ärgern bringt uns nicht weiter – aber es ist sehr ärgerlich, wenn man über beide Rufnummern ab 8 Uhr nur noch Besetzt-Zeichen hört“. Unzählige weitere ähnliche Kommentare haben die Redaktion erreicht.

Über 80-jährige Einwohner erhalten Info-Anschreiben

Inzwischen hat auch das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium reagiert und das Anmeldeverfahren nachgebessert. Wie auch in anderen Bundesländern sollen nun über 80-jährige Bürger zeitnah zusätzlich ein Informationsschreiben erhalten. Darin wird das Anmeldeverfahren noch einmal erläutert. Eine Einladung zur Impfung ist das Schreiben aber nicht. „Zudem ist geplant, bis Anfang Februar Impftermine zunächst über die Hotline nur an die Gruppe der über 80-Jährigen zu vergeben. Die übrigen Termine sollen dann für weitere priorisierte Gruppen zeitversetzt online buchbar bleiben. Damit soll das Verfahren entzerrt werden“, so das Ministerium.

Am 19. Januar um 8 Uhr folgt die nächste Terminvergabe

Die Impftermine für die nachfolgende Woche werden am Dienstag, 19. Januar, ab 8 Uhr buchbar sein. Eine Ausweitung der buchbaren Termine hängt von der Verfügbarkeit des Impfstoffs ab. „Schleswig-Holstein gehört zu den Bundesländern, dass bisher am meisten impft. Aufgrund der weiterhin begrenzten Impfstoffmenge werden aber viele Menschen noch keinen Termin bekommen können. Ich bitte daher weiterhin um Geduld. Die Situation wird sich dann spürbar entspannen, wenn deutlich mehr Impfstoff verfügbar ist. Zudem prüfen wir, ob weitere Vereinfachungen möglich sind, um die Situation gerade für ältere Menschen zu erleichtern“, so Gesundheitsminister Heiner Garg.

SPD-Kreisvorsitzender in Ostholstein fordert Einladungsverfahren

Niclas Dürbrook, Kreisvorsitzender des SPD in Ostholstein, ist von der bisherigen Praxis wenig begeistert: „Die Form der Terminvergabe ist einfach großer Mist. Alle Impfberechtigten dazu aufzurufen, jeden Dienstag um Punkt 8 Uhr den Wettlauf um einen Termin zu starten, führt absehbar zu Chaos. Viel schlimmer noch: Es führt zu Frust und gefährdet die Impfbereitschaft insbesondere der älteren Menschen.“ Leider, so Dürbrook, weigere sich die Landesregierung zu einem Einladungsverfahren zu wechseln, wie die SPD es fordere und wie es unter anderem Mecklenburg-Vorpommern bereits eingeführt habe. „Auch dann könnten natürlich nicht mehr Menschen geimpft werden, aber die klare Botschaft ,Du bekommst einen Hinweis, wenn du dich anmelden kannst‘ würde sehr viel Frust bei den Senioren und den Familien vermeiden“, betont der SPD-Chef. Er habe am Dienstag selbst versucht, für seine Großmutter einen Termin zu bekommen und könne „jeden Frust in dieser Sache nachvollziehen“.
Volker Graap

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