Protest gegen Corona-Maßnahmen: Eindrücke von der Demonstration in Eutin

Sie sagen, sie seien keine Corona-Leugner, und sie wollen nicht pauschal als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden. Sie verstehen sich als „normale Bürger, die Fragen stellen“: Die Organisatoren der Demonstration „Eutin steht auf“ haben am vergangenen Sonntag rund 160 Menschen zum Protest in Eutin mobilisiert.

„Christen im Widerstand“ und „Freiheitsboten Ostholstein“

Tatsächlich ging die Demo geordnet, mit Maske und Abstand über die Bühne. Aluhutträger, QAnon-Fans, Reichsbürger und Nazis – Fehlanzeige. Doch die Aktivisten aus Gruppen wie „Christen im Widerstand“ oder „Freiheitsboten Ostholstein“, die Andersdenkende gerne mit „regierungshörig“ abqualifizieren, geben sich ziemlich dünnhäutig. Etwa als gleich zu Beginn der von über 300 Bürgern aus der Region unterzeichnete offene Brief gegen diese Protestaktion zur Sprache kommt. „Die Stimmung ist dadurch sehr persönlich geworden. Ich wurde schon von Nachbarn angefeindet. Aber wir wollen den Ausgleich suchen“, sagte Organisator Uwe Poprawa und regte eine offene Podiumsdiskussion an.

Kritik an offenem Brief Eutiner Bürger und an Impfstoffen

Weniger versöhnlich klangen die Worte von Richard Barthelme. Der frühere Redakteur der Kieler Nachrichten nannte den offenen Brief eine „unsägliche Schmähschrift“. Für einen der Unterzeichnenden, Propst Peter Barz, hatte er einen offenen Retour-Brief verfasst. Insbesondere kritisiert er darin, dass der Impfstoff als „zurzeit das schärfste Schwert gegen das Coronavirus“ dargestellt werde. „Wobei selbst wohlwollenden Impfbefürwortern sehr mulmig bei dem Gedanken ist, dass mit den DNA- und mRNA-Impfstoffen genmanipulierte Substanzen in die Körper der Menschen injiziert werden – mit unabsehbaren Langzeitschäden und zweifelhaften Erfolgsaussichten“, so Barthelme.

Rednerin vergleicht Coronavirus mit Grippe

Die Impf-Kritik zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Rednerin Cornelia Steinert, bekannte Corona-Kritikerin aus Bad Oldesloe, gab zunächst ihre querdenkerische Sicht auf das Virus zum Besten: „Wir rufen euch zu: Corona ist nicht so gefährlich wie gesagt wird“, meinte sie und verglich Corona mit der Grippe. Sie kritisierte Medien und Regierung, die Angst verbreiten würden. „Angst ist toxisch“, sagte Steinert. Sie selbst sei eine „Angstjägerin“ und nun gegen die Angst immun – nur um mit dem nächsten Atemzug vor den entwickelten Impfstoffen Angst zu schüren: „Bitte, bitte lasst euch nicht impfen – bringt euch nicht freiwillig in die Gefahr. Das ist pures Gift“, appellierte sie an die Zuhörer.

Bible-App eine Alternative zur Corona-App?

Die christliche Sängerin Sabine Binder empfahl als Alternative zur Corona-App die Bible-App – „die ist immer präzise“. Im Übrigen bedauere sie, dass Corona spalte. „Es gibt ein großes Unverständnis zwischen den Lagern – dem Lager der Gesundheitsapostel und dem Lager der Freiheitskämpfer. Was machen wir jetzt damit? Meine Botschaft ist: Folgt dem Weg der Liebe.“

Dezidierter Verschwörungserzähler unter den Ordnern

Taten sagen dann aber wohl doch mehr als Worte: Ein dezidierter Verschwörungserzähler, der den „Sturz der Regierung“ und die „Zerschlagung von Facebook“ und den Wahlsieg von US-Präsident Trump in diesen Tagen prognostiziert hat, wurde als Ordner für die Demo eingespannt … Eine Handvoll Gegendemonstranten und sehr auf Abstand bedachte Beobachter, darunter einige Stadtvertreter, hatten ohnehin nur ein Kopfschütteln für die Botschaften der Corona-Kritiker übrig. vg

 

Die Veranstalter vom sogenannten „Bürgerstammtisch Eutin“ versammelten rund 160 Protestler auf dem Berliner Platz um sich. (Foto: Graap)

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