Aktion der Stadtbibliothek: Preisverleihung für die Kunst-Peep-Show

Aktion der Stadtbibliothek: Einen Monat lang hatten Kunstinteressierte Zeit, bekannte Gemälde anhand von Gucklochausschnitten zu erkennen.

Gewonnen bei der Kunst-Peep-Show

Einen Monat lang hatten Kunstinteressierte Zeit, bekannte Gemälde einzig anhand von kleinen Gucklochausschnitten zu erkennen. Ein Dutzend Bilder galt es zu erraten, doch nur ein besonders schwieriges Bild war für das Preisausschreiben relevant. Die meisten Bilder wurden „enttarnt“, jedoch nur zwei Teilnehmende haben das Siegerbild erkannt: „Der blaue Bagger“ gemalt von der 1877 in Berlin geborenen Gabriele Münter. Es entstand 1935 und zeigt die Baustelle an der „Olympiastraße“, dem neuen Zubringer von Starnberg und Murnau nach Garmisch-Partenkirchen zur Winterolympiade 1936.

Die Stadtbibliothek Lübeck gratulierte nun Claudia Lassen und Jana Thode aus Lübeck zu ihrer erfolgreichen Detektivarbeit bei der Kunst-Peep-Show und belohnte sie jeweils mit einem Jahres-Mitgliedsgutschein für die Stadtbibliothek und einem Kunstpostkartenset historischer Bildmotive aus den Buch- und Notenbeständen der Stadtbibliothek.

Kunst zu Gewinnen

Gabriele Münter, die Mitbegründerin der Gruppe „Der Blaue Reiter“ hatte 1909 in dem Voralpendorf Murnau von ihrem Erbe ein Haus gekauft, das zum Treffpunkt vieler Künstler wurde. Nach der Trennung von Kandinsky 1917 kehrte Gabriele Münter erst 1931 dauerhaft nach Murnau zurück.

Dort entstanden viele Landschaftsbilder, mit denen sie an ihren expressionistischen Malstil der Vorkriegszeit anschloss. Hier reiht sich auch das Bild „Der blaue Bagger“ ein. Obwohl sie 1933 in die Reichskammer der Bildenden Künste eingetreten war, war Münter in Murnau, wo zehn Prozent mehr der Einwohner als im deutschen Durchschnitt NSDAP gewählt hatten, zunehmend Anfeindungen ausgesetzt und konnte kaum noch Bilder verkaufen. Um ihre notorische Finanznot zu verbessern nahm sie mit dem Bild „Der blaue Bagger“ sogar an der Verkaufs-Ausstellung „Die Straßen Adolf Hitlers in der Kunst“ teil.

Das Bild kann also von seinem Motiv her als opportunistisch gelten, doch hält es zugleich an der verfemten Malweise der „entarteten“ Kunst fest. Münter blieb in Murnau wohnen und zog sich bis 1946 in die innere Emigration zurück. Im Keller ihres Hauses versteckte sie in einem geheimen Lager viele Bilder Kandinskys und anderer Freunde des Blauen Reiters vor den Nationalsozialisten und einer Durchsuchung durch amerikanische Truppen im Mai 1945. Diesen Bilderschatz und etliche eigene Werke überlässt sie zu ihrem 80. Geburtstag als Stiftung dem Lenbachhaus in München. Gabriele Münter stirbt 1962 in Murnau.

Preisverleihung für die Kunst-Peep-Show: Jana Thode (l.), Bodo Kartelmeyer und Claudia Lassenewinner. Foto: Hansestadt Lübeck

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