Dynamisches Infektionsgeschehen in Ostholstein: Verschärfte Maßnahmen nur für Timmendorfer Strand

Innerhalb der vergangenen Woche hat sich die Infektionslage in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Ostholstein erheblich verändert. „Wir haben es mit einem sehr dynamischen Infektionsgeschehen im Kreisgebiet zu tun“, stellte Landrat Reinhard Sager bei einer Pressekonferenz am Freitag fest. Aufgrund erhöhter Fallzahlen habe der Kreis eine Allgemeinverfügung über Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus auf dem Gebiet des Ortsteils Timmendorfer Strand der Gemeinde Timmendorfer Strand erlassen.

Sieben-Tages-Inzidenzwert lag am Montag bei kritischen 40,4

Rund 40 positive Covid-19-Tests der vergangenen Tage sind auf einen Corona-Ausbruch unter Mitarbeitern im Hotel „Seeschlösschen“ in Timmendorfer Strand zurückzuführen. Diese Situation hat dazu geführt, das Ostholstein den Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen auf 100?000 Einwohner in den letzten sieben Tagen am Donnerstag überschritten hat. „Ohne das Hotel wäre das Infektionsgeschehen im Kreis unterdurchschnittlich, es gibt an keiner anderen Stelle eine Häufung. Deshalb gelten die verstärkten Schutzmaßnahmen auch nur am Ausbruchsherd“, betonte Sager. Auch Gesundheits-Fachbereichsleiterin Gabriele Hebel unterstrich die Einschätzung der örtlichen Begrenzung des Ausbruchs. „Wir sind angehalten, den geringstmöglichen Eingriff zu wählen. Alles darüber hinaus wäre zu viel gewesen.“ Dass sich die Lage von Tag zu Tag ändern kann, zeigen die Zahlen: War der Inzidenzwert am Freitag bereits auf 34,4 gefallen, lag der am Montag schon wieder bei 40,4.

Bislang sind keine schweren Krankheitsverläufe bekannt

Von den 207 Hotelgästen, die abreisen oder umziehen durften, lägen keine positiven Nachweise vor. „Das ist dem ausgezeichneten Hygienekonzept des Hotels zu verdanken“, meinte Sager. Insgesamt habe das Gesundheitsamt etwa 800 Urlauber, die in den vergangenen Wochen im Hotel zu Gast waren, nachverfolgt. Zwei seien zwar positiv auf das Coronavirus getestet worden, aber das hätten sie sich inzwischen auf anderswo holen können, so Christian Masuhr, Leiter des Kreisinfektionsschutzes. Zur Dauer der Allgemeinverfügung sagte Masuhr: „Wir beobachten die Lage. Wenn in den nächsten sieben bis zehn Tagen keine vermehrten positive Nachweise auftreten, kann man die verschärften Maßnahmen aufheben. Aber das müssen wir tagtäglich neu bewerten.“ Bislang seien bei den Infizierten in Timmendorfer Strand keine schweren Krankheitsverläufe bekannt. Zu den Verschärfungen zählen folgende Maßnahmen: – Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung überall dort zu tragen, wo Menschen länger und/oder dichter zusammenkommen, zum Beispiel auf Märkten, belebten Plätzen oder Einkaufsstraßen, – Einführung einer Sperrstunde in der Gastronomie ab 23 Uhr bis 6 Uhr des Folgetags, – Beschränkungen für Veranstaltungen; im öffentlichen Raum dürfen nur noch höchsten 25 Personen zusammen feiern, privat liegt die Grenze bei 15.

Kontaktnachverfolgung das A und O in der Pandemiebekämpfung

Landrat Sager dankte den über 80 Mitarbeitern im Kreisgesundheitsamt, die hervorragende Arbeit leisteten. Da die Kontaktnachverfolgung das A und O in der Pandemiebekämpfung sei, habe man das Personal deutlich aufgestockt, teilte Gabriele Hebel mit. „Zurzeit können wir die Lage so noch beherrschen.“ Sager kündigte an, weiterhin besonnen vorgehen zu wollen. Er appellierte deshalb auch an die Eigenverantwortung der Bürger, ohne die eine Eindämmung von Corona nicht zu schaffen sei: „Bitte halten Sie sich die ,AHA plus L’-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften. Das ist keine Überforderung der Menschen. Das ist das Mindeste, was man tun muss.“

Sana Kliniken Ostholstein verhängen Besuchsverbot

Unterdessen sehen sich die Sana Kliniken Ostholstein gezwungen, ein Besuchsverbot für alle Standorte auszusprechen. Nur in begründeten Ausnahmefällen – etwa bei Geburten oder bei Palliativpatienten – seien Sonderregelungen möglich. Wie lange das Besuchsverbot in anhält, hänge von der Entwicklung der Infektionszahlen ab, teilt das Unternehmen mit. vg

 

Großes Medieninteresse: Landrat Reinhard Sager stand am Freitag Rede und Antwort. (Foto: Graap)

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