Vorhang auf in Süsel: Plattdeutsche Komödie zeigt Szenen einer Ehe

In Zeiten von Corona können Pläne ganz schnell der Schnee von gestern sein. Den Spielplan der Niederdeutschen Bühne Süsel hat die Pandemie jedenfalls komplett über den Haufen geworfen, im März musste die Kulturscheune geschlossen werden. Nun steht der Neuanfang vor der Tür: Am 31. Oktober hat die Komödie „Fröhstück bi Kellermanns“ in Süsel Premiere.

Auf der Bühne ist zurzeit nur ein Zwei-Personen-Stück möglich

„Aufgrund der Corona-Schutzverordnung dürfen bis auf Weiteres nur maximal zwei Darsteller gemeinsam auf unserer Bühne stehen. Um in diesem Jahr überhaupt noch spielen zu können, mussten wir uns im August kurzfristig für ein Zwei-Personen-Stück entscheiden“, berichtet Regisseurin Anne Vehres. So einfach aus dem Hut zu zaubern ist ein bühnenreifes Stück aber nicht, und deshalb haben die Theatermacher auf ein Lustspiel zurückgegriffen, dass die Süseler bereits vor zwölf Jahren inszeniert hatten. „Die Textbücher lagen fix und fertig in der Schublade – so konnten wir schnell an die Proben gehen“, sagt Anne Vehres, die damals mit Ehemann Fritz in den Titelrollen zu sehen war.

Streit am Morgen: „Fröhstück bi Kellermanns“

Die Komödie von Ursula Haucke beleuchtet Szenen einer Ehe, die in die Krise gerät, als die Kinder flügge werden und das heimische Nest verlassen. Am sonntäglichen Frühstückstisch von Christel und Wolfgang Kellermann bleibt der Platz von Tochter Katrin frei – sie hat bei ihrem Freund übernachtet. Und Sohn Tommy lebt schon länger in einer WG. Familienoberhaupt Wolfgang kann sich damit gar nicht anfreunden. Er möchte am liebsten, dass alles beim Alten bleibt – das Kaffeekochen und der restliche Haushalt ist eh Aufgabe von Ehefrau Christel. Doch die will sich der männlichen Sicht auf die Dinge nicht länger unterordnen und kann der neuen Freiheit viele positive Seiten abgewinnen. Wie lange kann Wolfgang seine liebgewonnenen Gewohnheiten wohl noch verteidigen?

Frauen-Männer-Klischees werden mit Witz und Ironie beleuchtet

Die Darsteller Silke Krellenberg und Detlef Storm gehen den Frauen-Männer-Klischees mit Witz und Ironie auf den Grund. Für die Amateurschauspieler bedeutet das Stück eine echte Herausforderung, beide haben einen erheblichen Textanteil zu bewältigen. 20 Proben hat die Truppe bereits hinter sich, fünf weitere folgen in den kommenden Tagen bis zur ausverkauften Premiere.

In der Kulturscheune gilt ein detailliertes Hygienekonzept

Es ist aber für den ganzen Theaterverein ein Kraftakt, den Spielbetrieb wieder anzufahren. „Es gilt, zahlreiche Auflagen einzuhalten. Wir haben dafür ein Hygienekonzept erarbeitet, das vom Kreisgesundheitsamt abgesegnet wurde“, erläutert Anne Vehres. So können von den 133 Sitzplätzen nur 42 genutzt werden. Im Gebäude gilt eine Einbahnstraßenregelung, die übliche Bewirtung ist nicht möglich. Es dürfen nur Flaschengetränke verkauft werden. Abstandsregeln gelten übrigens auch auf der Bühne – die Darsteller dürfen sich nicht zu nahe kommen, Liebesszenen sind damit tabu.

Dem Publikum endlich wieder etwas Heiteres bieten

„Neben dem Abbruch der vergangenen Saison schlagen auch diese Vorgaben für den Verein finanziell sehr zu buche. Wir sind einerseits darauf angewiesen, dass das Programm wieder anläuft, anderseits müssen wir zumindest das erwirtschaften, was wir in die Produktion reinstecken“, meint Detlef Storm, der auch Vorsitzender des Theatervereins Süsel ist. Bei allen Problemen freut sich die Theatertruppe aber darauf, „unserem Publikum wieder etwas Heiteres bieten zu können. Man ist in dieser Corona-Zeit schon niedergeschlagen genug“, unterstreicht Regieassistentin Brigitte Barmwater.

Bis Weihnachten soll durchgespielt werden

Da angesichts der Pandemie das traditionelle Weihnachtsstück des Kinder- und Jugendtheaters nicht stattfinden kann, spielt die Niederdeutsche Bühne „Fröhstück bi Kellermanns“ bis kurz vor Weihnachten durch. Aufführungen finden am 1., 15., 22. und 29. November sowie am 20. Dezember um jeweils 18 Uhr, am 6., 14., 20., 21. und 28. November sowie am 4., 12., 18. und 19. Dezember um jeweils 19.30 Uhr und am 5., 6. und 13. Dezember um jeweils 16 Uhr statt. Der Kartenvorverkauf erfolgt Corona-bedingt nur telefonisch unter 04524 1379 (dienstags und mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an tickets@theater-suesel.de.

 

Die Kellermanns streiten neuerdings am Sonntagmorgen: Detlef Storm und Silke Krellenberg. (Foto: Graap)

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