Lübeck: Fotos von Orhan Pamuk im Grass Haus

Das Grass-Haus widmet sich mit einer Sonderschau dem türkischen Literaturnobelpreisträger

Das Günter Grass-Haus ist dafür bekannt, Künstler zu präsentieren, die ähnlich wie Grass in mehr als einer Disziplin schöpferisch tätig sind. Bis zum 31. Januar 2021 widmet sich das Museum mit einer Sonderausstellung dem türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk. Er gilt als einer der international bekanntesten Autoren seines Landes und wurde als erster türkischer Schriftsteller mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Schriftsteller und Fotograf

Doch Pamuk ist auch ein leidenschaftlicher Fotograf. Er fertigte eindrucksvolle Fotografien seiner Heimatstadt Istanbul an, die im Bildband „Balkon“ (2018) und im 2020 veröffentlichten Bildband „Orange“ zu finden sind. Zwischen Melancholie, Schwermut und Hoffnung spiegeln die Bilder den Seelenzustand des Autors wider. 835 dieser Fotografien sind nun im Günter Grass-Haus zu sehen, ergänzt um vier Videos. Die Schau ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Steidl-Verlag.

Die Kamera als Inspiration

Im Dezember 2012 plagten den Literaturnobelpreisträger Schreibblockaden, weswegen er zur Kamera griff. Vom Balkon seiner Wohnung im Istanbuler Stadtteil Cihangir aus versuchte er mit seinem Fotoapparat Impressionen der pulsierenden Metropole am Bosporus einzufangen. Entstanden sind etwa 8500 Fotos von vorbeifahrenden Schiffen, von der von unzähligen Minaretten geprägten Silhouette der Stadt, von spektakulären Wolkenformationen und Moscheen im Morgennebel. Im sehnsuchtsvollen Blick in die Ferne spiegelt sich das melancholische Lebensgefühl der Istanbuler wider, das sogenannte „Hüzün“. 2018 erschien der Bildband „Balkon“.

Das Leben in Istanbul im Fokus

Im 2020 veröffentlichten Bildband „Orange“ hat Pamuk dagegen einen anderen Fokus: Er bemerkte, dass das ihm seit seiner Kindheit vertraute orangefarbene Licht der Straßenlaternen, das die nächtlichen Viertel Istanbuls erhellt, zunehmend in ein grelles Neonlicht billiger Glühbirnen übergeht. Für Pamuk ist dies zugleich eine Metapher für den sozialen und politischen Wandel in der Türkei der letzten Jahre. Die Fotografien aus „Orange“ sind das Resultat seiner Streifzüge durch das nächtliche Istanbul auf der Suche nach entlegenen Orten, die noch in das Licht seiner Kindheit getaucht sind. Dabei interessiert sich Pamuk für die alltäglichen Szenen wie auf der Straße spielende Kinder, das Kabelgewirr an den Häusern, streunende Katzen oder Hunde, Betreiber von Geschäften, die vor ihrem Laden auf Kundschaft warten, sowie Menschen, die von der Arbeit kommen.

Am Montag, 19. Oktober, um 11 Uhr findet eine Führung statt. Anmeldung unter Telefon 0451/ 122 42 30. Der Eintritt: Erwachsene zwölf/ acht Euro, Kinder 6,50 Euro.

Diese Szene fotografierte Orhan Pamuk bei seinen Streifzügen durch Istanbul. Foto: Pamuk

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