Wochenmärkte in Lübeck: Drastisch höhere Standgebühren?

Will die Hansestadt Lübeck die Standgebühren für Stände auf den Wochenmärkten erhöhen? Davon gehen offenbar die Markthändler aus. Die Rede ist sogar von einer Erhöhung von 150 Prozent. Doch die Stadt wiegelt ab und will erst einmal Gespräche führen.

Elf Wochenmärkte in Lübeck

Einkaufen in Lübeck findet nicht nur drinnen statt“, wirbt Lübeck im Internet. Mit elf Wochenmärkten beheimate fast jeder Stadtteil seinen eigenen Wochenmarkt – Vielfalt sei da angesagt. Vielleicht jedoch nicht mehr lange, sollte die Kommunikation zwischen Verwaltung und Marktbeschickern weiterhin so holperig verlaufen. „Eine Erhöhung der Standgebühren steht immer ins Haus“, weiß der Vormann des Lübecker Marktverbundes, Sven Bössow, aus 20 Jahre langer Erfahrung. „Doch nicht um 150 Prozent!“ Noch immer warteten die Marktkaufleute auf das von der Verwaltung lange angekündigte Attraktivitätssteigerungskonzept für die Märkte. „Als wir vom Liegenschaftsamt eingeladen wurden, erfuhren wir davon jedoch nichts, sondern nur von gestiegenen Kosten, die noch nicht einmal dargelegt wurden.“ Entsprechend verärgert sind die Marktbeschicker.

Einzelhändler kämpfen mit Onlinehandel

„Wir haben die Kunden im Blick und halten die Märkte am Leben“, sagt Andreas Piel, der Schnittblumen und Gartenpflanzen an seinem Stand verkauft. „Daneben kämpfen wir kleinen Einzelhändler noch gegen den Onlinehandel. Wir gehen in die Stadtteile, weisen als Selbsterzeuger eine gute Ökobilanz vor und arbeiten transparent – ohne Rückrufaktionen“, so Piel. Er stehe als „Alleinunterhalter“ am Stand. „Wir haben eine tolle Arbeit geleistet und waren oft urlaubsreif“, lobt er seine Kollegen und sich, die gerade in der Pandemie für den gestiegenen Kundenkreis vor Ort waren und weiterhin sind. „Viel Arbeit für zu wenig Geld“, bilanziert er. Bei einer 150 prozentigen Kostensteigerung könnte er nur noch an weniger Tagen in der Woche seinen Stand betreiben.

Woher kommt die Kostensteigerung?

„Manche Kunden stehen schon um 6 Uhr am Stand und kaufen noch vor der Arbeit schnell Gemüse und Obst bei uns“, verrät Regina Phiilipp. Wie alle öffnet sie regulär um 8 Uhr früh, macht aber beim Standaufbau für ihre Kunden auch mal eine Ausnahme. Bei einer drastischen Gebührenerhöhung wird die Kronsforderin schweren Herzens ihrem Ehemann in den Ruhestand folgen. „Kostensteigerungen gibt es immer. Aber nicht in der Höhe! Daher wünschen wir Marktbeschicker eine Darlegung der gestiegenen Kosten“, fordert sie.

„Nur mathematische Sicht der Verwaltung“

Für Wirtschafts- und Sozialsenator Sven Schindler ist das Ganze eine Frage der Kommunikation. Denn im Gespräch mit dem Liegenschaftsamt sollte vorerst „nur die mathematische Sicht der Verwaltung“ mitgeteilt werden. Was den Marktbeschickern offenbar fehlte, war jedoch eine Info über folgende Gespräche sowie die Vorlage des neuen Marktkonzeptes. „Selbstverständlich gehen die Gespräche weiter“, sagt Schindler. Daneben wird sich die Verwaltung in anderen Städten umsehen, wie dort Standgebühren und Verwaltungskosten gehandhabt werden. „Es ist noch gar nichts in Stein gemeißelt“, unterstreicht der Wirtschaftssenator. Monika Poppe-Albrecht

Foto: Ingrid Zäske schätzt die Arbeit an ihrem Gemüsestand (hier mit Kundin Regina Philipp). Wenn die Kosten drastisch steigen, folgt sie ihrem Mann in den Ruhestand. Fotos: M. Poppe

3 Antworten auf &‌#8222;Wochenmärkte in Lübeck: Drastisch höhere Standgebühren?&‌#8220;

  1. Claudia Schwark sagt:

    Es geht momentan allen schlecht und gerade in dieser Situation sollte die Stadt Kostenerhöhungen lassen, damit wir nicht bald in einer Geisterstadt leben!

  2. Janina Athmer sagt:

    Das Foto ist falsch beschriftet!!! Die Verkäuferin ist Ingrid Zäske nicht die Kundin!!!

  3. Oliver Pries sagt:

    Wir entschuldigen uns für die Verwechslung – und haben die Bilunterschrift korrigiert.

    Viele Grüße!

    die Redaktion

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