Trampoline & Co.: Schärfere Kontrollen in Lübecker Kleingärten geplant

Auf die Lübecker Kleingärtner kommen offenbar härtere Zeiten zu. Nach Wochenspiegel-Informationen planen der Gemeinnützige Kreisverband Lübeck der Gartenfreunde und die Hansestadt Lübeck, die Schrebergärten stärker als bisher auf die Einhaltung der Gartensatzungen zu überprüfen.

Zu große Trampoline, zu hohe Hecken

Es geht um zu große Trampoline und zu große Gartenpools, um zu hohe Palisadenzäune und nicht ordnungsgemäß gestutzte Hecken: All das darf laut Bundeskleingartengesetz nicht sein, wird aber in vielen Gartengeländen in der Hansestadt geduldet. Doch womöglich nicht mehr lange. „Wir wollen strenger kontrollieren, dass die Gartensatzungen auch eingehalten werden“, sagt Hans-Dieter Schiller, der Vorsitzende des Kreisverbandes Lübeck der Gartenfreunde. Denn: „Die wirtschaftliche Nutzung steht laut Bundeskleingartengesetz im Vordergrund“, so Schiller. „Wir haben dafür eine Kontrollpflicht.“ Tatsächlich besagt Paragraf 1 des Bundeskleingartengesetzes, dass ein Kleingarten in erster Linie der „Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf und der Erholung“ dient.

Gartensatzungen sollen besser durchgesetzt werden

Um diese Ziele umzusetzen, schreiben Gartensatzungen vor, was in einem Kleingarten sein darf – und was eben nicht. Hecken sind auf 1,20 Meter zu stutzen, und die Schrebergartenfläche muss zu mindestens einem Drittel dem Anbau dienen. Große Trampoline sind verboten, sie nehmen zu viel Platz weg. Gleiches gilt für Gartenpools mit mehr als 300 Litern Inhalt. Diese strengen Regeln haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass viele Kleingärten leer stehen – auch in Lübeck. Das hat sich mit der Corona-Krise geändert: Auch immer mehr junge Leute, vor allem Familien, wollen raus ins Grüne. „Viele Gartenvereine in Lübeck führen mittlerweile Wartelisten“, sagt Hans-Dieter Schiller. Um familienfreundlicher zu werden, nehmen einige Gartenvereine die Einhaltung der gültigen Regeln offenbar nicht mehr so genau.

Kleingärtner wollen Parzellen aufgeben

Mit den nun angekündigten stärkeren Kontrollen fürchtet Christian Cohrs um die Existenz seines Gartenvereins. Er ist Vorsitzender im Kleingartenverein Herrendamm und weiß um die Probleme vor Ort: „Von 140 Parzellen stehen hier 30 leer.“ Cohrs befürchtet, dass mehr Kontrollen nicht nur Neupächter abschrecken, sondern auch derzeitige Gartenbesitzer verprellen. „Wir haben gehört, dass die Errichtung von Palisadenzäunen künftig nur noch mit Bauantrag bei der Hansestadt Lübeck möglich sein sollen, Gleiches gilt für Schaukeln und Wippen. Wie soll ich das denn meinen Pächtern beibringen? Das könnte uns in den Ruin treiben!“ Viele Kleingärtner hätten schon gesagt, dass sie ihre Parzelle aufgeben, sollten die Kontrollen schärfer werden, so Cohrs.

Hansestadt Lübeck: „Interesse an sauberen Kleingartenanlagen“

Tatsächlich arbeitet der Kreisverband der Kleingärtner eng mit der Hansestadt Lübeck zusammen. Nach Angaben von Stadtsprecherin Nicole Dorel hält sich die Stadt aber zurück, was die Zustände in den Gartenkolonien betrifft: „Die Hansestadt Lübeck muss dann einwirken, wenn in Kleingartenanlagen z.B. Dauerwohnen festgestellt wurde oder Verwilderungen oder Vermüllungen im großen Umfang in einer Parzelle festgestellt wird. Hier arbeiten wir eng mit dem Kreisverband der Kleingärten zusammen, der ebenfalls ein Interesse an sauberen Kleingartenanlagen hat.“ Aus diesem Grund kontrollieren der Kreisverband und die Stadt bislang alle zwei Jahre lang die Schrebergarten-Kolonien in Lübeck.

Kleingärten sollen nicht aufgelöst werden

Mit einem Gerücht räumt die Stadtsprecherin indes auf: „Die Hansestadt Lübeck möchte Kleingartenanlagen erhalten. Dem Kreisverband der Kleingärten liegt die Zusage der Hansestadt Lübeck vor, dass wir nur auf Betreiben der Vereine selbst bzw. des Kreisverbandes in Gespräche über Flächenaufhebungen eintreten. Die Hansestadt Lübeck verfolgt nicht das Ziel, Kleingartenanlagen proaktiv aufzuheben“, sagt Nicole Dorel.

Kreisverband muss noch beschließen

Ob nun häufiger kontrolliert wird, müssen die Mitglieder des Kreisverbandes noch auf der nächsten Mitgliederversammlung beschließen. Einen Termin dafür gibt es laut Hans-Dieter Schiller aber noch nicht – auch hier ist Corona Schuld. Der Kreisverband will die angeschlossenen Gartenvereine aber vorab schriftlich über die Pläne informieren. Oliver Pries

Hintergrund:

Das Bundeskleingartengesetz (BKleingG) stammt aus dem Jahr 1983. Es bestimmt, dass Kleingärten zu wenigstens einem Drittel zum Anbau von Gartenerzeugnissen zu dienen haben. Ein dauerhaftes Wohnen ist in den Gärten nicht gestattet. Im vergangenen Jahr forderte der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) die Bundesregierung auf, das Gesetz „an die Lebenswirklichkeit“ anzupassen. Es sei nicht familienfreundlich, außerdem müssen Kleingärten als Ökosysteme verstanden werden.

Foto: Pixabay

 

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8 Antworten auf &‌#8222;Trampoline & Co.: Schärfere Kontrollen in Lübecker Kleingärten geplant&‌#8220;

  1. Manne sagt:

    Bei uns im Verein auf der Billerhuder Insel Hamburg wird seit Corona verstärkt Gärten an Familien mit Kindern vergeben. Vorher war die Insel wirklich eine Idylle. Jetzt zwei Jahre später Trampoline, Schwimmbecken, Schaukeln usw. Ruhezeiten werden nicht mehr eingehalten und man hat das Gefühl man befindet sich auf einem Großspielplatz. Leider sind die heutigen Eltern alles Ich- linge und niemand bringt den Kindern ein Sozialverhalten bei. Stundenlanges Gebrülle und Geschreie das ist der heutige Schrebergarten in Deutschland. Meinetwegen kann das dann auch alles Bauland werden. Viel Grüße aus Hamburg

  2. Nadine sagt:

    Wir haben „hochmotiviert“einen Schrebergarten übernommen der völlig verwildert ist und kommen kaum voran.Von Mo-Fr arbeiten wir lange,Sam.die langen Ruhezeiten,Sonntags völliger Stillstand..Sonntags ist ja auch okay, aber wie soll man den Garten so fertig gestalten?!Es wird immer über Kinderlärm gemeckert, tatsächlich hört man den ganzen Tag Hundegebell und „ältere Herrschaften“die lautstark ihre Oldies abduddeln…Sollen die Kinder den ganzen Sommer über dem Gemüse beim Wachsen zugucken?Wirklich nicht mehr zeitgemäß die Ordnung.Vieles klingt wie „von Rentnern für Rentner“entworfen…..

  3. Jörg Poser sagt:

    Elke L. hat mit der Mittagsruhe recht!Samstag
    könnte man die Zeit ändern.Es gibt Menschen die arbeiten länger. Die haben nur an Wochenenden Zeit für’n Garten!!!

  4. Elke Lampe sagt:

    Diese alte Satzung ist schon längst überholungsbedürftig und nicht mehr zeitgemäß. In den letzten Jahren viele Leerstände und jetzt durch Corona riesige Nachfragen nach Kleingärten auch von jungen Familien mit Kindern, die sich eine Wohlfühloase schaffen wollen, damit es ihnen und ihren Kindern gut geht. Und nun kommt die alte Satzung ins Spiel und wird gerade diese Familien wieder vertreiben, weil ihre Kinder weder ein Trampolin noch eine Schaukel im Kleingarten haben dürfen, weil es zuviel Platz in Anspruch nimmt. Wer Gemüse im Garten anbauen möchte wird es tun, aber warum sollen andere die ihren Garten schön bepflanzen und sauber halten gezwungen werden 1/3 des Gartens mit Gemüse zu beackern. Viel schöner ist es doch durch ein Kleingartengelände zu gehen, wo die Gärten gepflegt werden, egal ob Gemüseanbau oder schöne Bepflanzung. Jeder sollte das Recht haben seinen Garten so zu gestalten wie er es möchte und nicht die Satzung. Außerdem sollten auch mal die Zeiten der Mittagsruhe geändert werden, die sind auch nicht mehr zeitgemäß. Z.B. Samstag nur in der Zeit von 9-12 Uhr. Was ein Schwachsinn. Nur damit die Älteren auf Ihrer Terrasse im Kleingarten sitzen und dem zwitschern der Vögel lauschen. Für die arbeitende Bevölkerung sind solche Zeiten nicht mehr machbar.

  5. Ute sagt:

    Find ich nicht gut…wir haben auch einen Garten und in unserem Verein hat jede Parzelle Obst und Gemüse und pool.mam muß die ganze Satzung Mal überarbeiten.ist total veraltet.

  6. Hans-Jürgen Kern sagt:

    Genau so alt unser Kleingartegesetz, genau so alt viele Pächter. Als Verein nur noch auf dem Papier. Was Verein bedeutet haben die älteren Pächter schon lange vergessen. Das Bundeskleingartengesetz wird oft in Vorständen als persönliches Druckmittel genutzt. Gönner und Verwandte dürfen es umgehen und Gärtner oftmals jüngere welche etwa eine andere Meinung haben oder den Vorständen nicht jederzeit wohl gesonnen sind, werden mit dem Gesetz drangsaliert. Oftmals mit herrischen Falschaussagen und erfundenen Gesetzen. Hier in Dessau-Roßlau ist es besonders schlimm. Grenzt teilweise meiner Meinung nach an klein Mafiöse Strukturen. Die älteren interresiert das nicht, wenn Gärtner in den Ruine getrieben werden. Sie wollen ihre Ruhe haben und schauen weg. Genau deshalb sollte das Gesetz geändert werden. Auch fehlerhafte Vereinsvermögensabrechnungen werden hingenommen. Offensichtliche finanzielle Misswirtschaft wird geduldet nur um nicht erpresst oder genötigt zu werden. Also für junge Gärtner kein Anziehungspunkt.
    Grüße aus Dessau-Roßlau
    Der Ring ist das Erbe

  7. Lothar H. sagt:

    Werte Lübecker Kleingartenfreunde,ja die Welt hat sich seit dem Jahr 1983 sehr stark verändert,aber die Ziele und die Grundlage für das Kleingärtenwesen sind gleich geblieben.
    „Sozialverträglich Preise,ein ökologischer Obst- und Gemüseanbau und Erholung“
    Leider sind viele Pächter der Meinung, Satzug und Ordnung der Vereine sind nicht für sie gültig.
    Es entstehen immer mehr Spielplätzen auf den Parzellen und die Erzeugung von Obst-und Gemüse die für unsere Kinder ein wichtiger Bestandteil ihres Wissens und ihrer Entwicklung sein werden,nimmt einen immer kleineren Raum bei den Gartenfreunden ein.
    Um den gemeinschaftlichen Gedanken in den Vereinen zu stärken, sollten Spielplätze in zusammenarbeit mit den öffentlichen Behörden in Kleingärten Anlagen errichtet werden.

  8. Rainer Krupecki sagt:

    Die Satzung der Kleingärtner stark veraltet sicherlich muss ein Kleingarten zur Erzeugung von Obst und Gemüse genutzt werden , aber auch zu Erholung und in einen 300 Liter Becken finde ich sie nicht und wenn ich Kinder mit in den Garten ziehen will dann muss ich Ihnen auch etwas bieten .Ich Denke die gesamte Bundesgartenverordnung sollte mal grundlegend verbessert werden und der heutigen Zeit angepasst werden.

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