Pop-up-Ausstellung über NS-Opfer: Fundstücke aus den Archiven des Grauens

Sie ist kompakt, mobil und tourt durch deutsche Kleinstädte: Jetzt macht die Ausstellung „#StolenMemory“ auch in Eutin halt. Der zu einer Pop-up-Galerie umgestaltete Überseecontainer steht auf dem Berliner Platz und ist bis zum 7. Oktober täglich von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet.

Kampagne zur Rückgabe persönlicher Gegenstände von KZ-Häftlingen

Die Ausstellung ist Teil einer Kampagne der „Arolsen Archives“ zur Rückgabe persönlicher Gegenstände von ehemaligen KZ-Häftlingen an Angehörige. Die Einrichtung wurde 1948 als internationaler Suchdienst von den Alliierten im hessischen Bad Arolsen gegründet. Heute gilt sie größtes Archiv über Opfer und Überlebende des Nationalsozialismus. „Wir haben Material von 17,5 Millionen Menschen, die mit der NS-Verfolgung konfrontiert waren“, berichtet Presseleiterin Anke Münster. Dabei handele es sich nicht nur um Dokumente, sondern auch um sogenannte Effekten – persönliche Habseligkeiten, die Inhaftierten von den Nazis abgenommen wurden. „Zahlreiche solcher Gegenstände hat die britische Armee nach der Befreiung des KZ Neuengamme beschlagnahmt mit dem Ziel, sie den Eigentümern oder Angehörigen zurückzugeben“, erläutert Anke Münster.

Einige Habseligkeiten konnten Angehörigen bereits übergeben werden

5000 Umschläge mit Familienfotos, Federhaltern, Schmuck oder Uhren wurden den „Arolsen Archives“ übergeben – viele warten noch auf die Besitzer. Durch die Ausstellung, aber auch durch Online-Präsentation hoffen die Verantwortlichen, Angehörige zu finden. Auf den Tafeln der Ausstellung werden Menschen und die Dinge, die sie bei ihrer Verhaftung in den Taschen hatten, vorgestellt – auf der einen Seite die Namen derer, deren Angehörige noch gesucht werden; auf der anderen Seite Menschen, deren Habseligkeiten bereits an Verwandte übergeben werden konnten. „Ich selbst war bei solchen Rückgaben dabei, es war hochgradig berührend“, erzählt Anke Münster. Filmclips dokumentieren diese Momente, sie können per QR-Code direkt übers Smartphone abgerufen werden.

„Nicht vergessen, was nicht vergessen werden darf“

„Diese Schau bietet eine gute Möglichkeit, sich mit dem, was damals geschah, auseinanderzusetzen. Es ist eine sehr emotionale Geschichte, und so erreicht man die Menschen“, sagte Bürgervorsteher Dieter Holst kürzlich bei der Ausstellungseröffnung. Um insbesondere Kindern und Jugendlichen das Thema nahezubringen, damit, so Holst, „nicht vergessen wird, was nicht vergessen werden darf“, hat die Stadt den Schulen die Ausstellung ans Herz gelegt. Und viele Klassen haben sich auch bereits angemeldet. Weitere Gruppen können sich unter Telefon 04521 793250 melden.

Auch Eutiner Polizeischüler besuchen diese Ausstellung

Die Idee, die Ausstellung nach Eutin zu holen, hatte übrigens Stadtvertreterin Christiane Balzer. Als Fachbereichsleiterin der Fachinspektion Aus- und Fortbildung der Polizeischule Eutin sorgt sie dafür, dass Polizeischüler die Wanderausstellung im Rahmen des Fachs Politische Bildung besuchen: „Als ,Schule ohne Rassismus’ fühlen wir uns dem Thema verpflichtet.“ Infos auch zu offenen Suchen auf stolenmemory.org.

 

Anke Münster von den „Arolsen Archives“ (links), Stadtvertreterin Christiane Balzer und Bürgervorsteher Dieter Holst eröffneten die Container-Ausstellung „#StolenMemory“ . (Foto: Graap)

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