Kein Personal: Hansestadt Lübeck verschiebt Fußgängerüberweg im St.-Jürgen-Ring

Der Tunnel unter dem St.-Jürgen-Ring ist ein Dauerthema in Lübeck. Schon lange fordern Anwohner und Politik, die nicht behindertengerechte Unterführung durch eine Ampel zu ersetzen. Doch die Verwaltung hat das Projekt verschoben: Sie hat zu wenig Personal.

Tunnel unter St.-Jürgen-Ring: Unappetitlich und nicht barrierefrei

Die Unterführung am Mönkhofer Weg ist unappetitlich, nachts sogar bedrohlich. Und sie ist nicht barrierefrei, für Rollstuhlfahrer nicht passierbar. Deshalb hatte die Stadtteilgemeinschaft „St.-Jürgen-Runde“ schon im Jahre 2012 rund 750 Unterschriften gesammelt. Unterstützt wurde sie dabei von den Supermärkten Rewe und Edeka. Mit den Unterschriften sollte die Bauverwaltung bewegt werden, einen Fußgängerüberweg samt Ampel zu installieren. Doch erst 2018 nahm Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen die Unterschriften entgegen. Im Rahmen der Sanierung der Wakenitzbrücke sollte auch die Unterführung beseitigt werden, die Baukosten wurden für 2022 vorgemerkt.

„Kein Unfallschwerpunkt“

„Bisher ist die Planung aber nicht ausgeschrieben, im Haushaltsplan 2021 fehlt der Tunnel völlig“, sagt Katja Mentz von der GAL. Auf Nachfrage der Partei erteilte die Stadtverwaltung nun die Auskunft, dass nicht genügend Personal für die Pläne zur Verfügung steht. „Die personellen Kapazitäten müssen für Unfallschwerpunkte eingesetzt werden. Daher muss die Planung und Umsetzung leider verschoben werden“, heißt es in einer Stellungnahme der Hansestadt Lübeck.

Anwohner sind enttäuscht

„Es ist ein Unding, dass der Baubereich abwägen muss, ob er sein Personal zur Beseitigung von Unfallschwerpunkten oder zur Beseitigung des maroden, unzumutbaren Tunnels einsetzt“, sagt die Fraktionsvorsitzende der GAL, Antje Jansen. Jansen kritisiert, dass der Baubereich „kaputt gespart“ worden sei. „Ich bin enttäuscht“, stellt der Sprecher der St.-Jürgen-Runde, Volker Koß, fest. „Ich benutze den Tunnel häufig. Vor 25 Jahren schob ich mein Fahrrad auch mit meiner Tochter im Kindersitz die Rampen rauf und runter. Das traue ich mir heute nicht mehr zu.“

Die Fraktion Freie Wähler und GAL will in der kommenden Bürgerschaftssitzung beantragen, das Projekt wie ursprünglich geplant im Haushalt weiterzuführen. Oliver Pries

Foto: hfr

 

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