Eutiner Landesbibliothek fördert Forschung: Erster Stipendiat setzt Maßstäbe

Für die Eutiner Landesbibliothek ist es das Tüpfelchen auf dem i oder die Kirsche auf der Torte: Auf Initiative und mit maßgeblicher Unterstützung der Sparkassen-Stiftung Eutiner Landesbibliothek wurde die Einrichtung in die Lage versetzt, seit März halbjährliche Stipendien für Nachwuchswissenschaftler vergeben zu können. „Das ist ein wirklich großer Gewinn für unseren Forschungsstandort“, freuen sich Bibliotheksleiter Dr. Frank Baudach und Professor Dr. Axel E. Walter, der die Forschungsstelle zur historischen Reisekultur betreut.

Er schreibt eine historische Biografie über Ferdinand Tönnies

Und beide sind sich auch einig, dass der erste Stipendiat bereits Maßstäbe für die Arbeit gesetzt hat. Alexander Wierzock, Promotionsstudent der Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin, schreibt eine historische Biografie über Ferdinand Tönnies, eine der Gründergestalten der Soziologie in Deutschland. In der Landesbibliothek hat er den bislang wenig erforschten Eutiner Lebensabschnitt des Gelehrten näher untersucht. Tönnies wohnte von 1901 bis 1921 im Haus Albert-Mahlstedt-Straße 8, wo er sich besonders gern im weitläufigen Garten aufhielt.

Im gesellschaftlichen Leben Eutins war Tönnies sehr präsent

„Im gesellschaftlichen Leben Eutins war Tönnies sehr präsent – etwa als Mitglied der Literarischen Gesellschaft oder durch sein Engagement für Kriegsheimkehrer. Außerdem war er leidenschaftlicher Wanderer. Seine Routen lassen sich nachverfolgen.“ Der sozial-liberale Geist habe viele Menschen fasziniert und als Begründer der neuen Modewissenschaft Kollegen und junge Intellektuelle nach Eutin gelotst. „Die Eutiner Bibliothek war seine Arbeitsbibliothek. Durch ein altes Ausleihbuch habe ich Einblick in sein Leseverhalten bekommen und konnte auch durch seine Schriften und Korrespondenz weitere interessante Puzzlestücke für meine Biografie sammeln. Tönnies war ein Mensch mit Ecken und Kanten“, zieht der 37-jährige Tönnies-Forscher nach sechsmonatiger Tätigkeit Bilanz.

Eutiner Landesbibliothek will bekannter werden

Auf diese Weise profitiert natürlich auch die Eutiner Landesbibliothek von den Forschungsergebnissen, werden so doch regionalgeschichtlich bedeutsame Vorgänge ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. „Deshalb muss das Thema auch immer zu unseren Beständen, zu unseren Sammlungs- und Forschungsschwerpunkten passen“, betont Baudach. Die nächste Stipendiatin kommt aus Litauen und forscht ab September in Eutin über die Kurische Nehrung. Baudach hebt aber noch einen weiteren Vorteil des neuen Stipendiums hervor: „Es gibt uns die Möglichkeit, eine noch größere Bekanntheit und Vernetzung im wissenschaftlichen Raum als Forschungsbibliothek zu erzielen“, so Baudach. Das Stipendium stärke also die Landesbibliothek, die von den Universitäten ja ein ganzes Stück entfernt sei.

Stipendien sind mit monatlich 1000 Euro dotiert

Die halbjährlichen Stipendien sind mit monatlich 1000 Euro dotiert. Die Sparkassen-Stiftung Eutiner Landesbibliothek trägt hiervon 800 Euro, die Stiftung Eutiner Landesbibliothek einen Sachkostenzuschuss in Höhe von 200 Euro – zuzüglich der Erstattung der Reisekosten. Die Jungwissenschaftler bekommen außerdem von der Sparkassen-Stiftung die Hausmeisterwohnung im frisch sanierten Vogt-Haus am historischen Bauhof mietfrei zur Verfügung gestellt – deshalb herrscht für die Stipendiaten auch Residenzpflicht in der Kreisstadt. Gedacht ist das Stipendium für Doktoranden und jüngere Postdoktoranden zur Bearbeitung spezieller Forschungsgebiete.

Wierzocks Vortrag über seine Eutiner Forschungen geht online

Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Stiftungen der Sparkasse Holstein, freut sich, dass der bei der Errichtung der Stiftung 2006 bereits in der Satzung dokumentierte Wille zur Wissenschaftsförderung nun durch das Stipendium erfüllt werde: „Wir sind mächtig stolz, dass wir aus den Erträgen des Stiftungskapitals und ergänzenden Zuwendungen der Sparkasse Holstein nicht nur die Zukunft der Landesbibliothek sichern, sondern auch einen konkreten Beitrag zur forschenden Arbeit leisten können.“ Wierzocks Vortrag über seine Eutiner Forschungen kann übrigens in Kürze online auf www.lb-eutin.de aufgerufen werden.

 

Auch während der Corona-Krise konnte Alexander Wierzock in Ruhe seiner Forschung über Ferdinand Tönnies nachgehen. (Foto: Graap)

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