Prekäre Parksituation in Eutin: Wohnungsbau nicht auf Kosten der Garagen

 

In der Rostocker, Schweriner und Wismarer Straße in Eutin regt sich Protest. In dem Mitte der 1960er-Jahre entstandenen Wohngebiet sind die Straßen eng, und die Parkmöglichkeiten entsprechen längst nicht mehr dem Bedarf der heutigen Zeit. Nun will ein Hamburger Investor auf einem Grundstück, auf dem bisher 18 Garagen stehen, ein Mehrfamilienhaus errichten – ohne dass für die wegfallenden Stellflächen Ersatz in Sicht ist. „Das Bauvorhaben darf so nicht genehmigt werden“, meinen Martin Picht und Torsten Winkler und mit ihnen über 60 weitere Anwohner, die mit einer Unterschriftenaktion Widerspruch bei Kommunalpolitik und Stadtverwaltung eingelegt haben.

„Die Lage ist schon jetzt in einem eskalierenden Zustand“

Die beiden Initiatoren des Bürgerprotests wollen die Stadtvertreter wachrütteln und sich mit ihnen konkret mit der Parksituation vor Ort auseinandersetzen. „Sie ist schon jetzt in einem eskalierenden Zustand“, betont Picht. „Damals konnte sich vielleicht jeder zweite Haushalt ein Auto leisten. Heute hat jeder in der Regel einen Zweitwagen. Das heißt, in unserer Altsiedlung gibt es schon jetzt zu wenig Parkplätze für Anwohner und Besucher. Und zurzeit wird vonseiten der Stadt noch geduldet, dass in der Schweriner Straße auf dem Gehweg geparkt werden kann – aber auch das könnte bald ein Ende haben“, so Picht. Wegen parkender Autos habe es auch schon mit Müllabfuhr und Lieferverkehr Ärger gegeben.

Die Begründung des Bauantrags sei nicht seriös

Er und Winkler werfen dem Investor, der auf dem Grundstück am Ende der Wismarer Straße eine „Nachverdichtung“ vornehmen will und maximal fünf Wohneinheiten plant, vor, in der Begründung seines Bauantrags nicht seriös zu argumentieren. „Dort wird behauptet, dass die Garagen häufig artfremd genutzt werden. Das ist schlicht gelogen“, stellt Picht fest – eindrucksvoll untermauert von den Anliegern, die am Dienstag zum Pressetermin ihre Wagen aus den Garagen gefahren haben. „Die Garagen stehen hier schon seit 40 Jahren und genießen eigentlich Bestandsschutz. Auf jeden Fall ist aber klar, dass in dieser Angelegenheit das Allgemeininteresse überwiegt – und nicht das Einzelinteresse eines auswärtigen Investors, der nur Rendite erzielen will und den Bauantrag unter falschen Voraussetzungen stellt!“

So werde Falschparken geradezu provoziert

Picht betont, dass die 18 Stellplätze der Garagenmieter nach Abriss in keinster Weise befriedigt werden könnten. „Hinzu kommen vermutlich noch weitere Fahrzeuge der Neubürger, die dann dort einziehen – die haben doch sicher auch alle zwei Autos.“ Dass in dem Wohngebiet schon jetzt Parknot herrscht, sieht die Stadtverwaltung offenbar nicht. Eine Anfrage, im Bereich des Rondells am Wendehammer der Wismarer Straße neue öffentliche Stellplätze zu bauen, hat das Bauamt erst vor drei Wochen als nicht erforderlich verworfen. So werde Falschparken geradezu provoziert – und dann schreite der kommunale Ordnungsdienst ein.

Bürger wollen das Thema im Bauausschuss zur Sprache bringen

Übrigens hatte der Stadtentwicklungsausschuss Anfang Juni die Änderung des Bebauungsplanes im Sinne des Bauherrn einstimmig genehmigt. Durch die öffentliche Bekanntmachung sind die Anwohner nun eher zufällig über das Vorhaben gestolpert. „Wir wollen gehört und ernstgenommen werden“, sagt Winkler. Immerhin haben sich Vertreter von SPD und Wählergemeinschaft vor Ort schon mal ein Bild gemacht. Ihre Einwände will die Bürgerinitiative in den Bauausschuss einbringen – der tagt am kommenden Mittwoch, 12. August, um 18 Uhr in der Kfz-Halle der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung auf der Hubertushöhe. vg

 

Die Anlieger rund um Torsten Winkler und Martin Picht wollen die Garagen erhalten. (Foto: Graap)

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