Suchtgefahr steigt in Zeiten von Corona

Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie steht Betroffenen und Angehörigen zur Seite

Laut offizieller Zahlen des Einzelhandels wird in Zeiten der Corona-Krise deutlich mehr Alkohol gekauft als zuvor. Der Alkoholkonsum verlagert sich gleichzeitig von Restaurants und Bars in das eigene Zuhause. „Dadurch steigt schleichend die Gefahr eines riskanten Konsums oder gar einer Abhängigkeit“, weiß Stephan Schuldt, Leiter der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie. „Im öffentlichen Raum gibt es noch den Blick der anderen Menschen, die soziale Kontrolle – diese entfällt in den eigenen vier Wänden natürlich. Und während man im Restaurant beispielsweise ein Glas Wein bestellt, steht zu Hause gleich eine ganze Flasche zur freien Verfügung. So wird schnell mehr getrunken als sonst.“

Gefährlich wird es, wenn der Alkohol einen bestimmten Zweck erfüllt. „Gerade die Corona-Pandemie geht mit vielen Stressfaktoren einher“, sagt Suchttherapeutin Dorothee Johannsen. Soziale Isolation, der drohende Verlust des Arbeitsplatzes oder familiäre Konflikte können Ängste und Unsicherheiten auslösen. „Alkohol ist für manche dann wie ein Medikament dagegen und löst vorübergehend die Angst“, so Johannsen. „Aber natürlich werden die Probleme damit nur verdrängt und womöglich ein neues geschaffen, nämlich die Abhängigkeit.“ Die Suchttherapeutin weist darauf hin, wie wichtig es für Betroffene und ihre Angehörigen ist, möglichst frühzeitig zu handeln: „Wenn Sie sich unwohl fühlen, wenn Sie Fragen zum Alkoholkonsum haben, dann melden Sie sich bei uns. Wir können Antworten geben und gemeinsam mit Ihnen herausfinden, was genau los ist.“

Die Zahl der Menschen, die in die Suchtberatungsstelle kommen, steigt

2019 waren es insgesamt 335 – im Jahr 2020 bis jetzt schon 225. „Es ist gut, dass immer mehr Betroffene und Angehörige professionelle Hilfe suchen“, sagt Stephan Schuldt. „Trotzdem erleben wir, dass die Hemmschwelle immer noch hoch ist. Denn Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt und Alkoholsucht für viele weiterhin ein Tabu-Thema.“ Die Berater der Vorwerker Diakonie begegnen den Betroffenen auf Augenhöhe, ohne Vorurteile und ohne Vorwürfe. Und ganz wichtig: Sie stellen keine Forderungen.

Die Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie, Braunstraße 5, ist zu erreichen unter Telefon 0451/ 400 25 81 20 und per E-Mail an suchtberatung.luebeck@vorwerker-diakonie.de. In den offenen Sprechzeiten montags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr kann ein erstes, unverbindliches Gespräch geführt werden.

Stephan Schuldt und Dorothee Johannsen von der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie stehen Betroffenen und Angehörigen zur Seite. Foto: Vorwerker Diakonie

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