Open-Air-Tango an der Obertrave

Die Lübecker Tangoschule Parcour lädt jeden Donnerstag zum Tango unter freiem Himmel.

Liebhaber des Tango brauchen kein Parkett. In Argentinien, dem Geburtsland des Tanzes mit dem starken Rhythmus, dem engen Körperkontakt und den sich kreuzenden Beinen, tanzen die Menschen kurzerhand auf der Straße. Auch in Lübeck. Und deshalb nennt Jutta Ottenbreit, Inhaberin der Tangoschule Parcour, die immer donnerstags stattfindenden Tanzabende an der Obertrave auch „Kundgebungen“.

Tanzfläche wird zum Hingucker

Es ist 19.30 Uhr, ein lauer Sommerabend. Thasmo, der DJ, nimmt auf einem der Granitsitze auf der Promenade zwischen Trave und Straße Platz. Die Musik mit den unverkennbaren Bandoneonklängen kommt aus Lautsprechern. Schnell lockt sie Paare auf die steinerne Tanzfläche. Es ist Tangozeit. Mitten zwischen Bootsanlegestellen, abgestellten Fahrrädern, den Wasserspielen und den Sitzgelegenheiten wird die kleine Fläche zum Hingucker. Menschen bleiben stehen, laben sich förmlich an den Schritten und schmiegsamen Figuren der Paare. Die scheinen in einer eigenen Welt versunken, tragen schicke Tanzschuhe, und kommunizieren ohne zu sprechen. Manche von ihnen schließen die Augen, geben sich ganz den unscheinbaren Bewegungen ihrer Füße hin. Für so manchen Zuschauer ein Magnet, die kleine Tanzfläche mitten in der Stadt.  „Tango beginnt mit dem Gehen“, sagt Jutta Ottenbreit. „So ist es auch mal entstanden. Einfach mitmachen, und mitgehen.“ In Lübeck gibt es den Tango seit 1989, als sich ein paar Leute im Werkhof trafen. Seither gab es den Tanz im Freien an verschiedenen Lübecker Plätzen.

Maximal sechs Paare dürfen gleichzeitig auf die steinerne Tanzfläche

„Tango ist schon längst ein Stück Lübecker Kultur“, sagt Ottenbreit. Aber die Corona-Regeln haben auch den Tango erreicht: „Wir vermissen das Tanzen im öffentlichen Raum, die Begegnungen, den Austausch, den Kontakt, der beim Tango in der Umarmung des Paares, dem Tanzen zur Musik und dem geselligen Miteinander in einer ritualisierten Form gepflegt wird“, sagt Ottenbreit. „Alles das scheint uns verwehrt und auf den privaten Raum eingegrenzt, oder für lange Zeit gänzlich unmöglich“, beklagt sie. „Doch wir möchten wieder tanzen und zeigen, dass dies im Einklang mit einer angemessenen Sorgfalt und Abstandsregelung möglich ist.“

„Der Tango Argentino und das Tanzen liegen uns am Herzen“, sagt Ottenbreit. „Und deshalb wollen wir tanzend auf unser Anliegen aufmerksam machen.“ Doch so ganz freizügig verläuft das Milonga genannte Tanzvergnügen nicht. „Momentan ist es wichtig, dass wir sorgfältig mit den bestehenden Regeln zu Abstand und Begegnung umgehen“, sagt die Tangolehrerin. Das bedeutet: Es ist ein Abstand untereinander beim Zuschauen, Unterhalten und zu den anderen Tanzpaaren von 1,50 Meter vorgeschrieben. „Das Tanzen ist nur in festen Tanzpaaren und mit maximal sechs Paaren gleichzeitig möglich“, erklärt Ottenbreit. Die Tanzabende im Freien seien für 50 Personen angemeldet.

Wer also Lust verspürt, mal den Tango im Freien zu probieren, kann mitmachen. Gefragt sind gute Laune, die Freude am Tanzen, und das rücksichtsvolle Miteinander. Die kostenlose Freiluftmilonga läuft immer donnerstags von 19.30 bis 21.30 Uhr.

Draußen. Mitten in der Stadt: Der Tango erobert Lübeck. Foto: Rüdiger Jacob

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