Karstadt in Lübeck vor dem Aus

Diese Nachricht hatte es in sich

Die Karstadt-Filiale im Herzen der Altstadt soll als eine von bundesweit 62 Filialen des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof schließen. Das wurde Freitag bekannt. In Schleswig-Holstein bleibt nur der Standort in Kiel erhalten. Es wäre ein schwerer Schlag für den Einzelhandel in der City. Bürgermeister Jan Lindenau hat einen Brief an die Konzernleitung verfasst. Lübeck Management und Politik zeigen sich besorgt über die Entwicklung.

Die Ankündigung, dass auch die Lübecker Filiale zu den bundesweit 62 von 172 Standorten gehören soll, die Galeria Karstadt Kaufhof schließen will, hat in Politik und Einzelhandel Sorgen ausgelöst.  Wie die LN berichten, hat Bürgermeister Jan Lindenau in einem Schreiben an Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH, für den Erhalt des Standortes geworben. Nicht nur die Lübecker brächten Kaufkraft, sondern auch der Tourismus, so Lindenau. Außerdem weist er auf die Investitionspläne für die Innenstadt auch in unmittelbarer Nähe des Karstadt-Hauses hin und lädt die Leitung des Warenhaus-Konzerns zu einem Gespräch ein.

„Die Mitteilung über die Schließung des Lübecker Warenhauses Galeria Karstadt Kaufhof GmbH trifft mitten ins Herz der Lübecker Altstadt“, heißt des in einer Pressemitteilung des Lübeck Managements. „Seit 1884 gehört Karstadt zu Lübecks Stadtbild und prägt die innerstädtische Einzelhandelslandschaft wesentlich.“ Gut 150 Beschäftigte wären demnach von der Schließung des Kaufhauses betroffen. „Bürgermeister Jan Lindenau holt Verwaltungseinheiten zurück ins Zentrum und ist Treiber und Motor für Prozesse, auf die wir viele Jahre gewartet haben“, sagt Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck Managements. Lübeck biete viele Standortvorteile, mit denen andere Städte längst nicht in dem Maß punkten können. „Corona trifft alle Karstadt-Standorte gleichermaßen. Ebenso der boomende Online-Handel. Es müssen also andere K.O.-Kriterien gewesen sein, die Karstadt Lübeck auf die Schließungs-Liste katapultierten“, vermutet Kempke.

So sehr die Hansestadt Lübeck seit vielen Jahren mit stetig wachsenden Tourismuszahlen punkten könne, so sehr punktete sie in der Vergangenheit auch mit stetig wachsenden Einzelhandelsflächen an dezentralen Standorten. Beides wurde sowohl in der Essener Konzernzentrale als auch von der Lübecker Karstadt-Filialgeschäftsführung wahrgenommen – und sowohl positiv als auch äußerst kritisch kommentiert. Kempke: „Die völlig überdimensionierte und stets mit sehr viel Schwung beförderte Ausweitung dezentraler Handelsflächen war immer wieder ein wunder Punkt in den Gesprächen mit der Filialgeschäftsführung. Wiederholt wurde dieses dezentrale Flächenforcieren als fehlendes Bekenntnis zum Standort Innenstadt gewertet.“

„Tiefer Schlag in die Magengrube“

„Besonders für die Mitarbeiter ist die Schließung des Hauses in Lübeck ein tiefer Schlag in die Magengrube. Viele Jahre haben sie für das Missmanagement des Konzernes ihren Kopf hingehalten. Das endgültige Aus ist sehr bitter. Ihnen gilt unsere Solidarität“, erklären der CDU-Fraktionsvorsitzende Oliver Prieur und der Kreisvorsitzende Dr. Carsten Grohmann. „Es ist daher um so wichtiger, nun für die Zukunft eine geeignete Nutzung der Flächen zu finden und die Innenstadt neu auszurichten.“ fordert Dr. Carsten Grohmann.

Zur angekündigten Schließung des Karstadt-Warenhauses in der Altstadt erklären die SPD-Kreisvorsitzenden Sophia Schiebe und Jörn Puhle sowie Peter Petereit, SPD-Fraktionsvorsitzender): „Die Entscheidung des Warenhaus-Konzerns ist eine bittere Nachricht für die Beschäftigten und Lübeck als Einzelhandelsstandort. Unsere Solidarität gilt den Mitarbeitenden, denen jetzt schnell Unterstützung und Hilfe angeboten werden muss. Hier stehen sowohl der Konzern als auch das Land Schleswig-Holstein in der Pflicht. Wir erwarten vom Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, dass er die Städte bei Gesprächen mit dem Karstadt-Konzern unterstützt. Die Mitarbeitenden dürfen nicht allein die Leidtragenden sein, wenn ein Warenhaus nicht rechtzeitig neue Trends und Entwicklungen aufnimmt. Es entsteht der Eindruck, dass seit der letzten Sanierung des Konzerns Immobilienspekulanten die Oberhand gewonnen haben und keine Zukunftsentwickler, die ein ernsthaftes Interesse an einer Weiterentwicklung des Erlebnisses Einkaufen hatten.“

Die Schließung der vier von fünf Karstadt-Filialen in Schleswig-Holstein und vier von acht Standorten in Hamburg sei mehr als ein Schlag ins Gesicht von hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, so Lorenz Gösta Beutin, klima- und energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken

Nach 136 Jahren: Karstadt in der Lübecker Altstadt soll als einer von bundesweit 62 Standorten geschlossen werden. Foto: Lutz Roeßler

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