Der Dom als 3D-Modell

Auf diese Weise erhalten die Experten wichtige Hinweise für künftige Sanierung

Es ist 1,15 Meter hoch und im Maßstab 1:100 erstellt: das 3D-Modell der Domtürme. „Einige Zentimeter können noch für die Turmbekrönung hinzugerechnet werden“, schmunzelt Architekt Christoph Diebold. Das Modell des Domes entstand in den letzten Wochen in Zusammenarbeit mit dem Fab Lab Lübeck. Es ist Teil der seit 2018 laufenden umfangreichen Untersuchungsphase am Dom, die der Sanierung der Turmanlage vorgeschaltet ist und dient der Arbeitsgruppe aus Bauhistorikern, Materialprüfern, Tragwerksplanern und Architekten als Werkzeug bei der statischen Untersuchung und der Beurteilung der Tragfähigkeit des Mauerwerks.

Nach und nach entstand das Kunststoff-Modell

„Das 3D-Modell ersetzt eine aufwändige Deformationsanalyse, indem es die komplexe Geometrie des Gebäudes – wie Torsionen der Türme zueinander und in sich sowie Verformungen in der Fläche – greif- und sichtbar werden lässt“, erläutert Architekt Christoph Diebold. „Voraussetzung für das Modell ist die 2018 durchgeführte Bestandsaufnahme mittels eines Hochleistungslaserscanners.“ Die dabei erzeugte 3D-Punktwolke (das virtuelle dreidimensionale Bild) konnte nach der Bearbeitung durch die Architekten als tatsächliches materielles Modell reproduziert und im FabLab gedruckt werden.

Max Reinhart, Architektur-Student an der Technischen Hochschule und Mitarbeiter von Christoph Diebold, arbeitete die Daten-Punktwolke – das virtuelle dreidimensionale Bild – auf und programmierte das Modell: „Die Umsetzungsphase dauerte inklusive Pausen etwa ein Jahr. Die „heiße Phase“ bildeten die vergangenen drei Monate“. Den alleinigen Druck beziffert der TH-Student mit rund 200 Stunden. „Vier bis fünf 3D-Drucker waren im Einsatz, sie druckten zwölf bis 24 Stunden durchgängig“. So entstand nach und nach die Kunststoff-Nachbildung des Doms, die aus 20 Einzelstücken zusammengesetzt ist.
Verantwortlich für den aufwändigen 3D-Druck war Bjarne Andersen von Fab Lab. „Das Modell ist ein Sonderfall in der Auftragsarbeit – es ist das bisher größte Modell, das bei uns gedruckt wurde“. Er sei stolz, es nun präsentieren zu dürfen.

22 Kernbohrungen für die Untersuchung

Insgesamt wurden während der Untersuchungsphase 22 Kernbohrungen vorgenommen, um das Mauerwerk auf Feuchtigkeitsgehalt, Druckfestigkeit, den Eigenschaften von Stein und Mörtel zu prüfen. „Das gibt Aufschluss darüber, welche Materialien wir für die Sanierung verwenden. Deshalb ist die Untersuchungsphase sehr wichtig, um Kostensicherheit zu haben und später keine bösen Überraschungen zu erleben“, so Diebold. Und: „Die Bohrungen werden äußerst sensibel durchgeführt, um möglichst wenig Material kaputt zu machen“.

Den Zeitplan für den Beginn der Sanierung datiert Jürgen Rösing von der Bauabteilung des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg auf das Jahr 2022. „Über eines sind wir uns aber im Klaren: Die Domtürme bekommen wir nie gerade“. Noch in diesem Jahr soll das Sanierungskonzept erstellt werden, um verlässliche Zahlen zu erhalten, die auch wichtig beim Einwerben von Drittmitteln sind.

Dom-Pastorin Margrit Wegner sagt: „Viele Menschen auf der ganzen Welt interessieren sich für Sanierung der Dom-Türme. Die Spenden-Bereitschaft ist trotz aller momentanen Einschränkungen hoch.“ „Es ist Herzensanliegen vieler Menschen, die Dom-Türme zu erhalten. Auch jetzt, wo noch nicht viel Spektakuläres zu sehen ist“, ergänzt Pastor Martin Klatt. Als Idee nennen beide das 3D-Modell, geschützt hinter Plexiglas, im Dom mit einer Beschreibung und einem Spendenbarometer auszustellen.

Architekt Christoph Diebold (v. l.), Bjarne Andersen von Fab Lab und Student Max Reinhart am 3D-Modell der Domtürme. Foto: Niemann/ KKLL

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