Schlossterrassen: Projektstopp ist nach Kostenexplosion kein Thema

 

Das Projekt „Historische Reithalle“ wird für die Stadt Eutin eine teure Tasse Tee: Die Sanierung und Erweiterung der früheren Schlossterrassen wird weitaus mehr Geld kosten als die ursprünglich veranschlagten 5,1 Millionen Euro. Stand jetzt gehen die Planer von neun Millionen Euro für die Umgestaltung zum Multifunktionszentrum aus – und die Kosten für Möblierung und technisches Equipment kommen noch obendrauf. Ein Stopp des Vorhabens wurde aber bei der Sondersitzung des Bauausschusses vergangene Woche gar nicht ins Spiel gebracht.

Flächenzuwachs von 20 Prozent gegenüber der Auslobung

Wie konnte es zu der Kostenexplosion kommen? Wie Architekt Detlef Junkers von der PFP Planungs-GmbH aus Hamburg erläuterte, gibt es dafür mehrere Gründe. So habe man die Kosten zunächst nur anhand der Rahmendaten schätzen können, konkrete Untersuchungen des Gebäudes seien im Vorfeld nicht möglich gewesen. „Wir kamen nicht an die Struktur des Gebäudes heran, weil es sich bis 2019 im laufenden Betrieb befunden hat“, so Junkers. Letztlich habe es einen Flächenzuwachs von 20 Prozent gegenüber der Auslobung gegeben, weil einiges nicht wie eigentlich geplant im Bestand umgesetzt werden könne. Daher müssen im Neubau ein zusätzliches Treppenhaus, weitere Technikflächen und Sanitäranlagen errichtet werden.

Anforderungen des Denkmalschutzes machen Umplanung notwendig

Besondere Kostenaufwände erfordern außerdem die Ertüchtigung des Dachstuhls und der Bau des Stuhllagers mit Hubbühne unter dem Veranstaltungssaal, das allein mehrere Hunderttausend Euro kosten wird. Anforderungen des Denkmalschutzes machen die Umplanung und Verlegung verschiedener Räume notwendig. Darüber hinaus, so Junkers, sei die Vorgabe der Auslobung für die Baunebenkosten zu niedrig gewesen, und auch eine jährliche Baukostensteigerung von zwei Prozent müsse eingerechnet werden.

Konkrete Kostenberechnung soll bis Dezember stehen

In den nächsten acht Wochen wird noch die Bewertung der Bauteilöffnung vorgenommen, danach soll bis Ende November eine konkrete Kostenberechnung erfolgen. Die Hoffnungen der Planer sind, dass sich die neun Millionen Euro als standhaft erweisen. Zusätzliches Geld werden die Bestuhlung und die technische Grundausstattung kosten. Über dem Umfang des Equipments will man sich mit den Eutiner Kulturschaffenden abstimmen.

Im Juni 2022 soll die Baumaßnahme fertig sein

Wie geht es nun weiter? In den nächsten Monaten wird noch ein detailliertes Nutzungskonzept erstellt. Künftig sollen in den Schlossterrassen nicht nur Theateraufführungen, Bälle und Konzerte stattfinden, sondern auch Sitzungen, Tagungen und Messen. „Wir planen, Ende das Jahres den Bauantrag und den Fördermittelantrag für das Projekt zu stellen. Im Sommer 2021 könnten die Ausschreibungen beginnen. Im Juni 2022 wäre die Maßnahme fertig“, erläuterte Simone Handschuhe vom Bauamt.

Die Schlossterrassen fehlen schmerzlich als Veranstaltungszentrum

Das Fazit von Bürgermeister Behnk am Ende der Sitzung: „Es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass diese Schlossterrassen schmerzlich fehlen – wir brauchen sie als Veranstaltungszentrum. Aber ein denkmalgeschütztes Gebäude zu ertüchtigen, ist nicht mit dem Standard zu machen, die Kosten lassen sich nicht auf Heller und Pfennig vorhersagen. Wir sollten jetzt zügig arbeiten, damit die Kosten nicht noch höher werden.“ Stimmen für einen Baustopp gab es in der Sondersitzung nicht. vg

 

 

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