Ausstellung über Flender

Neue Sonderausstellung im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk

Unter dem Titel „Das, was von Flender übrig bleibt“ hat das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk eine neue Sonderausstellung eröffnet. Noch bis Ende September können sich Interessierte über den Mythos Flender informieren. Zusammengetragen hat der Fotograf und Künstler Rainer Wiedemann als Kurator der Ausstellung zahlreiche Fotografien, Zeichnungen, Modelle und Informationen zu den in Lübeck gebauten Schiffen, die heute noch auf den Weltmeeren unterwegs sind, und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen.

Was ist eigentlich dran an dem Mythos Flender?

Liegt es an den Umständen, wie das Aus für die Werft im Jahr 2003 kam? Unbestritten beschäftigt diese Insolvenz nach wie vor die Lübecker noch heute und es handelt sich um ein regionales Trauma der jüngst vergangenen Geschichte der Hansestadt, wie Museumsleiterin Dr. Bettina Braunmüller betätigt.

Aber auch etwas anders befördert diesen Mythos. „Viele im handwerklichen Bereich tätigen Lübecker haben einmal ihre Lehre bei Flender absolviert und denken nostalgisch, ja teils sogar liebevoll an die Ausbildungszeit und die dortige Kameradschaft zurück“, erklärt die Museumsleiterin. „Oft erzählten Museumsbesucher auch von ihrer Vergangenheit bei Flender.“

Das bestätigt auch einer der Zeitzeugen, Jernej Skulj, der im Jahr 1973 als studierter Schiffbauer aus dem damaligen Jugoslawien nach Lübeck zu Flender kam. Während der Schiffsbauflaute 1976 musste er den Job wechseln und arbeitete unter anderem bei der Schlichting Werft. 1980 bekam er dann das Angebot wieder zu Flender als zweiter Mann im Konstruktionsbüro zurück zu wechseln. „Da ich Flender, den Betrieb und die Betriebsleitung sehr gut kannte und diese Werft mir mehr am Herzen lag als die Schlichting Werft, nahm ich das Angebot an“, erzählt er und ergänzt: „Zum Glück hatte ich gewechselt, denn bei der Schlichting Werft gingen bald mit einer Insolvenz die Lichter aus.“

Flender ist heute noch auf den Meeren vertreten

„Mit großer Wehmut berichten Alt-Flenderaner davon, wie tolle Schiffe von der Werft noch heute auf den Weltmeeren fahren“, berichtet Wiedemann. Er ist Sammler von Flender-Artefakten und seit Jahrzehnten leidenschaftlich bemüht, die Werft nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit dieser Ausstellung möchte der Kurator dazu beitragen, dass von dieser für Lübeck bedeutenden Werft noch lange etwas in den Köpfen der Lübecker Bürger und in den Archiven zur Industriegeschichte Lübecks hängen bleibt.

Auch Bettina Braunmüller ist das als Leiterin des Industriemuseums im Norden Lübecks ein Anliegen. „Unser kleiner Ausstellungsraum in der Dauerausstellung kann dies leider nur in sehr begrenzter Form leisten.“, sagt sie. Um so mehr freue sie sich über diese Sonderausstellung und dankt dem Kurator für dessen großes Engagement und die viele Arbeit, die er in die Ausstellung und das Begleitbuch investiert habe. Ein Dank geht auch an die Possehl Stiftung für die finanzielle Förderung der Ausstellung, ebenso an den Förderverein des Museums.

Zeigen einer der Exponate der neuen Sonderausstellung im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk zum Thema „Das, was von Flender bleibt“: Kurator Rainer Wiedemann und Museumsleiterin Dr. Bettina Braunmüller. Anja Hötzsch

 

 

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