Alle Covid-19-Patienten des UKSH aus Frankreich wieder in der Heimat

Am Dienstag hieß es Au Revoir am UKSH

Alle Patientinnen und Patienten aus Frankreich, die im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wegen ihrer schweren Covid-19-Erkrankung behandelt wurden, konnten in ihre Heimat zurückkehren. Am 19. Mai, nach sieben Wochen intensivmedizinischer Versorgung, wurde der letzte der sechs französischen Patienten am Campus Kiel entlassen. Er wurde heute Mittag auf dem Flughafen Hohn verabschiedet, ein Flugzeug der Luxembourg Air Ambulance, eine auf Patiententransporte spezialisierte Fluggesellschaft, brachte ihn zurück ins Elsass.

„Wir haben die erschütternden Berichte über unsere Kolleginnen und Kollegen im Elsass gesehen“, sagt Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH. „Mit Dankbarkeit, dass Schleswig-Holstein von einem Leid dieses Ausmaßes verschont geblieben ist, empfinden wir die Unterstützung unserer französischen Nachbarn als selbstverständliches Gebot der Menschlichkeit und des europäischen Zusammenhalts in diesen herausfordernden Zeiten. Ich bedanke mich bei allen betreuenden Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften, die mit hohem Mitgefühl und großem Verantwortungsbewusstsein nicht nur unsere französischen Gäste, sondern bislang 97 an Covid-19 erkrankte Patientinnen und Patienten versorgt haben.“

Eine weitere Patientin schon seit Ende April wieder zurück in Frankreich

Im französischen Mulhouse und Colmar waren die Krankenhäuser aufgrund der Pandemie an die Grenzen ihrer Kapazitäten gestoßen. Am 31. März folgte das UKSH einem Aufruf des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministers, Dr. Heiner Garg, und nahm je drei beatmungspflichtige Covid-19-Patientinnen und -Patienten am Campus Kiel und am Campus Lübeck auf. Die erste der Patientinnen und Patienten aus Frankreich war bereits am 21. April genesen und konnte vom Campus Kiel aus die Heimreise antreten.

Prof. Dr. Derk Frank, leitender Oberarzt der Klinik für Innere Medizin III mit den Schwerpunkten Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin, der die Covid-19-Patienten aus Frankreich am Campus Kiel betreut hatte, sagt: „Die Aufnahme der französischen Patienten in Kiel hat das ganze pflegerische und ärztliche Team der Intensivstation vor große Herausforderungen gestellt. Angefangen bei der Sprachbarriere gegenüber Patienten und Angehörigen bis hin zur besonderen Fürsorge nach Beendigung der Beatmung. Schließlich hat keiner der elsässischen Patienten erwartet, an der Ostseeküste zu erwachen. Entsprechend sind wir nun als Team sehr glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir jetzt auch den letzten an Covid-19 erkrankten Patienten nach Frankreich zurückverlegen konnten. Der Patient hatte mit einem sehr schweren Krankheitsverlauf zu kämpfen. Die aktuellen Entwicklungen geben jedoch zur berechtigten Hoffnung Anlass, dass er sich weitgehend von der Erkrankung wird erholen können.“

Freude und Dankbarkeit

„Ich bin froh, dass unsere Patienten aus Frankreich alles gut überstanden haben“, sagt auch Prof. Dr. Maria Deja, Leiterin der Sektion Interdisziplinäre Operative Intensivmedizin, Campus Lübeck. „Ich habe mich gefreut, dass sie zu uns kamen und wir helfen konnten. Wir haben dabei etwas über die Verläufe dieser neuen Krankheit gelernt. Von dieser Erfahrung werden unsere Patienten aus Schleswig-Holstein ebenfalls profitieren.“ Darüber hinaus seien Freundschaften zwischen den Pflegekräften und den französischen Familien entstanden. „Wir standen in einer täglichen Telefonverbindung mit den Angehörigen, die immer wieder ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht haben.“

„Wir sind stolz, dass wir den Covid-19-Patientinnen und -Patienten aus Frankreich helfen konnten. Die Datenlage zeigt, wie ungünstig der Verlauf bei schwer Erkrankten sein kann. Die Genesung der Patienten spricht daher für die Hingabe unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Team zu diesem guten Ergebnis beigetragen haben“, ergänzt Dr. Tobias Graf, Leiter der Intensivstation der Medizinischen Klinik II, Campus Lübeck.

Einer der Patienten, der am Campus Lübeck behandelt wurde, schrieb jetzt in einer E-Mail an die Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte, die ihn versorgt hatten: „Ich möchte mich persönlich bei Ihnen und allen anderen Mitarbeitern der Abteilung bedanken. Sie haben eine super Arbeit gemacht und ich verdanke es Ihnen, dass ich noch am Leben bin. Meine Frau hat Ihre Professionalität sehr geschätzt – Sie haben sie stets auf dem Laufenden gehalten, unabhängig davon, ob es gute oder schlechte Neuigkeiten zu meinem Zustand gab. Nochmals ein großes Dankeschön an Sie und das gesamte Team.“ (Aus dem Französischen übersetzt)

Auch von offizieller Seite erfuhr das UKSH hohe Anerkennung. Der französische Generalkonsul in Hamburg, Laurent Toulouse, schrieb angesichts der Genesung des sechsten Patienten aus Frankreich: „Die Aufnahme von französischen Coronapatienten in Kiel und Lübeck hat das menschliche Antlitz von Europa gezeigt. Dafür waren keine Vertragsverhandlungen erforderlich. Mitten in der Krise zeigte sich: Die Solidarität in Europa geht nicht zugrunde, sie ist fest verankert und wartet nur darauf sich ausdrücken zu dürfen. Hiermit möchte ich dem UKSH und der Landesregierung in Kiel die Dankbarkeit Frankreichs übermitteln.“

Foto: UKSH

 

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