Studenten und Co. an der Spargelfront auf dem Liensfelder Landhof

Ende März hatte Landwirt Jan-Henning Wülfken vom Liensfelder Landhof noch mit Skepsis auf die bevorstehende Spargelernte geschaut: Wegen der Corona-Krise fehlten die eingespielten Erntehelfer aus Osteuropa – wie sollte er das Edelgemüse von den Feldern kriegen? Mit Schülern, Studenten und Kurzarbeitern ohne jegliche Erfahrung im Spargelstechen? Er hat das Experiment notgedrungen gewagt – und ist begeistert: „Ich bin total positiv überrascht. Alle Erntehelfer sind hoch motiviert, und niemand ist bisher wieder abgesprungen“, sagt Wülfken. Und nach zehn Tagen Arbeit sei auch bei der Erntequalität kein Unterschied mehr zu den Vorjahren festzustellen.

Quereinsteiger holen täglich bis zu 800 Kilo Spargel vom Feld

Seit drei Wochen holen ein, zwei vertraute Mitarbeiter aus Polen und etwa ein Dutzend Quereinsteiger täglich zwischen 500 und 800 Kilo Rohware vom Feld. Die Neulinge wurden zwei Tage lang eingearbeitet und haben durch ein Lehrvideo Anschauungsmaterial erhalten. „Wenn man nicht zwei linke Hände hat, ist das fix zu erlernen“, sagt Fabian Eggert. Der Malenter hat gerade sein Studium abgeschlossen und war auf der Suche nach einem Praktikumsplatz. „Das ist zurzeit natürlich aussichtslos. Die Arbeit auf dem Bauernhof ist eine gute Alternative – auch wenn das Spargelstechen sehr auf den Rücken geht. Aber jeder findet eine Technik, um das Problem abzufedern.“

„Das macht viel Spaß, ist aber harte Arbeit – das muss man abkönnen“

Auch Joris Jähn aus Wöbs hat lieber etwas zu tun als Daumen zu drehen. Der Klempner wartet aufs Studium und war gerne bereit, bei der Ernte mitzuhelfen. „Das macht super viel Spaß, ist aber auch harte Arbeit – das muss man schon abkönnen“, meint Jähn. Mächtig stolz ist Jan-Henning Wülfken auch auf einige Schülerinnen, die bisher die Verkaufsstände betreut haben und jetzt im Wechsel auch bei der Ernte helfen.

Bürger besinnen sich wieder auf regionale Produkte

Dass sich die Menschen in der Krise verstärkt auf Produkte aus der Region besinnen, macht Wülfken Hoffnung, glimpflich aus der Corona-Zeit herauszugehen. „Viele Kunden steuern verstärkt unseren Hofladen und unsere Verkaufsstände an“, sagt der Landwirt, der auch viele Gastronomie- und Einzelhandelsbetriebe zwischen Bosau, Heiligenhafen und der Lübecker Bucht beliefert. „Schon wegen des Außer-Haus-Verkaufs war unsere Ware gefragt. So richtig los geht’s aber, wenn nächste Woche die Restaurants wieder öffnen dürfen.“ Rechtzeitig vor Pfingsten, dem Höhepunkt der Spargelsaison. vg

 

Die neuen Hilfsarbeiter Joris Jähn (rechts) und Fabian Eggert (links) zum Beispiel haben den Dreh beim Spargelstechen schnell raus gehabt. (Foto: Graap)

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