Treue Kunden, dankbare Verkäufer – aber fehlende Touristen

Seit Montag haben viele Geschäfte in Lübeck wieder geöffnet. Teilweise gab es einen Run auf die Läden

Seit Montag dürfen viele Lübecker Geschäfte wieder öffnen. Das freut die Inhaber, aber auch die Kunden. Aber es gibt auch Sorgen: Die Touristen fehlen.

Desinfektionsstationen und Hinweisschilder

„Nach einem Monat des Stillstandes waren wir hocherfreut, dass es wieder losgehen konnte“, sagt Werner Große, Inhaber von Manchester Große in der Königstraße. „Mit Elan“ hatten sich sein Team und er am Wochenende vor der Wiedereröffnung vieler Lübecker Läden um die Umgestaltung des Ladens gekümmert, um den neuen Hygienevorschriften gerecht zu werden. So wurden Laufwege mit unübersehbaren Pfeilen auf dem Boden markiert, Hinweisschilder gedruckt und Mundschutz für die Mitarbeiter organisiert.

Werner Große: „Man spürt die Erleichterung“

Große hat Desinfektionsstationen eingerichtet, ein Plexiglas-Hustenschutz wurde im Kassenbereich installiert. Jeder Kunde, der das Geschäft betritt, hat am Eingang die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. „Am Montagmorgen war dann erst einmal die Freude groß, die Kollegen und letztendlich auch die Kunden wiederzusehen“, sagt Werner Große. „Der erste Tag lief zuerst etwas schleppend an. Die Kunden kamen aber sehr gezielt zu uns, und sie haben meist mehrere Teile gleichzeitig gekauft – meist blaue Jeans“, sagt der Unternehmer. Modische Frühlingsbekleidung sei hingegen weniger gesucht. „Die Kunden verhielten sich alle sehr diszipliniert und freundlich. Sie hielten die Abstandsregeln von sich aus ein. Man spürte die Erleichterung, dass das normale Leben ein Stück weit wieder starten konnte“, so Große.

Treue Kunden, Spannung und Emotionen

Bei Regine Pluschke, Inhaberin des Fachgeschäftes für Rasierer, Linkshandartikel und Schneidwaren in der Wahmstraße, waren Spannung und Emotionen im Spiel: „Gleich am Montagmorgen waren die ersten Kunden schon da“, sagt Pluschke. „Am Abend waren mein Team und ich förmlich aufgeladen mit positiver Energie und Freude.“ Viele ihrer Stammkunden seien gekommen, hätten mit respektvollem Abstand draußen gewartet und seien „vorbildlich“ einzeln ins Geschäft gekommen. Den ganzen Tag hörte Pluschke vor allem diesen Satz: „Schön, dass Sie wieder geöffnet haben. Halten Sie durch. Wir bleiben Ihnen treu.“ Pluschke: „Teilweise war ich fast zu Tränen gerührt.“ Für den Schutz ihres Teams hatte die Chefin Ganzgesichtsschutz-Schilder organisiert. „Damit können uns die Kunden besser erkennen, und wir besser atmen“, so das erste Fazit Pluschkes mit dieser anderen Form des Atemschutzes. Und was haben die ersten Kunden so gekauft? „Die Nachfrage nach Haarschneidern war besonders groß“, so eine hoffnungsvolle Pluschke. „Wenn wir alle gemeinsam diese Zeit achtsam durchleben, schaffen wir es, diese Krise zu überwinden.“

5000 Meter Gummibänder

Armin Möller, Geschäftsführer von Wolle & Hobby in der Fleischhauer Straße, zeigt sich zufrieden: „Wir haben einen Ansturm erlebt, den wir so nicht erwartet haben“, sagt Möller. Die Beschränkung auf 80 Kunden ist für ihn kein Thema. So viele Kunden haben wir selbst in der Saison nicht. Gleichwohl war der Ansturm groß: „Das große Thema sind die Atemschutzmasken“, so der Geschäftsführer. Entsprechend hoch die Nachfrage nach Stoffen, Drähten und Gummibändern. Möller und sein fünfköpfiges Team haben sich gerüstet: „Momentan gibt es kaum noch Gummibänder. Wir haben rechtzeitig 5000 Meter geordert“, fühlt sich der Chef des Kreativladens gewappnet. Einen bevorzugten Stoff für eine Maske gebe es übrigens nicht, sagt Möller. „Baumwolle ist gut geeignet, und geht auch gut im Verkauf“, so Möller. Viele Kunden setzten auf Standardfarben. Auch die hat Möller schon bestellt.

Es fehlen die Touristen in der Stadt

Beim Traditionsgeschäft Schuh Hoffmann in der Hüxstraße ist die Stimmung trotz der Öffnung getrübt: „Uns fehlen jetzt natürlich auch die Touristen“, beklagt Senior-Chef Fritz Hoffmann. Seit mehr als 70 Jahren steht der Name Hoffmann in Lübeck und Umgebung für modische Damen- sowie Herrenschuhe in exzellenter Qualität. Kunden schätzen unter anderem das breit gefächerte Sortiment. „Und das muss bezahlt werden“, sagt Hoffmann

Verkauf mit Masken: Silvy Jerzi (v. l.), Werner Große und Liane Peters. Fotos: Rüdiger Jacob

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