Wegen der Corona-Krise: Eutiner Festspiele sagen 70. Saison ab

Jetzt ist es amtlich: Die Eutiner Festspiele haben nach dem Stopp des Kartenvorverkaufs nun endgültig die Reißleine gezogen und die komplette Spielzeit abgesagt. Im Jahr 2020 wird es keine Oper, kein Musical und kein Konzert auf der Seebühne geben. Die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung hatten sich heute darauf verständigt, Großveranstaltungen bis Ende August zu verbieten.

„Zu unserem größten Bedauern können auch wir Sie nicht mit dem Thema Corona verschonen: Erstmals seit 1951 sehen wir uns gezwungen, alle für den Sommer geplanten Vorstellungen auf der Seebühne abzusagen“, teilt die Geschäftsführung mit. Und weiter: „Wir haben bis zuletzt gehofft, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen. Doch noch weiß niemand, ab wann öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen staatlich wieder erlaubt sind. Und welche behördlichen Vorgaben dafür gelten werden. Nun lässt uns die eigene Verantwortung für das Wohlergehen unserer Gäste, KünstlerInnen und MitarbeiterInnen keine Wahl mehr.“

Besonders schmerzhaft, weil Vorverkauf bestens lief

Das ist besonders schmerzlich, da neben der künstlerischen Vorbereitung auch der Vorverkauf bestens lief: 12 500 Karten sind gebucht, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Trend versprach erneut eine tolle Saison mit mehr als 35 000 Festspiel-Besuchern. „Ungeachtet der neuen rechtlichen Optionen sind wir entschlossen, aus Kulanz allen Kunden einen Wertausgleich für bereits gekaufte Karten anzubieten. Denn nichts ist für die Festspiele wichtiger als Ihr Vertrauen!“, so die Verantwortlichen.

2021 sollen „Der Freischütz“ und die „West Side Story“ zu sehen sein

Mehr denn je sind die Eutiner Festspiele, die finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind oder es je waren, jetzt jedoch auf die Unterstützung der Zuschauer angewiesen. Denn die gemeinnützige Gesellschaft finanziert sich zu 85 Prozent aus den Kartenerlösen, nur 15 Prozent des Aufwandes werden durch öffentliche Zuschüsse gedeckt. Der Appell der Festspiel-Macher ans zahlende Publikum lautet deshalb: „Bleiben Sie bitte fest an unserer Seite, damit wir getrost für die nächste Saison ein Jubiläumsprogramm mit Webers Oper ,Der Freischütz‘ und Bernsteins Musical ,West Side Story‘ planen können.“ Bereits gekaufte Karten werden gegen Erstattung des Preises zurückgenommen. Die Festspiele bitten aber darum, stattdessen erworbene Tickets in Gutscheine umzuwandeln – oder: „Höchst willkommen ist“, so Geschäftsführer Falk Herzog, „in dieser Zeit natürlich die Bereitschaft von Kunden, ihr Kartengeld aus Solidarität den Festspielen ganz oder teilweise zu spenden.“

Ministerpräsident bittet darum, den Festspielen die Treue zu halten

Darum bittet auch der Schirmherr der Festspiele, Ministerpräsident Daniel Günther – „damit wir alle in den kommenden Jahren wieder wunderbare Momente in der Opernscheune und auf der Seebühne erleben können.“ Weiter erklärt Günther: „Es tut mir in der Seele weh, dass die Festspielsaison 2020 abgesagt werden muss, auch wenn ich die Entscheidung der Festspiel-Leitung für richtig und erforderlich halte. Die Eutiner Festspiele haben ihren festen Platz in Schleswig-Holsteins Kulturlandschaft und bieten Opern, Musicals und Konzerte auf hohem Niveau. Umso wichtiger ist es mir, dass die Eutiner Festspiele durch diese schwere Zeit kommen. Ich appelliere an alle Freunde und Gäste der Eutiner Festspiele, dieser großartigen Bühne weiterhin die Treue zu halten.“

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