Interview mit Carsten Behnk: Was kann sich Eutin nach der Krise noch leisten?

In Zeiten von Corona hat sich die Welt verändert. Die Wirtschaft liegt zurzeit am Boden – auch in Eutin. Was bedeutet das für die Finanzen der Stadt und für die viel zitierte Multiprojektlage? Der Wochenspiegel hat Bürgermeister Carsten Behnk befragt.

Kann sich Eutin alles, was geplant ist, noch leisten? Allein der Umbau der Wisser-Schule wird ja knapp 34 Millionen Euro kosten.
Natürlich werden auch wir als Kommune, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise spüren. Wir haben bereits Anträge auf Steuerstundungen vorliegen. Diese werden jeweils im Einzelfall geprüft. Das wird sich auch definitiv auf unseren Haushalt auswirken. Was das im Detail für einzelne Projekte bedeutet, kann man zurzeit noch nicht sagen. Das werden wir gemeinsam mit der Politik beraten.

Wie hoch schätzen Sie den Rückgang der Einnahmen für die Stadt Eutin allein im laufenden Jahr ein?
Es ist nicht an uns in diesem Bereich zu spekulieren oder zu schätzen. Wir beobachten die Entwicklung täglich und werden die Sachlage zu gegebener Zeit beurteilen und dann entsprechend darauf reagieren.

Müssen Bauvorhaben jetzt auf den Prüfstand? Wäre es realistisch, keine Abstriche zu machen?
Die laufenden Projekte werden weiter vorangetrieben, soweit möglich. Wir wollen die Baumaßnahme Rosengarten in diesem Jahr beenden. Die Ausschreibung für die weiteren Planungsleistungen zur Sanierung der Wilhelm-Wisser-Schule ist gerade angelaufen. Ob es durch die Pandemie zu Verzögerungen bei Abläufen oder Projekten kommt, ist im Moment noch nicht absehbar. Klar ist, je länger die kritische Lage andauert, desto wahrscheinlicher sind auch Auswirkungen auf unsere hiesigen Projekte.

Kann man noch die Sanierung von Königstraße und Marktplatz verantwortungsvoll durchziehen, wenn das mit Einschnitten für die ohne gebeutelten Fachgeschäfte verbunden ist?
Das ist natürlich ein Punkt über den man jetzt nachdenken sollte. Der Handel ist extrem betroffen. Diese Frage werden wir zügig mit der Kommunalpolitik diskutieren.

Wie sieht es mit der Historischen Reithalle aus, deren Sanierungskosten ja offensichtlich regelrecht explodiert sind? Wie hoch sind die Kosten, von denen die Stadtverwaltung hier zurzeit ausgeht?
Zur Reithalle haben wir einen gesonderten Bauausschuss geplant, um dort ausführlich zu informieren. Dieser soll im Mai stattfinden. Ursprünglich waren die Kosten mit rund fünf Millionen Euro angesetzt. Diese Zahl war ein geschätzter Wert aus dem ISEK-Prozess (Integriertes Stadtentwicklungskonzept). Diese Zahl ist natürlich mit dem Raumprogramm und der Baupreissteigerung der letzten Jahre nicht mehr zu halten. Dazwischen lagen der Wasserschaden und die Nachbesserungen an der Planung wegen der Feinabstimmung mit dem Denkmalschutz.

Gehen Sie noch davon aus, dass die Eutiner Festspiele in diesem Jahr über die Bühne gehen können? Wenn nicht, was bedeutet das für die Zukunft der Festspiele und den geplanten Tribünen-Neubau im Schlossgarten, für den die Fördermittel nun gerade beisammen sind?
Das operative Geschäft obliegt den Festspielen selbst. Wir stehen fest zu unseren Festspielen, unterstützen den Tribünen-Neubau massiv und werden uns auch darüber hinaus einbringen. Die Zukunft hängt jetzt von den weiteren Entwicklungen in der Corona-Krise ab. Vg

 

Auch der Eutiner Bürgermeister Carsten Behnk hält jetzt Video-Konferenzen ab. (Foto: hfr)

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