Wenn es zu Hause eng wird…

Auch in Pandemie-Zeiten gilt das Recht auf Gewaltfreiheit. Frauenberatungsstellen und Notrufe sichern Beratung und Unterstützung für Betroffene

Die zunehmenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens sind für alle gleich. Ungleich sind aber die Auswirkungen, die daraus für Frauen erwachsen: Für diejenigen, die von sexualisierter und häuslicher Gewalt betroffen sind, stellt die Isolation zu Hause eine Bedrohung dar. „Die aktuellen Schutzmaßnahmen und die Ungewissheit sind für alle Menschen eine große Herausforderung, die in manchen Familien zu mehr Anspannungs- und Konfliktpotential führen kann. In Familien, in denen Gewalt ohnehin an der Tagesordnung ist, erwarten wir weitere Eskalationen,“berichtet Katharina Wulf vom Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein e.V. (LFSH).

Die Frauenberatungsstellen und Notrufe in Schleswig-Holstein kennen die Sorgen und Nöte, die mit der Einschränkung sozialer Kontakte und drohenden Ausgangssperren verbunden sind. Deshalb bieten sie weiterhin telefonische und digitale Beratungen an. „Es steht außer Frage: Wir beraten weiter,“ erklärt Katharina Wulf. „Mehr Privatheit bedeutet nicht, dass rechtsfreie Räume entstehen. Frauen haben das gleiche Recht auf Gewaltfreiheit während einer Pandemie wie im Alltag. Insofern gilt: Zögern Sie nicht, sich an die Beratungsstellen zu wenden, wenn Sie Gewalt erleben oder sich bedroht fühlen. Nehmen Sie Ihr Recht in Anspruch. Wir werden Sie damit nicht alleine lassen. Gemeinsam finden wir eine Lösung.“

Jede und jeder Einzelne könne dazu beitragen, sexualisierte und häusliche Gewalt zu verhindern, betont Katharina Wulf. „Seien Sie aufmerksam. Wenn Sie in ihrem Umfeld, durch Nachbarn, Freunde oder Familienangehörige von Bedrohung oder Gewalt erfahren, verweisen Sie auf unsere Angebote. Das kann Türen öffnen und den Betroffenen Mut machen, Hilfe anzunehmen.“ Frauenfachberatungsstellen und Notrufe finden sich unter www.lfsh.de/beratungsstellen. Sie beraten kostenfrei und die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Darüber hinaus bietet das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr telefonische Unterstützung unter 08000/116 016.

Weitere Infos

Der Frauennotruf Lübeck bietet auch in der aktuellen Situation Beratung für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen ab 14 Jahren an.
Es gibt jedoch folgende Änderungen:
Die Öffnungszeiten fallen bis auf weiteres aus.
Telefonisch ist der Frauennotruf weiterhin zu den üblichen Sprechzeiten erreichbar:
Mo., Mi., Do., Fr. von 9 bis 13 Uhr,
Di. und Do von 16 bis 18 Uhr unter Telefon 0451/70 46 40
Betroffene können auch per E-Mail unter kontakt@frauennotruf-luebeck.de Kontakt aufnehmen.
In Ausnahmefällen können persönliche Beratungsgespräche nach Terminabsprache stattfinden.
Weitere Meldungen auf www.frauennotruf-luebeck.de

Für Frauen, die von sexualisierter und häuslicher Gewalt betroffen sind, stellt die Isolation durch die Corona-Krise oft eine zusätzliche Bedrohung dar. Foto: sdecoret – stock.adobe.com

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