Lübeck bekommt Seehund-Aufzucht-Anstalt

Liebe Leserinnen und Leser, Ihr vermutet ganz richtig: Natürlich handelt es sich hierbei um einen Aprilscherz. Viele Grüße! Eure Redaktion

Als vor gut einem Jahr die Meldung durch die Medien ging, dass sich im Lübecker Fischerdorf Gothmund an der Trave ein Seehund aufhält, war die Aufregung nicht nur bei den Lübeckern groß. Schließlich ist der Meeressäuger normalerweise eher in der Nord- und Ostsee anzutreffen, nicht aber im Binnenland. Auch an den Lübecker Jägern ist diese Meldung nicht spurlos vorbeigegangen – ganz im Gegenteil. „Wir konnten sehen, dass der Seehund sehr anpassungsfähig ist und gut mit den speziellen Bedingungen im Binnenland klarkommt“, sagt Wulf-Heiner Kummetz, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Lübeck.

Station soll wenige Kilometer südlich von Lübeck entstehen

Vor allen Dingen konnte beobachtet werden, dass Seehunde ausgesprochen gerne dem Nutria nachstellen. Der Nutria, im Volksmund auch Biberratte genannt, ist eine invasive, also eingebürgerte Nagetierart und lebt an Ufern von Seen, Flüssen, Teichen und Bachläufen. Seinen Ursprung hat der Nutria in Südamerika. Als Pelztier kam er einst nach Europa und hat sich dann – ungewollt – auch in Deutschland massiv ausgebreitet. Mittlerweile gefährdet der Nager durch seine an den Ufern befindlichen Bauten massiv den Hochwasserschutz.

Dieser Tatsache möchte die Lübecker Kreisjägerschaft nun entgegenwirken und hat das Projekt „Seehunde-Aufzucht-Anstalt“ angeschoben. „Wir sind mit den Vorbereitungen bereits sehr weit, die Entwicklung der Idee hat fast ein Jahr gedauert“, sagt Kummetz, der zukünftige Anstaltsleiter. Auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb, wenige Kilometer südlich von Lübeck gelegen, ist bereits alles vorbereitet. „Wir haben reichlich Becken für die Heuler, Quarantänestationen und einen Untersuchungsraum für die Tiere. zudem ist eine ehemalige Tierpflegerin aus der Seehundeaufzuchtstation Friedrichskoog eingestellt worden, die sich um die Meeressäuger kümmern wird.“

Bis zu 30 Heuler können aufgepäppelt werden

Der Anstaltsleiter rechnet mit bis zu 30 Tieren, die in der ersten Saison aufgepäppelt und dann wieder ausgewildert werden sollen. Die Heuler werden von den Halligen, Inseln und Nordseestränden direkt per Flugzeug zum Flughafen Blankensee verbracht, wo sie dann einen fünfminütigen Fahrtweg bis zur Station haben werden. „Der Transport soll so tierschutzgerecht wie möglich stattfinden“, betont Kummetz. Auch Meerwasser soll es in den Becken geben. Dafür wurde eine Spedition beauftragt, die täglich mit einem Tankwagen Ostseewasser nach Lübeck fährt.

Der Grund für den Standort Lübeck ist relativ einfach erklärt: „Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass sich Seehunde auch in Binnengewässern ausgesprochen wohlfühlen. Da wir gesehen haben, wie gerne Seehunde auch Nutria fressen, werden wir bereits die Jungtiere auf das Fangen der Biberratten konditionieren. Genau das ist das Konzept unserer Aufzucht. Wir möchten die Seehunde nämlich in unseren heimischen Flüssen und Seen etablieren und mit deren Hilfe für einen natürlichen Hochwasserschutz, vor allen Dingen in den Küstenregionen, sorgen“, so Kummetz.

Seehunde sollen auch in die Wakenitz gesetzt werden

Im zehnköpfigen Projekt-Team, das die Seehunde-Aufzucht-Anstalt von fachlicher Seite unterstützt, sitzen übrigens Meeresbiologen, Biologen, Tierärzte und Zoologen. Im ersten Jahr wird der Elbe-Lübeck-Kanal als Auswilderungs-Gewässer genutzt. „Wir versprechen uns von diesem Kanal die bestmöglichen Überlebenschancen für unsere jungen Seehunde. Zudem können sie sich über den Elbe-Lübeck-Kanal auch bestens verbreiten. Denn Ziel ist ja nicht nur die Auswilderung, wir möchten eine stabile Binnenland-Population aufbauen.“ Die Kreisjägerschaft Lübeck rechnet damit, dass so in den kommenden zehn Jahren bis zu 500 Binnenland-Seehunde in und um Lübeck beheimatet sein könnten. Für die Folgejahre sind Gewässer wie der Ratzeburger See, der Sehlendorfer Binnensee, die Eider oder die Wakenitz geplant.

„Dieses einmalige Naturschutzprojekt bietet nicht nur unserer Tierwelt neue, positive Aspekte im Sinne der Artenvielfalt. Während wir mit einheimischen Tieren invasive Arten zurückdrängen, bieten wir neuen Tierarten einen wunderschönen Lebensraum. Davon wird auch der Tourismus stark profitieren.“

Finanziert werden soll das Projekt zunächst aus Spendengeldern. „Unsere Vorstellungen gehen aber schon in die Richtung, dass dieses nachhaltige Projekt in Zukunft aus Haushaltsmitteln der Hansestadt Lübeck und dem Land Schleswig-Holstein getragen wird“, sagt Wulf-Heiner Kummetz. Wann die ersten Seehunde per Flugzeug kommen, steht noch nicht fest. Die Kreisjägerschaft rechnet aber damit, dass Anfang Juni die ersten Heuler in Lübeck eintreffen werden.
Der Öffentlichkeit wird die neue Seehunde-Aufzucht-Anstalt übrigens erstmal nicht zugänglich gemacht. „Noch steht die Infrastruktur nicht ganz. Sobald wir aber die Verkehrs- und Parkplatzsituation mit der Stadtplanung geregelt haben, geht unsere Homepage mit Veranstaltungskalender und Fütterungszeiten online. Geplant ist auch ein Streichelzoo mit Seehunden, die aufgrund zu schwerer Verletzungen nicht mehr ausgewildert werden können.

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