Heiko Gerstmann verzichtet auf zweite Amtszeit

Entgegen bisheriger Aussagen will Reinfelds Bürgermeister nicht erneut kandidieren

Das war eine Überraschung für die Bürger von Reinfeld: Vergangenen Donnerstag hatte Bürgermeister Heiko Gerstmann bekanntgegeben, für eine zweite Amtszeit zur Bürgermeisterwahl, die für den 17. Mai vorgesehen ist, nicht mehr antreten zu wollen.

Die vergangenen Jahre und vor allem die letzten Monate waren nicht einfach für Heiko Gerstmann. Der Kreis Stormarn hatte der Stadt die finanziellen Daumenschrauben angelegt. Nur Pflichtaufgaben durften erfüllt werden. Dringend erforderliche Maßnahmen wie die Sanierung der maroden Sportplätze oder die Digitalisierung der Schulen mussten wie viele andere Projekte auf Eis gelegt werden. Auch wenn dem Verwaltungschef in vielen Fällen die Hände gebunden waren, hatte die Politik schnell einen Sündenbock gefunden: Und der hieß für die meisten Heiko Gerstmann.

„Ich bin manchmal daran verzweifelt, dass das Miteinander mit der Politik nicht geklappt hat“, sagt Heiko Gerstmann. Anstand und Wertschätzung seien ihm immer wichtig gewesen. Dazu gehöre auch, weder die Politik noch andere öffentlich zu kritisieren. „Ich ziehe nun einen Schlussstrich und habe kein Interesse daran, Öl ins Feuer zu gießen, sondern hoffe, dass wir in meinen letzten Dienstmonaten konstruktiv handeln und in Würde miteinander umgehen, um das Beste für Reinfeld zu erreichen.“

Er sei nicht nur Bürgermeister gewesen, sondern auch ehrenamtlicher technischer Leiter der Stadtwerke, was zeitweise viel Kraft gekostet habe. Dennoch: „Ich war gerne Bürgermeister von Reinfeld und habe ein tolles und engagiertes Mitarbeiterteam hinter mir gehabt. Inzwischen steht die Verwaltung deutlich besser da, als noch vor einigen Jahren. Der Politik bin ich dankbar, dass sie den zusätzlichen Stellen zugestimmt hat, damit die Verwaltung wieder handlungsfähig ist“, sagt der Bürgermeister.

Die Entscheidung habe er mit seiner Familie abgeklärt. „Sie befürwortet diesen Schritt“, sagt Gerstmann. Zu dem Entschluss sei er nach einem Zusammentreffen mit anderen Bürgermeistern gekommen, von denen zwei in einer ähnlichen Situation gewesen seien wie er. Auch sie hätten den Rückhalt der Politik verloren, hätten daraus ihre Konsequenzen gezogen und hätten sich gegen eine zweite Amtszeit entschieden. Pensionsansprüche würde er dadurch nicht verlieren.

Seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin wünsche er eine glücklichere Hand, die gesetzten Ziele zu erreichen. Mit dem amtierenden Kämmerer des Amtes Nordstormarn, Roald Wramp und der Zollbeamtin Rose Mary Wolgast gibt es derzeit zwei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 17. Mai. Die Amtszeit von Heiko Gerstmann endet am 11. September 2020.

Bürgermeister Heiko Gerstmann überraschte mit seiner Ankündigung: Er tritt für eine zweite Amtszeit nicht mehr an. Petra Dreu

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