Die Damen von Kaiser‘s Kaffee

Mit der feinen Gebäckzange serviert Eveline Hojenski ihrer Bekannten die süße Leckerei. „Noch von Kaiser‘s Kaffee“, sagt die 84-Jährige und zeigt der Inge Hoffmann das kleine Erinnerungsstück. Beide sprechen über das nächste Treffen der „Kaiser‘s Damen, die sich jeweils im Frühjahr und Herbst im Wiener Café verabreden. Dann heißt es oft: „Weißt du noch, damals?“ Aus den vielen Erinnerungen werden schnell Geschichten und es gibt immer viel zu lachen.

Dabei war „damals alles viel strenger als heute“, erzählt Eveline Hojenski aus ihrer Lehrzeit, die 1952 bei Kaiser‘s Kaffee in der Hüxstraße begann. „Nach Feierabend mussten wir den Fußboden wischen und bohnern. Vor 22 Uhr kam ich nicht aus dem Laden und hatte noch weit zu Fuß nach Hause zu gehen.“ Das Kaffeegeschäft gehörte zu einer Ladenkette, die auf die Gründung von Hermann Kaiser 1880 in Viersen/ Nordrhein-Westfalen zurückgeht. Es gab frisch gemahlenen Kaffee, Tee, Kleingebäck und lose Bonbons. „Unsere Ladenkasse war eine einfache Holzschublade unter dem Tisch. Die Registrierkassen kamen erst später“, erinnert die Seniorin. „Bekamen die Kunden überraschend Besuch, haben wir auch 25 Gramm Kaffee gemahlen. In jedem Kaiser‘s  trugen Lehrlinge wie Angestellte stets saubere blaue Kittel mit weißem Kragen. „1955 wurde das Geschäft zum ersten kleinen Konsumladen mit größerem Sortiment erweitert“, erzählt die Lübeckerin von der Wirtschaftswunderzeit. Nun gab es bei Kaiser‘s auch Mehl, Zucker, Wurstwaren, Schinken und Käse.

„Musste Ware nachbestellt werden, schoben wir einen Handkarren zu zweit zum Bahnhof, um Mehl, Zucker und Kaffee in großen Säcken abzuholen“, schildert die Lübeckerin die körperlich schwere Arbeit. Im kleinen Lager wogen sie anschließend alles ab und befüllten Papiertüten mit akkurater Faltung. „Schnell Kaffee kochen, Schröder kommt“, hieß es, wenn die monatliche Gehaltszahlung anstand und Postbote Schröder um die Ecke kam.

Neben dem Konsum in der Hüxstraße gab es später noch eine Filiale in der Beckergrube und eine in der Moislinger Allee (heute Mix-Market). Dort wurde Eveline Hojenski später Filialleiterin. Als Ehefrau und Mutter blieb sie später zuhause.

Inge Hoffmann hat ihre Lehre bei Kaiser‘s ab 1960 in Timmendorfer Strand absolviert. „Wir hatten schon richtige Kassen zum Tippen“, sagt die 78-Jährige lachend. Sie erinnert sich noch gut an die Sechs-Tage-Woche und die Sonntage, an denen sie in der Filiale an der Ostsee arbeitete.

„Die rote Kaffeekanne auf kreisrunden Karton ist bei unseren Treffen immer dabei“, erzählt sie. Darauf haben alle unterschrieben, die regelmäßig teilgenommen haben.

Die Idee zum Kaiser‘s Kaffee-Treffen ist vor Jahren unverhofft im Flugzeug entstanden: Dort sahen sich zwei Kolleginnen nach Jahren zufällig wieder und verabredeten sich. Später setzten sie sich gemeinsam daran, die Ehemaligen von damals ausfindig zu machen. Manche lebten schon nicht mehr, mussten sie leider feststellen. Seit 2004 findet das regelmäßige Treffen statt. Darauf, dass die Verabredung im April aus weltweitem aktuellem Anlass ausfallen wird, haben sich die Damen bereits eingestellt. Bleibt ihnen bis dahin nur eine gute Gesundheit zu wünschen. mpa

Foto: Die rote Kaffeekanne als Logo Logo und die silberne Zange für zarte Süßigkeiten von Kaiser’s Kaffee: Inge Hoffmann und Eveline Hojenski gehören zum Treff der ehemaligen Mitarbeiterinnen des feinen Kaffeegeschäftes und ersten SB-Marktes in Lübeck. MPA

 

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