Neuer Bildband: Buntekuh aus luftiger Höhe

„Jetzt links, links, ja, noch weiter links“: Bernard Mende zoomt mit ruhiger Hand und fotografiert aus etwa 300 Metern Höhe, während der Pilot das Sportflugzeug routiniert steuert. Der pensionierte Grund- und Hauptschullehrer weiß über die Jahre genau, welche Perspektive für seine Luftbilder notwendig ist. Pilot Karl-Heinz Brenner bringt die Maschine in die gewünschte Position, bis die Fotos bei dem 77-jährigen Groß Grönauer „im Kasten“ sind. Die Herren sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team.

Druckfrisch liegen mit den Luftbildern aus Buntekuh fotografische Eindrücke in Form eines neuen Bildbandes vor. Bevor es in die Luft ging, hat er Karten eingesehen und kopiert, intensiv recherchiert und markante Gebäude markiert. Nur Moisling fehlt noch, dann hat Mende alle Lübecker Stadtteile aus der Vogelperspektive abgebildet. „Im Sommer geht es wieder los“, verrät er, und freut sich schon, erneut in luftige Höhen zu steigen. Aufregung oder Ängste kennt er nicht. „Petrus muss mitspielen, vor allem das Licht sollte stimmen“, sagt er. Dabei geht es ihm immer „um eine möglichst große Lichtausbeute.“ Das sei jeweils mittags ab 21. Juni am günstigsten. Dann gibt es die kürzesten Schatten. Quellwolken hingegen „sind lästig“, weiß er. „Eine halbe Stunde später und eine dichte Bewölkung ist da.“

Im neuen Bildband von Buntekuh mit Straßen, Plätzen, Wohnbebauung, dem Grün an der Trave bis hin zum Herrenholz und dem Gutshof Padelügge gibt es einiges zu betrachten. Dazu sind die Angaben unter jedem Foto der Bildbände sehr informativ. Spannend sind die Luftbilder, die die zahlreichen Neubauten und die in den ersten Jahren noch karge Umgebung von 1968 dokumentieren. Im Vergleich dazu die Fotos aus 2018 und 2019, die neben all den Veränderungen auch das Grün, das in den vergangen 50 Jahren gewachsen ist, sichtbar machen. Neben den Hochhäusern und Wohnblöcken sind Bahnlinien, große Gewerbeflächen und das Verlagshaus der Lübecker Nachrichten und dem Wochenspiegel zu sehen.

Start seiner ersten Fotoarbeiten aus der Vogelperspektive war bereits 1963. Da ist er über die Halligen geflogen. Eine aufregende Sache gab es dann 1968: „Für mein Examen zur zweiten Staatsprüfung hatte ich ein Thema gewählt, für das ich Luftbilder von Schlutup benötigte“, erinnert Mende sich. Doch damals durften keine Sportflugzeuge in der Nähe der ehemaligen DDR-Grenze fliegen. Es gelang dem angehenden Lehrer jedoch, mit dem Bundesgrenzschutz bei einem Erkundungsflug mitzufliegen. So sind damals seine ersten Luftbilddias von allen Lübecker Stadtteilen entstanden, die er bei Fertigstellung seiner Bildbände nach seiner Pensionierung den aktuellen Luftbildaufnahmen gegenüberstellte. Mit den Vergleichsfotos aus den späten 68ern spiegelt er die Veränderungen der vergangenen fünf Jahrzehnte. „Die Entwicklung ist immer enorm“, bestätigt der leidenschaftliche Fotograf die vielfältigen Unterschiede. Neben vielen Interessierten hat kürzlich sogar ein Finne bei ihm zwei Bildbände von St. Lorenz Nord und Süd per Mail bestellt. Was Mende erst einmal erstaunte, jedoch auch noch einmal mehr in seiner Arbeit bestätigte.

Nach der noch ausstehenden Ausgabe von Moisling setzt sich Bernard Mende bestimmt noch nicht zur Ruhe. Er möchte noch weitere Pläne für Fotos und Bildbände schmieden. Das könnten auch Aufnahmen von Groß Grönau sein, verrät er Augen zwinkernd. Spätestens wenn erneut das Telefon bei Karl-Heinz Brenner klingelt, wird es weitergehen. mpa

Der neue Bildband von Buntekuh ist erhältlich:
Presse- und Tabakshop Höhne im Citti Park, Herrenholz 14
Tabak-Shop Kreutzfeldt in Kücknitz, Kücknitzer Hauptstraße 13
Schlüssel-Garber in 23552 Lübeck, Schmiedestraße 29

Foto: Bernhard Mende mit seinem neuen Bildband. Foto: MPA

Kommentar hinterlassen zu "Neuer Bildband: Buntekuh aus luftiger Höhe"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*