Landrat Sager: „Mein Eindruck – Schleswig-Holstein ist gut gerüstet“

Der Coronavirus hat die Welt in die Krise gestürzt. Besondere Verantwortung kommen jetzt den Kreisen und ihren Gesundheitsämtern zu. Der Wochenspiegel hat den Ostholsteiner Landrat Reinhard Sager dazu befragt.

Bei der Präsentation des Kreisbuches am 4. März haben sich die meisten Gäste noch die Hand gegeben, obwohl am Eingang des Kreishauses bereits Hinweise angebracht waren, dies zu vermeiden. Haben wir alle die Gefahr unterschätzt?

Es gab auch da schon viele, die auf das Händeschütteln – wie empfohlen – verzichtet hatten. Ich würde nicht sagen, dass wir alle die Gefahr unterschätzt haben. Wohl aber, dass man in ganz Deutschland seit vielen Wochen unendlich viel dafür tut, die Infektionsketten zu durchbrechen und die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Täglich werden Infizierten-Statistiken veröffentlicht. Aber was sagen sie aus, wenn man sie nicht in Relation zu den durchgeführten Tests setzt? Können Sie sagen, wie viele Tests im Kreis Ostholstein bis dato durchgeführt worden sind?

Unser Bestreben ist es, vorrangig bei symptomatischen Patienten einen Abstrich durchführen zu lassen. Wir wissen aber auch, dass die Testung asymptomatischer Personen durchaus zu einem positiven SARS-CoV-2 Nachweis führen kann. Aufgrund der momentan sehr hohen Belastungssituation in den Laboren ist eine vorherige Selektion medizinisch notwendiger Abstriche erforderlich. Wir müssen daher Prioritäten bei der Auswahl der zu untersuchenden Patienten treffen, um das System vor weiteren Belastungen zu schützen. Die von Ihnen erwähnte Relation positiver Nachweise zur Anzahl der durchgeführten Tests würde aufgrund unser Herangehensweise zu keiner fundierten Aussage führen. Somit bleibt uns zur Bewertung der Lage und weiteren Entwicklung die Anzahl positiver Nachweise.
Über die Gesamtanzahl der im Kreis Ostholstein durchgeführten Tests, können wir keine Angaben machen. Die momentanen Abstriche erfolgen unter anderem über die niedergelassenen Ärzte, über die Anlaufpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein sowie über die Krankenhäuser. Eine Gesamtstatistik über die durchgeführten Tests wird dabei nicht geführt.

Das Coronavirus hat wahrscheinlich auch Ihren Arbeitsalltag komplett verändert. Mit welchen Problemen und Themen müssen Sie sich zurzeit beschäftigen? Und wie arbeiten Sie in Zeiten von Corona- mit Telefon- und Videokonferenzen?

Der Kreis ist unter anderem zuständig für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Derzeit richten wir alles darauf aus, gemäß Infektionsschutzgesetz und weiterer Vorschriften unsere Bevölkerung zu schützen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten unheimlich viel. Ja, wir arbeiten viel mit Telefonkonferenzen, mit iPad und Handy zusätzlich, um alles zeitgerecht bewältigen zu können. Das betrifft natürlich auch mich als Landrat.

Als Präsident des Deutschen Landkreistages sind Sie jetzt ebenfalls besonders gefordert. Zum Beispiel wenn es um die Diskussion geht, Kompetenzen beim Infektionsschutz von Kommunen und Ländern auf den Bund zu übertragen …

Das stimmt. Deutschland hat einen föderalen Staatsaufbau und wird somit dezentral verwaltet. Dies ist auch gut so, weil man so viel besser auf örtliche, regionale Besonderheiten eingehen kann und das Gesundheitsamt sozusagen ein Gesicht hat. Dies sollten wir nicht ändern. Schon gar nicht während einer Krise, in der man bekanntlich die Pferde nicht wechseln sollte.

Wie gut sind die Krankenhäuser in Ostholstein auf die Pandemie eingestellt? Was wurde konkret getan, um sich für die Krise zu rüsten?

Alle Krankenhäuser tun derzeit ihr Möglichstes. Unter der Regie des Gesundheitsministeriums wird vorgesorgt, genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte vorhalten zu können. Mein Eindruck ist, Schleswig-Holstein ist gut gerüstet. vg

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