Buddenbrookhaus erhält Thomas-Mann-Briefe

Frank Bornemann übergab sie als Schenkung an das Museum

Dem Buddenbrookhaus wurden zwei Originalbriefe Thomas Manns übergeben. Die Schenkung erfolgte durch Frank Bornemann, den Enkel von Erich Ott, welcher im Jahre 1949 einen Briefwechsel mit dem zu jener Zeit noch im amerikanischen Exil befindlichen Literaturnobelpreisträger führte. Ott, Verlagsgründer in Leipzig und später Landtagsdirektor in Schwerin, hatte darin Thomas Mann zur Goethefeier am 28. August 1949 eingeladen, was zu jener Zeit, in der Mann in Deutschland noch hochumstritten war, durchaus Brisanz besaß.

Die beiden Briefe Thomas Manns an Ott geben Aufschluss über seine politische Einschätzung der Lage im Jahre 1949; Mann lehnt darin den Besuch seiner Heimat ab mit den Worten, die Verhältnisse dort seien nach wie vor zu „verworren, als das ein persönlicher Besuch in der Heimat mir gegenwärtig vernünftig und versprechend erschiene; aber dass das deutsche Schicksal mich tief bewegt und beschäftigt, heute wie all diese Jahre, ist wohl eine Selbstverständlichkeit.“

Des Weiteren schrieb er, „es war nicht zu erwarten, dass so kurze Zeit nach der furchtbaren Katastrophe, in die böse Abenteurer Deutschland geführt, schon Erholung und eine ausgeglichene Geistesverfassung dort walten würden. Solcher Genesung ist auch der allgemeine Weltzustand wenig günstig, der einen Krisenzustand schwerer Übergangs- und Anpassungsnöte und heftiger idiologischer Spannungen ist.“ Tatsächlich reiste Thomas Mann dann im Sommer 1949 doch nach Deutschland und bewusst auch in den Osten – allerdings nach Weimar statt nach Leipzig. Gut möglich, dass ihn Erich Ott dort noch persönlich hörte.

Dieser Briefwechsel gewinnt umso mehr an Bedeutung, wenn man weiß, dass es sich bei Erich Ott um einen ehemaligen KZ-Häftling handelte, was Mann jedoch unbekannt war. Ott, der zeitweise in Sachsenhausen inhaftiert war, nahm nach 1945 eine Führungsposition bei der Leipziger Zeitung ein und wurde dann Landtagsdirektor in Schwerin. Für den Antifaschisten Ott war es, so zeigen es die Briefe, ein bewusstes „Statement“, den Exilanten Thomas Mann einzuladen.

Diesem als „wahrem Dichter“ und „Autorität“ hatte er in seinem ersten Brief geschrieben: „Wenige erkannten, dass Sie einst Deutschland mitnahmen ins Exil, daß Ihre Stimme, die uns einst durch den Äther erreichte, Deutschlands Stimme war – und daß, wenn von Heimkehr die Rede wäre, im Gegenteil wir Deutschen heimzukehren hätten in jenes Deutschland, das Sie repräsentieren. Nun, wir sind auf dem Wege.“

Die beiden wertvollen Briefe Thomas Manns sowie die Abschrift des Briefes von Erich Ott an den Schriftsteller sind fortan im Besitz des Buddenbrookhaus-Archivs, das für die Dauer des Umbaus des Buddenbrookhauses im Zeughaus untergebracht ist. Einer der beiden Briefe wird nach der Wiedereröffnung voraussichtlich im Jahre 2023 Einzug in die neue Dauerausstellung halten.

Frank und Evelyn Bornemann mit Museumsleiterin Dr. Birte Lipinski (r.). Foto: Ulf-Kersten Neelsen

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