Große Ausstellung in Eutin zeigt repräsentativ den „ganzen Barlach“

Der Name ist Programm: Unter dem Titel „Der ganze Barlach“ eröffnet das Eutiner Ostholstein-Museum am Schlossplatz 1 am Sonntag, 1. März, um 11.30 Uhr eine Ausstellung, die einen Überblick über das Werk des Künstlers Ernst Barlach (1870-1938) gibt. In diesem Jahr wird der 150. Geburtstag des berühmten Bildhauers, Zeichners und Dramatikers gefeiert.

43 Plastiken sowie 105 Zeichnungen und Grafiken werden präsentiert

Schon vor zwei Jahren war die „Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg“ an das Kreismuseum mit dem Wunsch einer Kooperation herangetreten. Museumsleiterin Dr. Julia Hümme ahnte da noch nicht, dass das erste Projekt die zentrale Geburtstagsausstellung zum Barlach-Jubiläum sein würde. Um so glücklicher ist sie jetzt, den „ganzen Barlach“ zeigen zu dürfen. „Und dafür steht quasi auch das ganze Haus zur Verfügung. Die 43 Plastiken sowie 105 Zeichnungen und Grafiken präsentieren wir auf unseren Ausstellungsflächen im Erd- und im Dachgeschoss“, so Hümme. Ergänzt werden die Exponate durch Zitate und Briefe, die die schriftstellerischen Leistungen Barlachs würdigen.

Barlachs Kunst soll die Betrachter im Innersten berühren

„Angesichts des Umfanges von Barlachs Wirken, bleibt die Ausstellung ausschnitthaft, aber dennoch repräsentativ“, meint Kurator Dr. Jürgen Doppelstein, Vorsitzender der Barlach-Gesellschaft. „Vielleicht erscheinen die Arbeiten zunächst etwas eintönig, denn viel Sensation, Farbe oder Schnörkel gibt es nicht. Nichts soll von der eigentlichen Aussage ablenken“, erläutert der Experte. „Den ästhetischen Reiz entwickelt jede Figur aus sich heraus. Jede Figur erzählt eine Geschichte davon, wie sich Menschen in bestimmten Situationen verhalten“, so Doppelstein. Die Schlichtheit erlaubt es, den Figuren direkt in die Seele zu sehen. Ob das fluchende Weib, der Mann in Ketten oder der schwebende Engel von Güstrow – jedes Werk steht für sich und transportiert etwas Geistiges. Barlachs Kunst soll die Betrachter im Innersten berühren.

Nazis stuften den Künstler und sein Werk als „entartet“ ein

Ernst Barlach, der 1870 in Wedel geboren wurde, gehört zu den herausragenden Vertretern des deutschen Expressionismus. Seinen unverkennbaren Stil pflegte der Künstler seit einer ausgedehnten Reise nach Russland im Jahr 1906. Feierte Barlach bereits nach dem Ersten Weltkrieg große künstlerische Erfolge, so wuchsen die Schwierigkeiten für ihn mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Bauern und Bettler, die schlichten und singenden, die trinkenden und betenden, die stillen und zweifelnden Gestalten Ernst Barlachs passten nicht in die NS-Kulturideologie. Ab 1933 wurden die großen öffentlichen Ehrenmale Barlachs abgebaut oder zerstört, hunderte seiner Arbeiten aus Museen und Galerien beschlagnahmt und der Künstler als „entartet“ eingestuft.

Umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung

Der Barlach-Kosmos kann bis zum 7. Juni im Ostholstein-Museum erlebt werden. Ein umfangreiches Programm mit Führungen, Vorträgen und Workshops begleitet die Schau. Auch Lesungen sind in Planung. Alle Termine sind auf www.oh-museum.de zu finden.

 

Kurator Dr. Jürgen Doppelstein präsentiert im Dachgeschoss des Ostholstein-Museums eine Replik des berühmten schwebenden Engels von Güstrow. (Fotos: Graap)

 

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