Galeristin Anja Es plant „Trauerfeier für die Kunst“ in Timmendorfer Strand

„Die Künstlerin Anja Es ist heute nicht anwesend“, stellte Bürgermeister Robert Wagner vergangenes Wochenende bei seiner Neujahrsansprache in der Trinkkurhalle fest. Die Travemünderin betrieb in dem denkmalgeschützten Gebäude lange Zeit eine Galerie. In Abwesenheit dankte Wagner nun der Künstlerin „für neun Jahre Partnerschaft“ und berichtete: „Frau Es geht zum März 2020 zurück nach Travemünde“. Allzu verwunderlich ist das Fernbleiben der Künstlerin nicht, dann sie geht nicht freiwillig: Die Gemeinde hat andere Pläne für das Gebäude. Doch wer Anja Es kennt, weiß, dass sie nicht leise gehen wird: „Wir tragen die Kunst in der Trinkkurhalle zu Grabe“, kündigt sie an.

Kunden seien über neues Konzept „relativ fassungslos“

Ihre Kunden seien „relativ fassungslos, weil das, was hierher soll, natürlich überhaupt nicht vergleichbar ist“, sagt Anja Es. „Ne Tourist-Info mit Kinkerlitzchen und Wanderausstellung von Günter Grass plant der Bürgermeister“, stellt sie wenig begeistert fest. Die Künstlerin lädt die Besucher ihrer Galerie nun „auf ein letztes, schräges Fest“ in die gläserne Rotunde nach Timmendorfer Strand ein. Einen „Trauerkranz für die Kunst“ hat sie schon besorgt – und auch ein echter Sarg, in dem „die Kunst zu Grabe getragen wird“, ist bereits bestellt.

Das „schräge“ Fest findet am 1. Februar statt

Weiter soll es einen Chor, Livemusik mit „kleinen, bösen Liedern“, eine Grabrede und eine Kranzniederlegung geben. „Auch die Totengräber der Kunst werden berücksichtigt“, schreibt Anja Es in der Vorankündigung ihrer Performance. Ohne allerdings darauf einzugehen, wer damit gemeint ist. Wer beim letzten Auftritt von Anja Es in ihrer Timmendorfer Galerie dabei sein möchte: Dieser findet am Sonnabend, 1. Februar, um 14 Uhr in der Trinkkurhalle von Timmendorfer Strand statt. Um schwarze Kleidung wird gebeten …

Ausstellungen über Günter Grass und die Buddenbrooks

Bürgermeister Robert Wagner verriet derweil auf dem Neujahrsempfang schon einmal, wie es weitergehen soll mit dem Gebäude: „Wir sind hier an einer Stätte, die sich in diesem Jahr noch einmal neu entwickelt“, kündigte er an. „Denn die Trinkkurhalle soll 2020 erstmalig für Wanderausstellungen genutzt werden. Wir beginnen in Kooperation mit der Hansestadt Lübeck mit der Günter-Grass-Ausstellung. Und im Jahr 2021 sollen die Buddenbrooks folgen. Bürgermeister Jan Lindenau und ich sind bestrebt, zukünftig noch mehr im Bereich von Kunst, Kultur und Literatur zusammenzu- arbeiten.“ HN

 

Anja Es mit Trauerkranz. Sie will in ihrer ehemaligen Galerie „die Kunst zu Grabe tragen“. (Foto: HN)

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