Glück im Unglück

Vier Mietparteien wurden in der Silvesternacht durch den schweren Brand obdachlos

Es war eigentlich nur ein Mülltonnenbrand, in dessen Folge jedoch ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus in der Lübecker Straße in der Silvesternacht unbewohnbar wurde. Eine hat es besonders schwer getroffen: Theresa B. hat ihre gesamte Habe bei dem Brand verloren. „Das ging so schnell, innerhalb von wenigen Minuten hat es in meiner Wohnung gebrannt“, erzählt die junge Frau, immer noch sichtlich geschockt von den Ereignissen der Silvesternacht, die ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt haben. Die Lüftungsanlage am Haus habe wie ein Kamin gewirkt. „Die Feuerwehr hat uns gesagt, dass es eine Minute später schon zu spät gewesen wäre aus der Wohnung zu kommen.“

Zum Glück ist niemandem etwas passiert

Sie und ihre Mutter hatten den Jahreswechsel gemeinsam verbracht und wollten gegen 1.20 Uhr ins Bett gehen. „Ich habe das Rollo hochgezogen, um das Fenster zu öffnen“, sagt Mutter Rita B., die ausnahmsweise bei ihrer Tochter übernachten wollte. „Da schlugen mir schon die Flammen entgegen.“ Schnell eine Jacke übergezogen, die beiden Katzen gegriffen und nichts wie raus aus der Wohnung. Die Flammen hatten da schon auf die Abstellkammer und das Schlafzimmer übergegriffen. Draußen wurden sie von einer Flammenwand empfangen.

Zusammen mit den anderen Mietern wurden sie in einem Stadtwerkebus versorgt. „Wir sind den Rettungskräften unendlich dankbar für ihre Hilfsbereitschaft“, sagt Rita B.. Auch bei der späteren Schreckbegehung für Theresa B. war die Feuerwehr sehr mitfühlend. „Da konnte ich noch wichtige Papiere retten.“ Sie hat ansonsten alles verloren, kam zunächst in der Wohnung ihrer Mutter unter. Mittlerweile konnte sie eine möblierte Wohnung anmieten.

Unterstützungsaktion für die Betroffenen

Nachbarin Lena-Sophie Ueck, die in der Wohnung darunter ebenfalls von dem Brand betroffen ist, hat eine Unterstützungsaktion für Theresa B. auf Facebook gestartet. An der Hauswand hat sie einen Hinweis auf ein Spendenkonto aufgehängt. „Wenn alle Passanten und Schaulustigen etwas geben würden, wäre ja schon sehr geholfen“, meint die junge Logopädin.

Mittlerweile hat Theresa B. eine große Welle der Hilfsbereitschaft erlebt. „Eine Frau, ich kenne sie nur als Heike, hat mich komplett neu eingekleidet“, ist sie überglücklich. Auch Möbel, Geschirr und andere Sachspenden hat sie bereits erhalten. „Unsere Gesellschaft ist doch toller, als man denkt“, sagt sie dankbar. Ihr Dank gilt vor allem Heike, aber auch im Namen der Hausgemeinschaft an Katharina, Saskia und Uschi sowie Anja, Mutter eines Feuerwehrmanns. Und noch ein positives Resultat: „Unsere Hausgemeinschaft ist noch stärker zusammengewachsen, es ist eine Freundschaft entstanden.“

Einen ganz wichtigen Tipp hat Theresa B. für Notfälle: „Wichtige Papiere sollten unbedingt in feuerfesten Behältern aufbewahrt werden. Bei mir war es viel Glück, dass der Schrank mit den wichtigen Papieren nicht dem Brand oder dem Löschwasser zum Opfer gefallen ist“. Selbst Lena-Sophie Ueck, die für solche Fälle eine Notfalltasche gepackt hat, rät dazu: „Ich habe in der Aufregung einfach vergessen, sie zu greifen und mitzunehmen.“

Hintergrund zum Brand

Die Alarmierung erfolgte gegen 1.20 Uhr in der Silvesternacht. Nach bisherigen Ermittlungen durch die Kriminalpolizeistelle Bad Schwartau und des LKA ist ein Unterstand für Mülltonnen zwischen zwei Häusern in der Lübecker Straße 6 ausgebrochen. Am Einsatz waren die Freiwilligen Feuerwehren Bad Schwartau-Rensefeld, Groß Parin, Stockelsdorf und Mori beteiligt sowie die Logistikgruppe der Johanniter Unfallhilfe aus Lübeck zur Versorgung der Rettungskräfte. Gegen 5 Uhr morgens war das Feuer unter Kontrolle, um kurz vor 7 Uhr wurde Feuer aus gemeldet.

Das LKA ermittelt weiter – sowohl eine technische Ursache als auch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung können nicht ausgeschlossen werden. Bislang wird von einem Schaden am Gebäude von mindestens 500 000 Euro ausgegangen. Das Gebäude wird zurzeit entkernt, die Wiederherstellung wird mindestens ein halbes Jahr dauern.

Ein Spendenkonto hat Lena-Sophie Ueck für Theresa B. eingerichtet. Wer gern helfen möchte, damit die junge Frau noch ein paar persönliche Dinge anschaffen kann, sollte sich mit Lena-Sophie Ueck über Facebook in Verbindung setzen.

Um Haaresbreite an der Katastrophe vorbei: In der mittlerweile ausgeräumten Dachgeschosswohnung von Theresa B. wird das ganze Ausmaß begreifbar. Foto: Anja Hötzsch

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