Lehrer lernen Wiederbelebung

Dräger-Stiftung finanziert die Anschaffung von Trainingspuppen

Nur die eigenen zwei Hände und die richtige Technik – mehr braucht es gar nicht, um ein Menschenleben zu retten. Es dreht sich um die Herzdruckmassage, eine spezielle Wiederbelebungstechnik, in der sich jetzt 13 Lübecker Lehrer haben schulen lassen. Die Dräger-Stiftung hat die Anschaffung nötiger Klassensätze an Trainingspuppen bezahlt. Geschult wurden die Lehrkräfte in Kooperation mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung (GRC) und dem Institut für Notfall- und Rettungsmedizin des UKSH.

13 Lübecker Schulen machen mit

Für Daniel Gurewitsch, Teamleiter des Schulsanitätsdienstes an der Thomas-Mann-Schule und ausgebildeter Sanitätshelfer bei der Johanniter-Unfall-Hilfe, ist das Thema nicht neu. Sein Fazit der Aktion: „Das war eine rundum gelungene Fortbildungsveranstaltung. Sie ist das Wichtigste, was einem beigebracht werden kann, da es um Leben und Tod geht“, so Gurewitsch. Pro Jahr sollen jetzt 4000 Schüler des siebten bis zehnten Jahrganges in die spezielle Technik der Wiederbelebung eingewiesen werden.

Erste Hilfe kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden

„Ideal wäre es, wenn die Schüler die Übungspuppen auch mit nach Hause nehmen können, um auch dort zu üben“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rates für Wiederbelebung, Professor Bernd W. Böttiger, im Drägerforum. Dort fand die Übung für die Lehrer statt. „Es würden automatisch auch Familienangehörige an die Herzdruckmassage herangeführt“, so Böttiger.
Und das sind die Folgen einer richtig angewandten Druckmassage: Rippen, die sich über das Herz spannen, werden rhythmisch und kräftig nach unten gedrückt, und zwar so lange, bis Rettungssanitäter oder der Notarzt da sind. „Dadurch wird das mit Blut gefüllte Herz quasi ausgepresst“, wie der Notfallmediziner Gernot Rücker erklärt. „Damit können die Lunge, das Gehirn und das Herz durchblutet werden“, so Rücker. Das Wichtigste sei das Gehirn als die lebensnotwendige Zentrale, die Sauerstoff brauche. „Bereits nach zehn Minuten ohne Sauerstoffversorgung ist das Gehirn abgestorben“, sagt der Notarzt. Ein Wettlauf mit der Zeit also. Mit jeder Minute fehlender Wiederbelebung sinke die Überlebensrate um zehn Prozent. Gerade in ländlichen Gebieten, wo der Rettungsdienst nicht so schnell wie in der Stadt kommen könne, seien Wiederbelebungsmaßnahmen außerordentlich wichtig, so die Experten.

Die Aktion kommt gut an

„Wir danken der engagierten Initiative, dem UKSH für die personelle Begleitung und der Dräger-Stiftung für die Förderung“, sagte Lübecks Schulrat Helge Daugs. Auch er ließ sich an der Übungspuppe, dem Einsatz eines Defibrillators oder der Mund-zu-Mund-Beatmung ausbilden. Erstaunlich routiniert gab sich auch Firmenchef Stefan Dräger, der den Anweisungen der Experten perfekt folgte.

Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder hat auf Initiative des GRC und der deutschen Anästhesiologie empfohlen, Lehrbeauftragte als Trainer für Wiederbelebung auszubilden. Diese könnten in der Folge als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für Schüler agieren. „Ein Reanimationsbeginn durch Laien verdoppelt bis vervierfacht die Überlebensrate“, weiß Böttiger. „Nicht nur die Überlebensrate ist viel besser, sondern auch ganz wesentlich das neurologische Ergebnis, wenn Laien vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Herzdruckmassage beginnen“, sagt Böttiger.

Der Notarzt Gernot Rücker (v. l.), der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC), Professor Bernd W. Böttiger, Stefan Dräger, und Schulrat Helge Daugs. Foto: Rüdiger Jacob

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