Störtebeker & Konsorten: Piraten der Hansezeit?

Sonderausstellung ist bis zum 19. April 2020 im Europäischen Hansemuseum zu sehen

Mit „Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit?“ zeigt das Europäische Hansemuseum seit kurzem eine bis dahin einzigartige Sonderausstellung über die Piraterie zur Zeit der Hanse und in der Gegenwart. In diesem Zusammenhang kehrt die Legende von Störtebeker an ihren Entstehungsort zurück.
Ein bärtiger Kopf mit Augenklappe blickt auf die Straßen Lübecks: Das Logo der Ausstellung „Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit?“ im Europäischen Hansemuseum zeigt einen stilisierten Freibeuter.

Klischees, Mythen und Legenden prägen die Vorstellung von Piraterie: Dank Johnny Depp denken wir erst an Rum und Karibik, bei Störtebeker dann an den kopflosen Helden. Und wird heute vor Nigeria ein Schiff entführt, spricht die Presse von lebensgefährdender Kriminalität. Die neue Sonderausstellung im Burgkloster des Europäischen Hansemuseums geht dem Mythos der Piraterie auf den Grund. Wer war Störtebeker? Wer ist gut, wer böse? Und sprach man im Mittelalter überhaupt vom Seeraub?

Der Mythos kehrt zurück

Ausschmückungen prägen das landläufige Bild der Piraterie. Aber wer waren die „Vitalienbrüder“ und ihre Anführer wirklich? Gerade an einer Figur wie Störtebeker zeigt sich der Verlauf einer Legendenbildung. Aus den Quellen lassen sich viele Varianten des sogenannten „Robin Hood der Meere“ nachzeichnen. Den vielleicht wichtigsten Nachweis bietet eine im Burgkloster – das heute Teil des Europäischen Hansemuseums ist – ab 1416 verfasste Chronik des Lübecker Mönchs Hermann Korner (ca. 1386-1438). Etwa 500 Jahre nach der Entstehung kehrt diese Legende Störtebekers mit der Sonderausstellung an ihren Ursprung zurück.

Anhand von Einzelschicksalen der zur See tätigen Akteure zeichnet die Ausstellung ein exaktes Bild der Piraterie im Spätmittelalter. Die Biographien von Gödeke Michels, Bartholomäus Voet, Paul Beneke und anderen bilden den roten Faden durch die Ausstellung. Schiffsmodelle und das originale Rüstzeug der „Piraten“ und Piratenjäger werden als Exponate ausgestellt: Schwert, Kettenhemd, Dolch, Kanone – die jedoch nur selten bei der Güterwegnahme, dem „Seeraub“ zum Einsatz kamen.

Hansezeit und moderne Piraterie

Zum ersten Mal wagt eine Ausstellung die Gegenüberstellung der Piraterie im Nord- und Ostseeraum zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert mit den gegenwärtigen Formen der Piraterie etwa vor den Küsten Somalias und Nigerias. Hier werden Parallelen zwischen den Gewaltunternehmern der Hansezeit und der Gegenwart deutlich. In beiden Fällen gilt das Zitat des Journalisten Michael Scott Moore, der selbst Opfer einer Entführung durch Piraten wurde: „Piraterie ist eine Form des Kapitalismus: Es gibt die Financiers, die mächtigen Männer im Hintergrund. Und die Wächter, für die das ein Job ist.“ (Zeitmagazin). Moore wird am 20. Februar 2020 für eine Lesung ins Europäische Hansemuseum kommen.

Grösste Lübecker Piratenausstellung

„Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit?“ wurde mit einem jungen, maritimen Ausstellungsdesign im Europäischen Hansemuseum gestaltet. Das Konzept richtet sich auch an Familien: Anspruchsvolle Spiel-Stationen leiten Kinder durch die Ausstellung. In einer Koggen-Höhle kann gemütlich Piraten-Hörspielen gelauscht werden. Die Ausstellung wurde unter der Leitung der Historikerin Franziska Evers und mit der wissenschaftlichen Beratung von Dr. Gregor Rohmann realisiert. Zum wissenschaftlichen Unterbau der Ausstellung gibt das Europäische Hansemuseum einen Begleitband mit aktuellen Beiträgen zur „Gewalt auf See“ heraus.

Die Piraten-Ausstellung präsentiert sich in einem jungen, maritimen Design. Foto: Europäisches Hansemuseum/Olaf Malzahn

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