Der E-Punkt ist in Not

Die Landesmittel für die Lübecker Freiwilligenagentur werden eingestellt.

Keine Internet- und Telefonverbindung, die Türen verschlossen: Fünf Wochentage, um auf den Notstand aufmerksam zu machen, in dem sich der Lübecker Verein E-Punkt befindet, der seit zehn Jahren Ehrenamtliche berät und Bürgerengagement in der Hansestadt koordiniert. Die Landesmittel, die der gemeinnützige Verein für seine Arbeit in der Geflüchteten-Hilfe erhält, sind zum Teil auf Ende des Jahres befristet. „Uns gehen die finanziellen Mittel aus“, begründet Vereinsvorsitzender Peter Delius die drastischen Maßnahmen, während derer die Mitarbeiterinnen bei Netzwerkpartnern, Organisatoren und Unterstützern waren, um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen.

2009 gegründet, haben sich die Aufgaben des Vereins über die Flüchtlingshilfe hinaus erweitert. Als Impulsgeber für soziales Engagement berät E-Punkt Interessierte, die ein Ehrenamt suchen und nicht wissen, in welchem Bereich sie tätig sein wollen. Ehrenamtliche aus den jeweils in Frage kommenden Bereichen werden dazu geholt, um ihre für beide Seiten bereichernde Tätigkeit vorzustellen.

E-Punkt knüpfte in den vergangenen Jahren ein starkes Netzwerk, um Ehrenamt und Bürgerengagement zu fördern und zu unterstützen. Von Flüchtlingsengagement über Bildung, Soziales, Inklusion oder Kultur, Seminare und Vortragsreihen zu wichtigen Themen des Gesellschaft bis hin zum Nachbarschaftspreis reicht die Arbeit des Vereins inzwischen.

Dabei steht immer im Vordergrund, dass Ehrenamt für jeden etwas Gutes ist. „Selbst für Interessierte, die nicht gerne mit Menschen umgehen, gibt es ehrenamtliche Aufgaben, die diesen Menschen bereichern“, ist Delius begeistert.

Fünf Mitarbeiterinnen teilen sich 3,5 Stellen. Zwei halbe Stellen laufen noch ein Jahr, drei Mitarbeiterinnen müssten ihre Beschäftigung zum Jahresende aufgeben. „Mir blutet das Herz! Ich weiß, wie kompetent hier gearbeitet wird“, sagt Delius. Zudem habe E-Punkt einen hart erarbeiteten Ruf von Kompetenz. „Und Hauptamtliche wie Ehrenamtliche haben viel Zeit in diese intensive Arbeit investiert.“ Der Erfolg werde auch auf der Internetseite deutlich, die täglich mehr als 200 Mal besucht wird.

Im März machte Delius Bürgermeister Jan Lindenau auf die Situation des Vereins aufmerksam und legte ihm und den Mitgliedern des Sozialausschusses ein Konzept vor, das eine Tandem-Lösung zwischen Verwaltung und Verein beinhaltet. Danach könnte in Verwaltung wie Verein jeweils eine Stelle für die wichtigen Arbeiten der Freiwilligenagentur weitergeführt werden.

Bislang gibt es keine Antwort von Lindenau. Währenddessen denkt die CDU über eine Soforthilfe von 50 000 Euro nach. Die Linke spricht von 126 000 Euro, die die Stadt zur Verfügung stellen solle. Die Sozialpolitiker mehrerer Fraktionen wollen den Bürgermeister nun zur Sitzung des Sozialausschusses am 1. Oktober zitieren, um in dieser Sache weiterzukommen.

Eine Woche alles dicht:  Stine Nielandt, Kerstin Merk, Peter Delius, Parva Soudikani, Melanie Wienicke und Katja Nowroth (v. l)  sind betroffen vom Notstand ihres Vereins.  Foto: mpa

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