Zehnte Weinlese auf dem Malkwitzer Ingenhof

Weinanbau in Schleswig-Holstein? Was sich vor zehn Jahren noch wie eine Schnapsidee angehört hat, wirft heute lohnende Erträge ab. Das Weingut Ingenhof in Malkwitz feiert ein kleines Jubiläum. „2009 haben wir die ersten Reben gepflanzt, und jetzt sind wir mitten in der zehnten Weinlese“, freut sich Hofchefin Melanie Engel. Die Qualität der Trauben sei hervorragend, der Ertrag guter Durchschnitt. „Dieses Jahr werden wir wohl etwa 4000 Liter pro Hektar ernten.“

Nach dem Supersommer ein normales Erntejahr

Nach dem Supersommer 2018 warfen die Reben rekordverdächtige 6000 Liter, im Regenjahr 2017 nur 2000 Liter pro Hektar ab. „Insgesamt waren die Bedingungen für die Pflanzen auch in diesem Jahr richtig gut. Nur das Frühjahr war wegen des späten Frostes schwierig. Viele ganz junge Triebe sind dadurch erfroren“, berichtet Melanie Engel. Rund zehn Tage dauert der erste Teil der Lese. Zunächst sind die weißen Trauben an der Reihe. „Die Rotweintrauben brauchen noch etwas Sonne. Jeder Sonnentag treibt den Öchslewert und damit den Süßegrad der Trauben nach oben.“

Die Rebrechte hat Rheinland-Pfalz abgetreten

2008 hatte das Land Rheinland-Pfalz einige Hektar Rebrechte an Schleswig-Holstein abgetreten. „Wir haben uns um drei Hektar beworben, weil wir im Weinanbau eine große Chance für eine neue Ausrichtung unseres Hofes sahen, ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, erzählt Melanie Engel. Der Erdbeeranbau bleibt zwar größer Betriebszweig – ergänzt durch Himbeeren, Ackerbau, Feldcafé und Ferienwohnungen –, aber der Wein wird immer wichtiger. „Inzwischen haben wir auf weiteren 4,8 Hektar Reben gepflanzt und sind damit größtes Weingut in Schleswig-Holstein“, sagt die Landwirtin. Der Ingenhof, der im Herzen der Holsteinischen Schweiz liegt, verfügt über Südhänge mit 30 bis 35 Grad Neigung. „Normale Landwirtschaft wäre hier nicht möglich, für den Weinanbau ist das aber ideal.“

Zwei Drittel der Fläche für Weißwein reserviert

Gepflanzt hat der Ingenhof recht junge Rebsorten, die pilzresistent sind und früh abreifen. Aktuell sind zwei Drittel der Fläche für weiße Sorten reserviert: den fruchtigen Solaris und den Muscaris, ein frischer Wein mit Muskataromen. In Sachen Rotwein setzen die Malkwitzer auf den Spätburgunder-ähnlichen Cabernet Cortis und den kräftigen Regent. Weitere, vor allem weiße Sorten kommen ab 2020 hinzu, wenn die jungen Rebstöcke auf den Erweiterungsflächen erstmals Früchte abwerfen.

Weihnachten gibt es die ersten neuen Flaschen

Bis der Wein in die Flaschen kommt, dauert es übrigens gar nicht so lange: Gleich nach der Lese werden die Trauben „entrappt“, also maschinell vom Stielgerüst getrennt, und danach in einer Kelter gepresst. Der Saft wird in Tanks abgepumpt, mit Hefe versetzt und so der Gärungsprozess in Gang gebracht. „Nach zehn- bis 14-tägiger Gärung braucht der Wein Zeit zum Reifen. Vor Weihnachten werden wir dann die ersten Flaschen des neuen Jahrgangs anbieten können“, so Melanie Engel. Die Preise bewegen sich bei 8,50 Euro für Weißwein und zehn Euro für Rotwein. „Weinkenner haben ihre Scheu vor dem Nordwein abgelegt. Unser schleswig-holsteinischer Landwein hat viele Fans, und immer mehr Gastwirte werden auf ihn aufmerksam“, freut sich die Weinbauerin über den Erfolg ihres ganz besonderen Produktes.

Gefeiert wird das 10. Weinanbau-Jubiläum auf dem Ingenhof, Dorfstraße 19, in Malkwitz am jetzigen Sonnabend, 28. September, ab 13 Uhr mit Federweißer-Fest und Hofflohmarkt. Ab 18 Uhr spielt Mayck Eckel Livemusik.

 

Die Weinlese 2019 auf dem Ingenhof in Malkwitz läuft, und Melanie Engel freut sich über einen guten Ertrag, der im Mittel der Vorjahresernten liegt. (Foto: Graap)

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