Eine Leitstelle für den besseren Verkehrsfluss

Die Koordinierung der Maßnahmen soll zukünftig wesentlich verbessert werden

Eine Initiative der Stadt zur Verkehrsflussoptimierung und Koordination von Baumaßnahmen mit Unterstützung der Stadtwerke und Entsorgungsbetriebe soll Vorhaben aller Akteure im öffentlichen Verkehrsraum bündeln und transparenter gestalten. Eine neue Leitstelle soll mit Hilfe einer speziellen Software Maßnahmen digital abstimmen und planen.

Eines stellte Bausenatorin Joanna Hagen gleich klar bei der Infoveranstaltung in der Hanse-Schule vor Vertretern aus Politik, Verwaltung und Akteuren des öffentlichen Verkehrsraums: Es wird weiterhin Baustellen geben, um die Infrastruktur Lübecks zu erhalten, zu erneuern und auszubauen. Doch die Koordinierung der Maßnahmen soll zukünftig wesentlich verbessert und ganzheitlicher werden: nach dem Vorbild Hamburgs, wo eine Leitstelle die zeitgleich etwa hundert vorhandenen Baustellen koordiniert.

Auch in Lübeck soll für diese Abstimmungsprozesse eine neue Leitstelle geschaffen werden mit drei neuen Stellen, angesiedelt im Fachbereich Planen und Bauen und eng vernetzt mit der städtischen Öffentlichkeitsarbeit. Bürgermeister Jan Lindenau bezeichnete das Vorhaben als einen weiteren Baustein in der digitalen Strategie der Stadt, von dem er sich nicht nur Synergieeffekte verspreche, sondern eine „ressourcenschonende und transparent gestaltete Infrastruktur und Mobilitätsplanung“.

Massnahmen bündeln nach Hamburger Vorbild

Jeff Marengwa von der Stabstelle Verkehrsflussverbesserung des Hamburger Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) stellte das Konzept, nach dem seine Abteilung arbeitet, vor: Mit Hilfe der Software ­„roads“ werde nicht nur verhindert, dass eine Straße an einer Stelle mehrfach unnötig aufgerissen werde, auch die Auswirkungen dieser zeitweisen Störung auf die umliegende Infrastruktur wie Umleitungen und Staus könnten besser eingeschätzt und Bürger rechtzeitig informiert werden.

Dazu müssten jedoch alle Beteiligten gemeinsam ihre Vorhaben und Termine abstimmen: Anstatt der üblichen Mitteilungen und Besprechungen würden alle Akteure nicht nur digital über notwendige Maßnahmen informiert, sondern sie sich können sich an der Planung beteiligen und Jahre im Voraus ihre Vorhaben anmelden, sodass sich andere Dienstleister rechtzeitig mit einbringen können.

Der Leiter der Hamburger Koordinierungsstelle betonte, dass es nicht ausreiche, die neue Software auf den Computern der Abteilungen zu installieren, sondern alle Beteiligten jedes Projekts miteinander ins Gespräch kommen müssten. Der runde Tisch wird abgelöst durch einen Touchscreen, an dem die Behörden und Leistungsträger, die im öffentlichen Raum tätig sind, in Interaktion miteinander Zeiträume vorschlagen und auf einer digitalen Karte Streckenabschnitte festlegen können: „Wann gehe ich mit wem wo gemeinsam in den Leitungsgraben?“

Hektik, erklärte Marengwa, entstehe dann nur noch bei unabsehbaren Verkehrsstörungen wie bei Notfällen oder Wasserrohrbrüchen. Das Sichtbarmachen von geplanten Maßnahmen sei ein großer Vorteil bei der Koordinierung und die Bedienung der Software mache zudem Spaß beim Arbeiten – ein nicht unerheblicher Faktor, um die Herausforderung einer vollkommen neuen Planungskultur zu meistern.

Statt Karte an der Wand Planung in der Cloud

Holger Breitling, Senior Software-Architekt des Unternehmens Workplace Solutions (WPS) demonstrierte „roads“ gleich vor Ort: Wo vorher eine Karte an der Wand und Excel-Tabellen zum Einsatz kamen, kann nun jeder Akteur „seinen“ farbigen Balken, der für den geplanten Zeitraum einer Maßnahme steht, so hin- und her schieben, bis er sich mit den Zeiträumen anderer Dienstleister, etwa aus den Bereichen Strom und Wasser, überdeckt. Auf diese Weise entsteht ein gemeinsames Zeitfenster, das für alle Beteiligten einsehbar ist.

Verkehrsflussmanagement über die Planung von Baumaßnahmen in der Cloud und gemeinsam am Touch Table:Software-Architekt Holger Breitling erläutert die Funktionsweise von „roads“. Foto: M.True

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